31.03.2015 14:24
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Lonza Visp
Über hundert teilweise problematische chemische Substanzen im Boden
Quecksilber ist laut den Ärzten für Umweltschutz und dem WWF Oberwallis nicht das einzige Problem der Lonza in Visp VS: In den Sedimenten des Grossgrundkanals und in einem privaten Garten sind laut den beiden Organisationen über hundert teilweise problematische chemische Substanzen gefunden worden.

Die Ärzte für Umweltschutz (AefU) und der WWF Oberwallis liessen laut einer Mitteilung vom Dienstag Sedimente aus dem Grossgrundkanal analysieren, in den das Chemieunternehmen Lonza ihr Abwasser von zirka 1930 bis 1976 ungereinigt hinein geleitet hat. Ausserdem untersuchten sie auch Erde aus einem Garten, der vor Jahren mit Aushubmaterial aus dem Kanal angereichert worden war.

Bei den Analysen kamen laut AefU und WWF nicht nur grosse Mengen des giftigen Quecksilbers, sondern auch «eine extrem vielfältige chemische Verschmutzung» von Kanal und Garten ans Tageslicht. Die Quecksilberbelastung im Kanal betrug demnach 72 Milligramm pro Kilogramm (mg/kg) Erde, jene im untersuchten Garten 104 mg/kg Erde. Zusätzlich wurden im Kanal 117 und in der Gartenerde 149 chemische Substanzen nachgewiesen. Namentlich erwähnt werden zum Beispiel Nitrobenzol (Erbgut schädigend), Benzo(a)pyren (Krebs auslösend) und polychlorierte Biphenyle (PCB, wirken wie Hormone, Krebs auslösend).
Laut AefU und WWF ist der Chemie-Cocktail so komplex, dass sich die toxikologische Gesamtwirkung kaum beurteilen lässt. Dies umso mehr, als die meisten Substanzen weder in der Eidgenössischen Altlastenverordnung noch in der Bodenschutzverordnung mit einem Grenzwert geregelt sind. Welche Dimension die jetzt entdeckte Belastung habe, müssten deshalb weitere Untersuchungen klären, fordern die Ärzte für Umweltschutz und der WWF Oberwallis.

Grenzwert um das 208-fache überschritten

Die IG Quecksilber - eine Interessengemeinschaft von rund 70 Anwohnerinnen und Anwohnern - forderte die kantonalen Behörden ebenfalls auf, die Detailuntersuchungen umgehend an die Hand zu nehmen. Sie bezeichnete es als mehr als Besorgnis erregend, dass in einem privaten Garten eine Quecksilber-Belastung gefunden worden sei, die den Kataster-Eintragungswert um das 208-fache überschreite. Solche Liegenschaften müssten in erster Priorität saniert werden.Kanton «nicht überrascht»
Dass in den Sedimenten des Grossgrundkanals neben Quecksilber noch andere chemische Substanzen gefunden worden seien, überrasche ihn nicht, sagte Cédric Arnold, Chef der Walliser Dienststelle für Umweltschutz. Aber bei allen Analyse-Reihen habe sich ganz klar das Quecksilber als dominierender Schadstoff herauskristallisiert. Aus diesem Grund habe der Kanton vor allem zum Thema Quecksilber aktiv informiert, erklärte Arnold.

Die Parzellen mit einer Quecksilber-Konzentration von über 2 mg/kg würden saniert, rief der Chef der Dienststelle Umweltschutz in Erinnerung. Bei den Gärten unterhalb diesem Grenzwert werde der Kanton Analysen machen, um sicherzustellen, dass keine anderen Schadstoffe von gravierendem Ausmass vorhanden seien

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