Montag, 28. November 2022
29.08.2022 10:16
Familiennamen

Warum der Name Kunz so beliebt ist

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Von: Beatrice Hofmann-Wiggenhauser

Ist die Familie Erb besonders reich, warum ist Kunz ein beliebter Name, hat die Familie Wiederkehr viel Heimweh und warum heisst jemand Bräutigam oder Barfuss? Die Antworten dazu gibt es hier:

Familie Erb

Die Familie Erb ist in der Schweiz zahlreich vertreten. Der Name kann zweierlei Bedeutung haben. Entweder erfolgte die Benennung nach einem Übernamen zum mittelhochdeutschen Wort «erbe», das Nachkomme, Erbe oder Erbschaft bedeutet und somit für einen erbberechtigten Nachkommen oder jemanden, der ein gutes Erbe gemacht hat, stand. Oder die Benennung erfolgte nach einem Rufnamen «Erbarth oder Erbreich», der dann zu Erb abgekürzt wurde.

Familie Kunz

Der Familienname Kunz gibt es in der Schweiz sehr oft; so liegt auch die Redewendung nahe «Hinz und Kunz», das alle x-beliebige Leute meint, einfach jedermann. Hinz und Kunz als Bezeichnung für den allgemeinen Durchschnitt stammt aus dem Mittelalter, in dem die beiden Namen Heinrich (für Hinz) und Konrad (für Kunz) sehr verbreitet waren. Zur Beliebtheit der Namen hat auch geführt, dass viele Herrscher in der Geschichte Deutschlands Heinrich oder Konrad hiessen. Der Name ist nebst Lüthi und Marti einer der drei häufigsten Familiennamen in der Schweiz, die auf einen Personennamen zurückgehen.

Familie Rüegg

Der Familienname Rüegg ist vor allem im Raum Zürich verbreitet. Der Name geht auf einen althochdeutschen Rufnamen «Ruodiger» zurück, der insbesondere im alemannischen Sprachraum äussert beliebt war. Der Name setzt sich aus Althochdeutsch «hruod» (Ruhm) und «ger» (Speer) zusammen. Dazu auch die Varianten Riegg oder Rüegger.

Familie Flückiger

Der Name ist mehrheitlich im Raum Bern verbreitet und gehört zu den sogenannten Herkunftsnamen. Der Name geht auf die Ortschaft Flückigen zurück, ein Weiler in der Gemeinde Rohrbachgraben (BE). Die Ortschaft ist im Berner Namenbuch bereits 1328 belegt.

Familie Wiederkehr

Die Familie Wiederkehr stammt ursprünglich mehrheitlich aus dem Raum Aargau, Zürich und Luzern. Die Benennung erfolgte nach einem Übernamen zum mittelhochdeutschen Wort «widerker», das Zurückgehen, Rückkehr und Heimkehr bedeutet. Der erste Namensträger wurde demnach so benannt, weil er nach einer längeren Abwesenheit wieder zurückkehrte. Im Einzelfall könnte es sich auch um einen Wohnstättenamen handeln, wenn jemand an einer Wegbiege (Wiederkehr) wohnte. Der Name ist schon alt belegt, etwa für den Raum Aarau im Jahr 1530 oder für den Raum Zürich bereits 1266.

Familie Braun

Der Name ist in der Schweiz weit verbreitet und kann zweierlei bedeuten. Entweder erfolgte der Name nach der Benennung nach einem Rufnamen «Brunhard» oder «Brunold» oder der Name entstammt aus einem Übernamen. Im letzteren Fall wäre Braun zum mittelhochdeutschen Wort «brun», das braun, dunkelfarbig (nach der Haar-, Haut- oder Augenfarbe) bedeutet. So wie auch die Familiennamen Weiss, Rot oder Schwarz eine charakteristische farbige Äusserlichkeit, die dem ersten Namensträger zuzuschreiben war, benannten.

Familie Ledermann

Der Familienname ist mehrheitlich aus dem Raum Bern stammend. Die Benennung erfolgte nach einem Beruf zum mittelhochdeutschen Wort «leder» (für Leder). Es handelt sich um einen Berufsnamen für den Hersteller von Leder oder aber es steht für den Lederhändler.

Familie Bräutigam

Der Name Bräutigam ist in der Schweiz relativ selten; er stammt ursprünglich aus Oftringen (AG). Der Name erfolgte nach der Benennung eines Übernamens zum mittelhochdeutschen Wort «briutegome» und bedeutet Bräutigam, Gemahl, Verlobter. Der erste Namensträger wurde damit genannt, um ihn als einen frischvermählten Ehemann (zur Unterscheidung von anderen, nicht oder alt verheirateten Familienmitglieder) zu unterscheiden.

Familie Barfuss

Der Name ist in der Schweiz selten vertreten und ist ursprünglich nur in drei Gemeinden alteingesessen; Oberthal (BE), Igis (GR), Borex (VD). Beim Namen sind zwei Deutungen möglich. Die Benennung könnte nach einem Übernamen erfolgt sein und somit auf einen Barfüssermönch (Franziskaner) hinweisen oder für jemanden der barfuss läuft. Oder es kann sich um die Benennung um einen Wohnstättenamen handeln für jemanden, der bei einem Kloster oder Kirche der Barfüssermönche oder an einer Barfüssergasse wohnte.

Zur Autorin

Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin. Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.

Was bedeutet Ihr Name?

Möchten auch Sie wissen, was Ihr Familienname bedeutet? Senden Sie uns ein Mail mit dem Betreff «Familiennamen». Oder fragen Sie uns per Post: Schweizer Bauer, «Familiennamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Namen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.

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