Freitag, 30. September 2022
28.07.2022 10:58
Familiennamen

Vom Gemüsebauer und dem Gantmeister

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Von: Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

Ist die Familie Lieber besonders lieb und die Familie Angst sehr ängstlich? Bauen die Kreuters Heilpflanzen an und warum heisst die Familie Sommer so? Antworten darauf gibt es hier.

Der Name Lieber kann zwei Bedeutungen haben. Entweder stammt der Name aus einem alten deutschen Rufnamen Liebher, der später zum Familiennamen wurde. Oder es handelt sich um einen Übernamen zum mittelhochdeutschen Wort lieb, das lieb, angenehm, erfreulich bedeutet und für einen angenehmen, wertschätzenden und geliebten Menschen verwendet wurde. Der Name Lieber ist in der Schweiz mehrheitlich im Raum Zürich verbreitet.

Familie Kreuter

Der Name Kreuter ist ein Berufsname zum mittelhochdeutschen Wort Kruter, das einen Gemüsebauer, -händler, Kräutersammler bezeichnet. Der Name existiert auch in den Varianten Krauter oder Kräuter und geht jeweils auf die gleiche Bedeutung zurück. Kreuter kann aber auch als Herkunftsnamen zum vor allem in Bayern häufigen Ortsnamen Kreuth stammen. Der Name kommt in der Schweiz in Basel und Bern vor.

Familie Kägi

Der Name Kägi ist eine alemannische Ableitung von Kage. Kage ist ein Übername zum schwäbisch-bairischen Wort Kage, das Krautstrunk bedeutet. Vielleicht wurde damit ein dürrer Mensch bezeichnet. Möglich ist aber auch eine Ableitung zu einem Wohnstättennamen zu Kager, das eine feste gefügte Umzäunung bezeichnet.

Familie Ledermann

Ledermann ist ein Berufsname auf -mann zum mittelhochdeutschen Wort leder, das Leder wie im heutigen Sinn bedeutet. Mit Ledermann wird ein Gerber oder Lederhändler bezeichnet. Die Familie kommt ursprünglich aus dem Kanton Bern.

Familie Angst

Der Name Angst ist ein Übername für einen ängstlichen Menschen. In Einzelfällen kann es sich hier auch um einen Wohnstättennamen handeln, für jemanden, der an einer engen Stelle wohnte. In diesem Fall ist das Wort zum mittelhochdeutschen Wort ange (eng) zu stellen.

Familie Sommer

Der Name Sommer ist ein Übername zu mittelhochdeutsch sumer (Sommer). Mit Sommer wurde früher ein Zinstermin oder eine Arbeitsverpflichtung bezeichnet. Der Name kann auch ein Wohnstättenamen für jemanden meinen, der an der Sonnenseite siedelte. Möglich ist auch ein Berufsübername oder Berufsname zu mittelhochdeutsch soumaere, sommer als Führer von Saumtieren.

Familie Gander

Hier handelt es sich um einen alten oberdeutschen Berufsnamen für den Küfer oder zum Berufsnamen zu mittelhochdeutsch Gant (Versteigerer) für den Gantmeister, den Versteigerer. Auch möglich ist ein Berufsübername zu gante (Gänserich) für den Gänsezüchter oder -händler. Die Familie Gander ist mehrheitlich im Kanton Bern alteingesessen, wobei die Ganders aus Basel aus Deutschland eingebürgert sind.

Familie Flück

Der Name Flück ist ein Übername zum mittelhochdeutschen Wort vlücke (befiedert zum Ausflug aus dem Nest, flügge) und steht für einen munteren, unternehmenslustigen Menschen. Der Name ist sehr alt, etwa für Schönenwerd (SO) ist ein Christin Flück bereits fürs Jahr 1351 belegt.

Familie Bühler

Bühler ist ein Wohnstättenamen zu mittelhochdeutschen Wort Bühel, das Hügel bedeutet. Damit wurde jemand bezeichnet, der auf oder an einem Hügel wohnte. Der Name ist zahlreich in der Schweiz vertreten.

Der Name Wackernagel ist ein derber Übername zu den mittelhochdeutschen Wörtern wacker (wach, wachsam, munter, frisch, tüchtig, tapfer) und Nagel (Nagel), im Sinne von Penis. Wackernagel bezeichnet eine Person, die «wacker nagelt», die also im wahrsten Sinne des Wortes durch eine männliche herausragende Eigenschaft aufgefallen ist.

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser aus Allschwil BL ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin. Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.

Was bedeutet Ihr Name?

Möchten auch Sie wissen, was Ihr Familienname bedeutet? Senden Sie uns ein Mail mit dem Betreff «Familiennamen». Oder fragen Sie uns per Post: Schweizer Bauer, «Familiennamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Namen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.

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