11.09.2012 14:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dapd
Ameisen
Überschüssige Ameisenköniginnen schulen zu Kriegerinnen um
Auch Ameisenköniginnen können umschulen: Gelingt es einer jungen Königin der Gattung Acromyrmex nicht, eine eigenen Kolonie zu gründen, wird sie zu einer Kriegerin. Sie hilft fortan bei der Verteidigung und Pflege ihrer Mutterkolonie. Das hat ein internationales Forscherteam festgestellt.

«Wir waren bei unseren Untersuchungen in Panama sehr überrascht,  als wir bei Acromyrmex Königinnen fanden, die ihren Bau  verteidigten», sagt Erstautor Volker Nehring von den Universitäten  Kopenhagen und Freiburg im Breisgau. Denn bei anderen Ameisenarten  seien die Königinnen unumkehrbar auf die Fortpflanzung und die  Produktion von Eiern spezialisiert.

Gelinge es ihnen nicht, diese Aufgabe als Königin eines eigenen  Volkes zu erfüllen, sterben sie. Jetzt habe man eine Ausnahme von  dieser Regel entdeckt, berichten die Forscher am Dienstag im  Fachmagazin «Current Biology».

Das Schicksal der Königin

Normalerweise ist das Schicksal einer Ameisenkönigin  vorgezeichnet: Von Geburt an ist sie dafür prädestiniert, eines  Tages für den Fortbestand ihrer Art zu sorgen. Denn nur ihre Kaste  kann sich fortpflanzen und Nachwuchs produzieren, Arbeiterinnen und  Soldatinnen sind dagegen unfruchtbar. Ist eine junge Königin  ausgewachsen, geht sie auf Hochzeitsflug und paart sich.  Anschliessend wirft sie ihre Flügel ab und gründet einen eigenen  Staat.

Nicht immer aber kommt eine Jungkönigin zum Hochzeitsflug,  beispielsweise weil sie vorher ihre Flügel beschädigt oder verliert.  Sie bleibt dann im Nest und stirbt normalerweise nach kurzer Zeit  oder wird sogar von ihren Schwestern gefressen. Hierdurch wird die  in ihrem Körper gespeicherte Energie wieder für die Kolonie nutzbar  gemacht.

Bei den Blattschneiderameisen der Gattung Acromyrmex ist dies  jedoch anders, wie die Forscher berichten. Verliert bei ihnen eine  Jungkönigin ihre Flügel, bleibt sie am Leben und übernimmt Aufgaben  einer Arbeiterin: Sie verteidigt das Nest gegen Angreifer und pflegt  die Brut. Dies taten auch Königinnen, denen die Forscher die Flügel  entfernt hatten.

«Es scheint, als wüssten diese Prinzessinnen, dass sie sich ohne  Flügel niemals paaren und eine eigene Kolonie gründen können», sagt  Nehring. Deshalb bleibe ihnen nur, ihren unverletzten Schwestern zu  helfen und bei Angriffen wie die sagenhaften Amazonen den Bau zu  verteidigen.

Königinnen werden nicht gefressen

Eine mögliche Erklärung für das ungewöhnliche Verhalten könnte  nach Ansicht der Forscher die Ernährungsweise der Ameisen bieten.  Acromyrmex-Blattschneiderameisen ernähren sich von einem Pilz, den  sie in ihren Kolonien anbauen und den sie mit pflanzlichen  Nährstoffen versorgen.

«Wir vermuten, dass sie die Fähigkeit verloren haben, Fleisch zu  verdauen und ihre Königinnen zu fressen und so zu recyceln», sagt  Nehring. Deshalb sei es für diese Arten offenbar ein evolutionärer  Vorteil, wenn die unfruchtbaren Königinnen am Leben bleiben und sich  anderweitig für die Kolonie nützlich machen.

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