Samstag, 27. Februar 2021
06.12.2020 06:00
Advent

Seemann, Haudegen und Wohltäter

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Von: tku

Der Heilige Nikolaus von Myra war weit mehr als ein gemütlicher, bärtiger Mann im roten Mantel. Er konnte zuschlagen, war grosszügig und erinnert die Menschen bis heute an das Wunderbare.

«Sankt Niklas war ein Seemann», sang einst Freddy Quinn und beschrieb damit eine der unzähligen Eigenschaften, die dem Heiligen Nikolaus zugeschrieben werden. Oft wird er auch als Mann im roten Mantel mit Knecht und Esel oder als stolzer Bischoff mit Mütze und Stab dargestellt. Andere vermuten, dass er mit Frau Nikolaus und seinen Elfen am Nordpol wohnt und in seinem fliegenden Schlitten Geschenke bringt. Doch wer ist er eigentlich der wirkliche Nikolaus, der weltweit jedes Jahr am 6. Dezember gefeiert wird?

Christ unter Heiden

Der eigentliche und richtige Nikolaus wurde zwischen 270 und 286 in Patara in der heutigen Türkei geboren. Nikolaus war in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischoff der Stadt Myra in der kleinasiatischen Region Lykien. Fakten über sein Leben wurden nur wenige überliefert. Nikolaus wuchs als Christ in einem heidnischen Umfeld auf, indem Christen brutal verfolgt wurden.

Jung verwaist

Der Mittelmeerraum stand damals noch unter der strengen Herrschaft Roms, in dessen Arenen Christen gezwungen wurden, um ihr Leben zu kämpfen. Nikolaus seine Eltern starben an der Pest, als er noch ein Junge war. Da sie wohlhaben waren, hinterliessen sie ihrem Sohn ein beträchtliches Erbe, das es ihm ermöglichte, wohltätig zu wirken.

Bereits als ganz junger Mann soll er mit Goldspenden drei Schwestern vor der Prostitution gerettet hatte. Deren Vater hatte kein Geld für ihre Mitgift und wollte, wie das damals üblich war, seine Töchter zu Prostituierten machen, weil er sie nicht verheiraten konnte. Drei Nächte hintereinander soll Nikolaus daraufhin durch das Fenster einer jeden Tochter einen Beutel mit Gold für die Mitgift geworden haben.

Verfolgt und gefoltert

Im Alter von 19 Jahren wurde Nikolaus von seinem Onkel, der ebenfalls Nikolaus hiess, in Myra zum Priester geweiht und dann zum Abt des Klosters von Sion in der Nähe von Myra ernannt. Als es im Jahr 310 zu massiven Christenverfolgungen kam, wurde er gefangen genommen und gefoltert. Er kam wieder frei. Spätere Quellen berichten, dass er am ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 nach Christus teilgenommen und dort einen Widersacher Arius geohrfeigt habe.

Gebrochene Nase

Offenbar hatte der heute so sanfte Nikolaus durchaus auch eine rabiate Seite. Diese Vermutung bestätigen übrigens auch die Untersuchungen seiner Knochen. Nach seinem Tod am 6. Dezember (die Angaben zum Todesjahr reichen vom Jahr 326 bis 365 nach Christus) wurde er zuerst in Myra bestattet. Im Jahre 1087 raubten süditalienische Kaufleute die Gebeine vom Heiligen Nikolaus und brachten sie nach Bari.

Dort wurden sie im Jahre 1953 zum ersten Mal genau untersucht und gaben einige spannende Details preis. Obwohl die Knochen nicht vollständig erhalten waren, konnten die Wissenschaftler ermitteln, dass Nikolaus von Myra nur gerade 1,60 gross war, was selbst für diese Zeit eher klein war. Dafür hatte er einen recht rundlichen, massiven Kopf gemessen an seiner kleinen Statur.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurden anhand der Skizzen und Röntgenbilder von den Untersuchungen in den 50-er Jahren versucht, das Gesicht des Heiligen zu rekonstruieren. Offenbar hatte Nikolaus, entgegen der Darstellung auf verschiedenen Ikonen, eine krumme Nase, da ihm diese einmal mit einem oder mehreren Schlägen von der linken Seite her gebrochen wurde. Da der Mann in rauen Zeiten lebte, in denen nicht gerade zimperlich mit Christen umgegangen wurde, verwundert dies wenig.

Wunder geschehen

Doch was hatte es denn nun mit den Seeleuten auf sich? Da Nikolaus ­– entgegen der heutigen Vorstellungen – nicht etwa vom Nordpol, sondern aus dem Mittelmeerraum stammte, erschien er der Legende nach verschiedenen Seeleuten, die in Not geraten waren, und navigierte deren Schiff durch den Sturm. So wurde er zum Schutzpatron der Seeleute.

Er soll in einer Hungersnot aber auch Korn vermehrt, unschuldig Verurteilte vor dem Tod gerettet und ein entführtes Kind wieder heil nach Hause gebracht haben. Seine Wunder vollbrachte er nicht nur zu Lebzeiten, sondern auch noch weit über seinen Tod hinaus. Und so erinnert der Heilige Nikolaus aus Myra die Menschen noch heute daran, dass Wunder geschehen können. Vielleicht auch gerade in dieser speziellen Adventszeit im Jahr 2020, in dem so viel anders ist als gewohnt.

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