2.03.2019 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Flurnamen
Von tiefen Falten und Abhängen in Rumisberg
In der Rubrik „Flurnamen“ beantwortet Sprachwissenschaftlerin Beatrice Hofmann-Wiggenhauser Eure Fragen zu interessanten Namen von Fluren, Äckern und Weilern. Mit den Namen „Hermetsrain“ und „Schrännen“ geht unsere Serie weiter. Der Weiler befindet sich im Kanton Bern. Ihr könnt uns laufend Eure Flurnamen schicken.

Ruedi Anderegg aus Rumisberg im Kanton Bern fragt nach den Flurnamen Hermetsrain und Schrännen. Schauen wir zunächst einmal wo genau der Hermetsrain liegt. Der Abhang liegt an der Grenze zu Wiedlisbach, westlich von Rumisberg. Bei diesem Namen handelt es sich um eine  Bildung aus den Teilen „Hermets“ und „Rain“. Rain ist heute noch ein geläufiger schweizerdeutscher Ausdruck  und bezeichnet grasbewachsene Abhänge, die zwar weniger breit und meist steiler sind als Halden, aber oft breiter und weniger steil als Borde. „Hermets“ ist dabei eine verschliffene Schreibung für den Personennamen Hermann. Hermetsrain ist also der Abhang im Besitz einer Person namens Hermann. Südlich davon, auf Wiedlisbacher Boden liegt auch der Flurname Hermisbode, der ebenfalls auf die gleiche Deutung zurück zu führen ist. Die Ebene gehörte offenbar der gleichen Person namens Hermann.

Jetzt aber Schränne. Hier beginne ich schon abzurutschen. Im Baselbiet steht „Schrändler“ für eine saure spätreife Apfelsorte. Aber in diese hügelige Landschaft passen keine sauren Äpfel. Das schweizerdeutsche Wort Schränne bezeichnet eine längliche (klaffende) Wunde, beispielsweise von einem Schnitt, einer Quetschung oder einem Biss. Aber auch Riss eine Berglücke, Felsenritze, Felsenschrunde, im alpinen Gebiet gar eine Gletscherspalte.

Tatsächlich fällt südlich der Flur Schränne die Landschaft der Länge nach ab. Unterhalb erstreckt sich die Bureweid flach und spitzt sich einer Zunge gleich zu. Schränne oder Schrenne als Name ist auch in Wynau, Altstätten (SG), Hittnau (ZH) oder in Rapperswil-Jona (SG) belegt. Überall bezeichnet der Name einen Abhang, einen tiefen Einschnitt oder eine Geländekante an der Aare. Dieselbe Motivation ist auch in der Rumisberger Schränne zu suchen. Der Flurname Schränne ist also als „tiefe Falte, Geländeabbruch“ zu verstehen. Der älteste zurzeit nachweisebare Beleg zeigt die Schreibung Schrennenacker und stammt aus dem Jahr 1883. Warum der zweite Wortteil Acker im Laufe der Zeit verschwand, ist nicht klar. Möglicherweise wurde einst dieses Land dort als Acker benutzt, aber im Laufe des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts dürfte eine Umnutzung stattgefunden haben. Der Zusatz Acker erwies sich unter dieser Voraussetzung als sinnlos und verschwand konsequenterweise.

 Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin. Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.

Sendet Eure Flurnamen ein

Möchtet Ihr wissen, warum ein Acker, den Ihr bewirtschaftet oder der Weiler, auf dem Euer Haus steht, einen bestimmten Namen trägt? Dann schickt uns Eure Flurnamen (und die jeweilige Ortschaft) ein

Antworten auf Fragen zu Flur- und Ackernamen weiss die Sprachwissenschaftlerin Beatrice Hofmann-Wiggenhauser. Schicken Sie Ihre Frage an redaktion@schweizerbauer.ch, Betreff «Flurnamen». Oder per Post an: Schweizer Bauer, «Flurnamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Flur- und Ackernamen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.Flurnamen einschicken.

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