Montag, 8. August 2022
25.07.2022 08:15
Bern

Sie absolviert ihren 50. Alpsommer

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: Sibylle Hunziker

Der Alpwirtschaftliche Verein hat Katharina Zmoos dieses Frühjahr für 50 Alpsommer geehrt. Sie selber spricht lieber von der Alp und von den Menschen, von denen sie sich in all den Jahren getragen fühlte.

Der Zügelweg von Oberwil auf die Rychisalp ist steil. Und steinig. Doch oben wird die Landschaft unvermittelt wieder so lieblich wie unten im Tal.

136 Stück Alpvieh

Im saftigen Grün blühen Alpen-Liebstock und andere gute Futterkräuter der alpinen Milchkrautweiden. Duftender Thymian überzieht Felsen und Lesehaufen. Blacken- oder andere Unkrautplätze sind nicht zu sehen. «Der Schwiegersohn, der den Betrieb führt, war gerade wieder da zum Hagen», sagt Katharina Zmoos. «Er schaut gut, dass die Tiere zuerst die Ecken mit den gröberen Pflanzen abfressen, damit sich kein Unkraut breitmacht.» 

Heute werden auf der Vorderen Rychisalp 136 Stück Vieh gesömmert: 10 Kühe, die noch gemolken werden, 2 Herden mit insgesamt 40 Mutterkühen, in denen je ein Muni mitläuft, Rinder und einjährige Kälber. Es sind robuste Tiere mit Angus- und Limousin-Einschlag, die auf der gutgräsigen Alp Gewicht zulegen. Etwas anderes als Weide gibt es nicht – ausser für die Kälbergruppe: Sie bekommt die Schotte vom Käsen.

Zuerst noch Melkmaschine

1972 zog Katharina Zmoos zum ersten Mal mit ihrem Mann auf die Rychisalp, die sie frisch gepachtet hatten; 1973 war die erste, beim Alpaufzug gerade acht Wochen alte Tochter dabei. «Bis 2015 haben wir voll gekäst mit der Milch von 20 Simmentaler Kühen.» In den ersten Jahren gab es weder Melkmaschine noch Rührwerk; jedoch einen Zuchtstier, ein paar Schweine und ein Pferd, das half, alles Nötige vom Tal auf die Alp zu basten und den Mist zu verteilen.

Für den Käsetransport wurden jeweils zwölf Laibe, gut gepolstert mit Säcken und Schindeln, auf einen Halbschlitten geladen und über den Zügelweg ins Tal gezogen. 1982 erneuerte der Besitzer der Alp mit dem Militär eine alte Transportseilbahn. «Das war eine grosse Erleichterung», sagt die Älplerin. Mensch und Tier waren aber weiter zu Fuss unterwegs. Die Familie hatte im Tal einen kleinen Betrieb.

Aussicht von der Alphütte Vorder Rychisalp Richtung Simmental.
Sibylle Hunziker

Alle halfen mit

«Das frühe Heu konnten wir meist vor der Alpzeit einbringen; das spätere Heu und Emd ernteten die Schwiegereltern und mein Mann. An diesen Tagen ging er gleich nach dem Melken und kam spätabends wieder auf die Alp.» Damals gab es noch die langen Sommerferien, und im Herbst schauten die Schwiegereltern drei Schulwochen bis zur Alpabfahrt zu den drei Töchtern. In der Freizeit halfen die Töchter auf der Alp – auch, als sie Berufe lernten. Und später kamen die Schwiegersöhne und die Enkelkinder mit.

Auch die Geschwister mit ihren Kindern machten regelmässig Arbeitsferien auf der Alp oder halfen beim Zügeln – nur etwas für erfahrene Helfer. Bis 2015 hatte der Betrieb noch die Vorweide in Ringoldingen. «Dort brachen wir jeweils zwischen 2 und 3 Uhr nachts auf und zügelten in vier, fünf Stunden auf die Alp.» Zuletzt habe wegen des zunehmenden Verkehrs auf der Hauptstrasse zwischen Weissenburg und Därstetten die Polizei den Verkehr geregelt. «Das war eine zu grosse Belastung für alle.» Die Kühe habe man aber nie auf die Alp treiben müssen. «Es zieht sie zur guten Weide hier oben.»

Schon von weitem sieht man die imposante Hütte der Vorder Rychisalp.
Sibylle Hunziker

Gerne ins Tal zurück

2001 verlor Katharina Zmoos ihren Mann. «Ich wusste nicht, ob ich den Betrieb ohne ihn würde weiterführen können.» Der Verpächter habe ihr geraten, alles gut zu überlegen und ihr die Entscheidung überlassen. Sie probierte – und hat es nicht bereut. Die Töchter und die ganze Familie waren da und halfen, und auf die angestellten Mitarbeiter war Verlass. Bis heute waren es insgesamt 22 aus Stadt und Land; viele kommen immer wieder zu Besuch, manche schon mit den eigenen Kindern. «Alle halfen tragen. Aber ohne die 30 Jahre Erfahrung mit meinem Mann hätte ich es nicht gewagt.» 

Seit Katharina Zmoos’ Pensionierung führen die zweite Tochter und ihr Mann den Betrieb. «Ich bin froh, dass ich die Verantwortung weitergeben konnte.» Doch das tägliche Käsen und Hirten geniesst die Älplerin. Und sie liebt die besonderen Tage, wenn Besuch vorbeischaut, wenn die Familie zum Zäunen und Wildheuen kommt oder wenn der älteste Enkel Ende Sommer den Käse ins Tal seilt. Den Sommer über hat Katharina Zmoos auf der Alp alles, was sie braucht. Aber im Herbst kehrt sie jedes Mal gerne ins Tal zurück

Mehr zum Thema
Regionen

Die sechsschenklige Schwingarena ist nicht nur aus der Luft gut zu erkennen. - Markus Portmann Vom 25. bis 28. August 2022 findet in Pratteln BL das Eidgenössische Schwing- und Älplerfests (Esaf)…

Regionen

Der mutmassliche Schütze konnte durch die Kantonspolizei angehalten werden. - pixabay Im aargauischen Burg ist am Mittwoch ein Hund erschossen worden. Die Polizei hat den mutmasslichen Schützen angehalten. Es läuft…

Regionen

Die Polizei empfahl, generell Abstand zu Mutterkühen zu halten. - Mutterkuh Schweiz Eine Wanderin ist auf einer Weide im Jura am Sonntag von einer Mutterkuh angegriffen und verletzt worden. Die…

Regionen

Als das Projekt vor fünf Jahren lanciert worden sei, seien die Stimmen sehr viel kritischer gewesen als heute. - zvg Der Zaun ist in Bau, der Ranger steht bereit, und…

2 Responses

  1. Liebes Käthi ich gratuliere Dier ganz herzlich für den Mut und die Kraft .Ein Älplerleben ist hart aber wunderschön wenn alles stimmt.ich wünsche Dir noch viele schöne Alpsommer und gute Gesundheit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE