Donnerstag, 18. August 2022
30.06.2022 17:49
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Wie kommt man auf sowas?

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Von: Dominic Spahr

Dominic Spahr (31) ist Landwirt und stellt sich der Herausforderung eines Agronomiestudiums. Alle zwei Wochen berichtet er, was er an der Hafl erlebt und was sonst so in seinem Leben passiert. In diesem Blog-Teil geht es ums Lernen und die schönen Seiten des Sommers.

Drei Wochen sind vergangen und noch immer sitze ich zu Hause am Pult und fordere meine Synapsen, indem ich versuche verschiedene Skripte, Zusammenfassungen und Aufgaben wiederholt dazu zu überreden, sich in meinem Schädel einzunisten.

Ich will jetzt nicht schon wieder darüber jammern, dass ich lernen muss, aber schliesslich sollen diese Beiträge vom Leben eines Studierenden erzählen und leider Gottes wird mein Alltag zurzeit mehrheitlich vom Lernen geformt. Vor allem vom Erlernen der Mathematik.

Durchschnittlich schlau

Vor einigen Monaten habe ich euch schon mal etwas über meine Gefühle diesem Thema gegenüber erzählt. Ich will mich dieses Mal nicht zu sehr damit beschäftigen, aber eine Frage stellt sich mir unweigerlich: Wer zum Henker hat dieses Zeug ersonnen? Wie kann es sein, dass ich als – wie ich zu behaupten wage – durchschnittsschlauer Zeitgenosse, gefühlte acht Wochen brauche, um mir halbbatzig die Grundlagen eines Konzepts anzueignen, das jemand anderes einfach erfunden hat? Wie kommt man auf sowas? Warum begreifen es andere Studierende auf Anhieb und wieso gibt es Leute die sich das gar nicht erst antun? Fragen und Gedanken, die mir während der letzten paar Wochen zwei, drei Mal durch den Kopf gegeistert sind. Erstaunlich, wie verschieden die Menschen doch sind.

So. Mathematik beiseite. Während die Temperaturen in den letzten Tagen schwindelerregende Höhen erklettert haben, ist es hilfreich, wenn man sich ein Wenig vom rauchenden Kopf und der infernalen Hitze der eigenen vier Wände erholen kann.

Der Bielersee verhilft zu Abkühlung.
Bild: jul

Schönster Beruf

Die zahlreichen, schönen Gewässer der Schweiz, unter Anderem der Bielersee, eignen sich dafür ausgezeichnet. Nebst gelegentlichen Abkühlungen ist es auch schön, mal wieder einfach draussen sitzen zu können und den Abend verstreichen zu lassen.

Zusätzlich zum sonnigen Wetter, den langen Tagen, den warmen Nächten und den gelegentlichen Abstechern ins kühle Nass erfreut es mich, dass in diesen Tagen überall die Heuernte in vollem Gange ist. Ich geniesse den Duft der frisch gemähten Wiesen und dem getrockneten Gras. Und das emsige Treiben auf den Feldern erinnert mich daran, dass das Bauern nach wie vor der schönste Beruf ist, den ich mir vorstellen kann und ich mit dieser Ausbildung tatsächlich mal was richtig gemacht habe.

Partys mit guten Freunden

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, könnte man fast schliessen, dass ich den Sommer bisher geniesse. So ist es auch. Viele Begebenheiten und Ereignisse spielen mir zurzeit in die Karten.

Unter anderem erfreut es mich, dass es wieder zahlreiche Anlässe im Freien gibt. Sportanlässe, Konzerte oder einfach gemütliche Partys mit guten Freunden, bei denen man ein wenig beschwipst irgendwelchen Blödsinn in die Ohren, seiner Mitmenschen lallen kann, ohne sich dabei Sorgen um irgendwelche griechischen Buchstaben oder Abstandsregeln machen zu müssen. Etwas, von dem ich mir nicht richtig bewusst war, wie sehr es in der letzten Zeit gefehlt hat. Einfach zusammen sein können und die Seele baumeln lassen. Vielleicht sind die Menschen doch gar nicht so verschieden wie ich anfangs glaubte.

Aufgrund möglicher Veränderungen dieser Umstände, fordere ich euch hiermit offiziell dazu auf diese Zeiten zu geniessen. Und wie immer macht es gut und häbet sorg.

Teil 12: «Vielleicht habe ich einfach ADHS» – Schweizer Bauer
Teil 11: Augen nach vorn – Schweizer Bauer
Teil 10: «Du bekommst ganz sicher den ‹Verleider›» – Schweizer Bauer
Teil 9: «Nur das Leben auf eigenen Hof ist besser» – Schweizer Bauer
Teil 8: «Nur Müll fressen und alles verdrecken» – Schweizer Bauer
Teil 7: Neue Frisur und ein ungeheurer Schatten – Schweizer Bauer
Teil 6: «Ich gehe fürs Klima in die Schule, statt sie zu schwänzen» – Schweizer Bauer
Teil 5:  Vom Prüfungspult auf die Piste
Teil 4: Prüfungsstress und Zeitmanagement
Teil 3: «Jahr beginnt für mich mit Corona»
Teil 2: Vom Traktor in den Hörsaal
Teil 1: Neuanfang an der Hochschule

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