Samstag, 27. Februar 2021
22.10.2020 14:21
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Schweizer Bauer

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Von: jul

Meine erste Schallplatte war Lola von den Kinks. Ich war zwölf Jahre alt, und wenn heute die ersten beiden Akkorde im Radio erklingen, gespielt auf einer blechern klingenden Resonator-Gitarre, dann ist das wie eine Zeitmaschine. Sie versetzt mich zurück in mein Jugendzimmer und zu dem alten Mono-Plattenspieler meiner Eltern. Ähnlich ist es mit vielen anderen Songs aus den frühen Siebzigern. Zwar versuche ich, offen für neue musikalische Erfahrungen zu sein, aber diese enge Verbindung von Musik, Gefühl und Erinnerung ist fast ausschließlich beschränkt auf eine bestimmte Phase meines Lebens, zwischen zwölf und vielleicht 27 Jahren. Damit bin ich nicht allein. Im Zeitalter der Musik-Streamingdienste kann man das etwa anhand von Spotify-Daten nachweisen. Der amerikanische Datenwissenschaftler Seth StephensDavidowitz hat vor zwei Jahren die Streaming – zahlen von US-Top-Hits aus mehreren Jahrzehnten ausgewertet und seine Ergebnisse in der New York Times veröffentlicht. Demnach sind die Hits von damals jeweils am beliebtesten bei Frauen, die 13 Jahre alt waren, als der Song herauskam, und bei Männern, die damals 14 waren. Es gibt in der psychologischen Forschung einen Namen für dieses Phänomen: reminiscence bump, zu Deutsch etwa »Erinnerungshügel«. In unserer Jugend und im frühen Erwachsenenalter sammeln sich besonders viele und besonders emotionale Erinnerungsspuren in unserem Gehirn. Das ist nicht auf Musik beschränkt, es gilt auch für Filme CO2 oder Bücher, für zeithistorische Ereignisse und natürlich für solche aus dem eigenen Leben. Menschen kennen mehr Politiker aus ihrer Jugend als aus der Gegenwart (»Brandt und Adenauer, das waren noch echte Charaktere!«). Und wenn man sie bittet, wichtige Erlebnisse aus der eigenen Biografie aufzulisten, dann ballen die sich in dieser Lebensphase. Warum ist das so? Letztlich ist die Frage nicht geklärt, aber es gibt mehrere Hypothesen: – Als Jugendliche und junge Erwachsene erleben wir viele Dinge zum ersten Mal. Es ist eine Zeit des Wandels. Später ist ein großer Teil dessen, was wir erleben, eine Wiederholung von bereits Bekanntem. – In der Pubertät verändert sich auch unser Gehirn stark. Wir bilden neue Synapsen, der Körper ist starken hormonellen Veränderungen ausgesetzt. Unsere Lernfähigkeit ist in dieser Zeit am größten, und so speichern wir Erinnerungen, was das Zeug hält. – Wenn wir erwachsen werden, bilden wir unsere Identität heraus. Die bis dahin angesammelten Erinnerungen bestimmen, wer wir sind, und haben daher für uns ein höheres Gewicht als jene, die später kommen. – Wir entwickeln im Rückblick eine Art Skript unseres Lebens, oft eine geschönte Version der tatsächlichen Biografie. Und auf bestimmte Erlebnisse schauen wir lieber zurück als auf andere. Diese Theorie wird durch die Tatsache gestützt, dass der bump vor allem für positiv besetzte Erinnerungen nachweisbar ist, nicht für negative. Musik hat aber auch einige Besonderheiten, die sie von anderen Erinnerungen unterscheidet. Während die meisten Menschen Filme einmal, höchstens zweimal schauen, sind musikalische Erfahrungen meist Wiederholungstaten. Man legt eine CD immer wieder auf und macht sie zum Lebensbegleiter. Besonders musikalische Laien neigen dazu, die Musik ihrer Jugend in Endlosschleife zu hören, viele Radiosender orientieren sich daran und richten so ihr Programm auf ein ganz bestimmtes Publikum aus. »Der Schlüsselbegriff ist Nostalgie«, sagt der Musikforscher Reinhard Kopiez von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, der über den Erinnerungshügel geforscht hat. »Das sind bittersüße Erinnerungen: ›Schade, dass es vorbei ist, aber es war eine schöne Zeit!‹«

Kopiez hat mit einigen Mitarbeiterinnen und

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Mitarbeitern selbst eine Studie zum Thema gemacht. Die Forscher spielten 48 Probanden die jeweiligen Top-Hits aus 80 Jahren vor und baten die

Mitarbeitern selbst eine Studie zum Thema gemacht. Die Forscher spielten 48 Probanden die jeweiligen Top-Hits aus 80 Jahren vor und baten die Studienteilnehmer, diese Lieder mit wichtigen persönlichen Erlebnissen zu verknüpfen. Hinsichtlich der emotionalen Wirkung der Musik konnten sie den reminiscence bump bestätigen – die Musik aus der Jugend rief die stärksten Gefühle hervor. Überrascht waren die Forscher dagegen, als sie auf die persönlichen Erlebnisse schauten, die mit bestimmten Songs verbunden waren: Die häuften sich nicht bei einem bestimmten Lebensalter. Off

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