Montag, 6. Dezember 2021
17.10.2021 06:01
Wanderleiterin

In Bergschuhen aufgewachsen

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Von: czv

Die Berge bewogen Léonie van de Vijfeijken vor 25 Jahren, in die Schweiz zu ziehen. Heute ist sie Co-Präsidentin des Verbands Schweizer Wanderleiter. Das ist seit zehn Jahren ein eidgenössisch anerkannter Beruf.

Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger, die Temperaturen kühler und die Farben der Natur bunter. Für Léonie van de Vijfeijken, eine gebürtige Holländerin, eignet sich der Herbst immer noch für schöne Wanderungen. Sie bietet Wanderungen für private Gruppen «über alle Berge» an, mit abenteuerlichen oder kulinarischen Höhepunkten, im Winter auch mit Schneeschuhen. Sie übt einen Beruf aus, der dieses Jahr sein 25-Jahre-Jubiläum feiert: Sie ist Wanderleiterin. Eidgenössisch anerkannt ist der Beruf erst seit 2011. Seit diesem Jahr ist sie Co-Präsidentin des Dachverbands Schweizer Wanderleiter und Wanderleiterinnen (SWL).

Von Holland in die Berge

Es ist beinahe 25 Jahre her, seit sie als junge Frau in die Schweiz gezogen ist. Sie lebt in Bergdietikon AG, wo sie sich auch mal Zeit nimmt, um für sich alleine etwa zum nahen Egelsee zu wandern – ein von Gletschern geschaffenes Kleinod der Natur in ihrer Nähe. Am liebsten ist sie aber in den Bergen im Glarnerland, bei Engelberg, in Graubünden oder im Wallis.

«Ich verbrachte von klein auf meine Ferien in den Schweizer Bergen, manchmal auch in Österreich oder in den Dolomiten», erinnert sie sich. Sie sei nicht mit Holzschuhen aufgewachsen, sondern mit Bergschuhen, betont sie sogar. Nachdem sie sich in der Schweiz habe niederlassen dürfen, habe sie sich denn auch schon bald zur Tourenleiterin beim Schweizer Alpenclub (SAC) und später zur Wanderleiterin ausbilden lassen, sodass sie heute über einen eidgenössischen Fachausweis verfüge. Nur, wer diesen Fachausweis besitzt, darf gemäss der Bundesverordnung über Risikosportarten (VRisk) berufsmässig alpine Wanderungen leiten.

Auch Alpinwanderungen

Denn, obschon Wanderleiter nicht wie Bergführer Hilfsmittel wie Seil und Pickel benötigen, bergen auch Wanderungen Gefahren, auf die man vorbereitet sein muss. Zumal Wanderleiter auch Wanderungen nicht nur auf gelb- oder rot-weiss-rot-markierten Wander- und Bergwegen leiten, sondern sogar Alpinwanderungen auf blau-weiss-blau markierten Wegen anführen. «Zu wissen, wie man mit Lawinen umgeht, bei einem Unfall Erste Hilfe leistet oder gar ein Not-Biwak aufbaut, gehört mit zu den Fähigkeiten, die für einen Wanderleiter oder eine Wanderleiterin am wichtigsten sind», sagt van de Vijfeijken.

Hinzu kommt, dass Wanderleiter ihren Gästen etwas über Geologie, Flora und Fauna, Zusammenhänge in der Natur oder über die Geschichte und Kultur der Schweiz erzählen sollten. Je nach Wandergruppe können manche Themen mehr oder weniger von Interesse sein. «Es ist wichtig, zu spüren, was eine Gruppe interessiert oder eben nicht», meint van de Vijfeijken. Wobei sie selbst auch nach dem Grundsatz «Weniger ist mehr» handelt und lieber wenige Themen vertieft angeht, aufbauend auf dem, was die Leute schon wissen.

Problem Verbuschung

Ein Thema, das sie bei Wanderungen in den Bergen oft zur Sprache bringt, ist das Fortschreiten der Verbuschung, was in Ländern, wo es wenig oder gar keine Direktzahlungen gebe, noch einiges dramatischer sei. Auf diese Weise fördert sie Verständnis, wenngleich viele ihrer Gäste letztlich nicht bereit sind, eine vorgefasste Meinung zu hinterfragen oder gar zu ändern. Häufig kommt sie mit ihren Gruppen auch an Berg- und Alpkäsereien vorbei, die aus der kulturhistorischen Notwendigkeit heraus entstanden sind, Milch haltbar zu machen.

Der Weg ist das Ziel

Während der 1½-jährigen Ausbildung zum Wanderleiter oder zur Wanderleiterin werde allerdings erwartet, dass sich die Teilnehmer das meiste Theoretische selbst erarbeiten würden. An den Wanderleiter-Schulen im Val d’Anniviers im Wallis, beim Verein Wanderwege Graubünden in Chur oder beim Schweizer Bergführerverband in Bern legt man vor allem Wert auf das Praktische. Etwa darauf, wie man Routen plant oder wie man Animationstechniken an Zielgruppen anpasst, damit eine Wanderung zum Erlebnis wird. Letztlich kann sich zur eidgenössischen Fachprüfung nur anmelden, wer über praktische Erfahrung verfügt. Für van de Vijfeijken hilft die Ausbildung jedoch auch dabei, selbst mit offeneren Augen durchs Land zu wandern.

Kaum Landwirte

Landwirte haben sich bislang noch kaum zu Wanderleitern ausbilden lassen. Nur vielleicht jene, die Ziegen- oder Lama-Trekkings anbieten. Es gibt unter Bauern aber nicht wenige Bergführer. Doch Léonie van de Vijfeijken ist davon überzeugt, dass der Beruf des Wanderleiters oder der Wanderleiterin seine eigenen Vorzüge hat. Sie sagt: «Im Gegensatz zu Bergführern, bei denen in der Regel der Gipfel eines Berges das Ziel ist, leben Wanderleiter mehr nach dem Motto: ‹Der Weg ist das Ziel›.»

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