10.09.2011 14:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Agropreis
Der Traum von Schoggi-Spezialitäten vom Hof wurde wahr
Ohne Fremdfinanzierung realisierte die Familie Durrer die Hofconfiserie. Die Produkte finden in der Region grossen Anklang.
Ein wunderschönes Panorama empfängt den Besucher in der Region Sarnen. Das satte Grün und die leicht wolkenverhangenen Berge bekräftigen das Bild einer Postkartenidylle im Herzen der Schweiz. Doch bis Brigitte und Dominik Durrer die hofeigene Confiserie in Kerns OW eröffnen konnten, war viel Herzblut gefragt.

Neue Lösung suchen

Die ausgebildete Konditorin-Confiseurin und Bäuerin eignete sich vor ihrer Selbstständigkeit  während mehreren Jahren in verschiedenen Backstuben Berufserfahrung an. Die Teilzeitbeschäftigung war aber auch eine wichtige Einnahmequelle für das Ehepaar. Den Traum einer eigenen Confiserie liess Brigitte Durrer aber bereits seit längerer Zeit nicht mehr los. Mit der Geburt von Tochter Lina im Jahre 2007 änderte sich die Ausgangslage. Das Ehepaar musste nach einer neuen Lösung suchen, da eine Arbeitsstelle abseits des Landwirtschaftsbetriebes nicht mehr in Frage kam.

Nach reiflicher Überlegung wurde entschieden, den ersten Stock des Gädäli umzubauen. «Im Frühling 2008 begannen wir – mit viel Eigenleistung – den Raum im ersten Stock umzubauen. Dabei war das Erfüllen der Vorgaben des Lebensmittelgesetzes zentral», erzählt Dominik Durrer. Da 2009 beim Umbau des Stalls in einen Laufstall grosse Investitionen  anstanden, war von Seiten des Betriebes nicht viel Kapital für das Erstellen der Backstube zu erwarten.

Eigene Ersparnisse

Im Herbst 2008 konnte die Produktion aufgenommen werden. Finanziert wurde der Umbau vollumfänglich mit den Ersparnissen von Brigitte Durrer. Die ersten Geräte stammten unter anderem von einer Truppenunterkunft der Schweizer Armee. Auch die weiteren Anschaffungen wurden eigenfinanziert durch Mittel, welche das Jungunternehmen am Markt generieren konnte. «Das Betreiben eines eigenen Unternehmen war und bleibt natürlich ein Risiko», betont die 31-Jährige.

Das Unterbringen von Arbeit und Familie im gleichen Haus brachte viele Vorteile. Die Familie Durrer bewirtschaftet einen typischen Obwaldner Landwirtschaftsbetrieb (21 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche) mit Milchwirtschaft und Aufzucht. Im Sommer sind die Brown-Swiss-Kühe auf der Alp in Melchsee-Frutt. «Am Morgen und Abend arbeiten wir auf der Alp, am Tag sind wir im Tal tätig und können uns so intensiver um die Kinder kümmern», erzählt Brigitte Durrer. «Es ist sehr wichtig, dass Brigitte auch ein eigenes Einkommen generieren kann. Das gibt ihr viel Selbstvertrauen», erläutert Dominik Durrer.

«Süssigkeiten sind immer beliebt und deshalb gut zu vermarkten», sagt die Jungunternehmerin. «Es war natürlich von Vorteil, dass im Kanton Obwalden keine Confiserie eigene Patisserie- und Confiserieprodukte herstellt», fährt sie fort. Im Herbst 2008 wurde anlässlich einer lokalen Gewerbeausstellung die ersten Produkte vom Hof wie Hausglacé,  Spitzbuebe und Florentiner präsentiert. Die Resonanz fiel äusserst positiv aus. Der grösste Teil des Umsatzes wird heute durch Bestellungen für Geburtstage, Feste oder Buffets generiert. Die Ware wird von den Kunden abgeholt, sie wird aber auch ausgeliefert. Diese Vertriebsform ermöglicht es, immer frische Zutaten zu verwenden.

Saisonales Angebot

Für Brigitte Durrer ist es entscheidend, dass die Zutaten für ihre Süssigkeiten (ausser der Schokolade) vom Hof oder aus der Region stammen und dem saisonalen Angebot entsprechen. Früchte, Obst, Milch und Rahm kommen vom eigenen Hof. 2010 wurden bereits rund 3750 Liter eigene Milch verarbeitet. Eier und andere Zutaten stammen von Bauern aus der Region. «Mit dem Veredlen der eigenen Rohstoffe wollen wir die Wertschöpfung erhöhen. Zudem schafft dies Authentizität, welche die Kunden sehr schätzen», erklärt die in Herisau AR aufgewachsene Brigitte Durrer. Da sie Ausgangsprodukte wie den Butterblätterteig oder das Baumnussmarzipan grösstenteils selber herstellt, muss sie nur wenig Zusatzstoffe verwenden.

Identifikation stiften

Nebst dem Verkauf auf Bestellen haben die Durrers neben dem Gädäli ein Selbstbedienungslädeli eingerichtet «Die Umsätze sind zwar schwankend, entwickeln sich aber positiv. Besonders am Wochenende werden die Süssigkeiten rege nachgefragt», äussert sich die zweifache
Mutter.

Ebenfalls steil gegen oben bewegen sich die Umsatzzahlen des Schoggi-Gädäli. Betrugen diese 2009 21000 Franken, stiegen sie im darauffolgenden Jahr auf 33000 Franken. Ziel sei es nun, in der Region Ob- und Nidwalden den Marktanteil zu festigen und den Umsatz um bis zu 30 Prozent zu steigern. Das Schoggi-Gädäli sei auf die Hilfe der beiden Schwägerinnen angewiesen. «Ohne deren Hilfe würde es nicht funktionieren. Antoinette erledigt die Büroarbeiten, Maja hilft beim Verpacken und Ausliefern mit», betont Brigitte Durrer.

Für den Erfolg eines eigenen Unternehmens sei die Qualität der Waren eines der wichtigsten Kriterien. Es sei aber auch unerlässlich, sich mit dem Produkt zu identifizieren. Preislich könne man mit dem Detailhandel nicht konkurrenzieren, man müsse mit dem Inhalt punkten. «Ich war immer überzeugt vom Projekt, mein Mann hatte mehr Zweifel», sagt sie lächelnd. 
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