Montag, 6. Dezember 2021
24.10.2021 06:00
Familiennamen

Warum Papa Moll dick und unbeholfen ist

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Von: Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

Was bedeutet Hintz und warum heisst jemand Kunz? Haben Sie sich auch schon gefragt, was Ihr Familiennamen bedeutete? Unsere Namenexpertin weiss Antworten. Unsere Serie geht unter anderem mit dem Namen «Moll» weiter.

Hüpfen Sie mit Frau Springinsfeld ins Feld und laufen Sie mit den Familien Stocker und Steiner über Stock und Stein. Warum es bei Mosers wirklich Moos hat und Hofers bei einem Hof leben, finden Sie in dieser Ausgabe der Familiennamen-Serie.

Bill

Der Familienname Bill ist mehrheitlich im Kanton Bern alteingesessen, im 20. Jahrhundert in Münchenbuchsee, Kernenried und Moosseedorf eingebürgert worden. Der Name geht aufs mittelhochdeutsche Wort «Bil» (Steinhaue) und «bille» (behauen, schärfen) zurück. Es handelt sich also um einen spezifischen Berufsübernamen, nach einem Gegenstand seiner Tätigkeit; dem Müllstein behauen, schärfen. In Einzelfällen kann der Name auch auf einen ursprünglichen Rufnamen Billo zurückgehen.

Hofer

Der Name Hofer ist weit verbreitet. Der Name kann zweierlei Bedeutung haben. Entweder er ist als Standesname zu verstehen – dann ist der Name zu mittelhochdeutsch «hovaere» (Inhaber eines Hofes) zu stellen. Oder Hofer ist ein Wohnstättename zu mittelhochdeutsch «hof» (umschlossener Raum beim Haus, Bauernhof). Mit einem Wohnstättenamen wurden Menschen bezeichnet, die an einer bestimmten, auffälligen Wohnstelle lebten. Im ersten Fall bezeichnet Hofer eine Person, die in Besitz eines Hofes ist, im zweiten Fall bezeichnet Hofer eine Person, die bei einem Hof wohnt, aber nicht unbedingt dessen Besitzer sein muss.

Moll

Der Familienname Moll, der vor allem in Basel, Solothurn und Zürich alteingesessen ist, geht aufs mittelhochdeutsche Wort «molle» zurück, das Eidechse, Molch bedeutet. Daraus ist ein Übername für einen dicken, plumpen und unbeholfenen Menschen geworden. Jetzt wissen Sie auch, wieso Papa Moll seinen Namen hat.

Moser

Der weit verbreitete Familienname Moser ist ein Wohnstättenamen und geht auf das mittelhochdeutsche Wort «mos» zurück, das Moos, Sumpf oder Moor bedeutet. Mosers wohnten also ursprünglich an oder auf einem sumpfigen Gelände.

Schlotterbeck

Schlotterbecks sind im 19. Jahrhundert aus Deutschland eingewandert und in der Schweiz eingebürgert worden, etwa 1883 in Basel, 1891 in Willisau Stadt (LU), 1875 in Biberist (SO) und 1881 in Richterswil (ZH). Der Name Schlotterbeck ist ein Berufsübername für einen unordentlichen Bäcker. Der Name ist zum frühneuhochdeutschen Wort «sluderer» zu stellen, das einen zu nachlässigen Arbeiter, «einen Pfuscher» bezeichnet; dazu auch das frühneuhochdeutsche Wort «sludern», das schlenkern bedeutet.

Steiner

Der zahlreich belegte Familienname Steiner kann zweierlei Bedeutung haben. Es handelt sich um einen Berufsnamen für einen Beamten, der die Setzung der Grenzsteine überwacht, einen Strassenpflasterer, Feldmesser oder Goldschmied. Oder Steiner ist ebenfalls als Wohnstättenamen zu verstehen und geht auf einen ursprünglichen Flurnamen «Stein» zurück. Die Steiner hausen in diesem Fall in oder bei einer steinigen Gegend oder einen unter einem markanten Felsen.

Steffen

Der Familienname Steffen geht auf den Rufnamen Stephan oder Stefan zurück, der griechischen Ursprungs ist. Der Name ist heute in der Schweiz weit verstreut. Zur Verbreitung des Namens im Mittelalter trug vor allem die Verehrung des ersten Märtyrers der Urgemeinde bei, des heiligen Stephanus, der vor den Toren Jerusalems gesteinigt wurde. Weitere Varianten sind auch Steffan, Steven, Steffens, Stevens, Stephani oder verkürzt daraus, Steff und Steffel. Sie alle gehen auf den Rufnamen Stephan zurück.

Stocker

Der weit verbreitete Familienname Stocker ist auch ein Wohnstättenamen, der seinen Ursprung in einem Flurnamen hat. Stock, mittelhochdeutsch stoc, bezeichnet einen Baumstrumpf, Stock und Stockers sind somit die Familie, die bei diesem Flurnamen, also einem namengebenden Baumstamm oder -strumpf wohnten. Das Element Stock verweist aber auch auf die einst verbreitete Rodungsart des Ausstockens, also dem Entfernen der Wurzelstöcke, die nach der Brandrodung noch übrig blieben.

Springinsfeld

Die Familie Springinsfeld ist in Allschwil (BL), Hubersdorf (SO) und in Zürich alteingesessen und ursprünglich aus Frankreich und Deutschland eingewandert. Es handelt sich hier um einen Übernamen in Satzform «ich springe ins Feld» für einen unsteten, leichtfüssigen und unbekümmerten Menschen.

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Momentan arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin. Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.

Was bedeutet Ihr Name?

Möchten auch Sie wissen, was Ihr Familienname bedeutet? Senden Sie uns ein Mail mit dem Betreff «Familiennamen». Oder fragen Sie uns per Post: Schweizer Bauer, «Familiennamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Namen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.

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