12.03.2019 16:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Landtechnik
«Agrama 2020 wird stattfinden»
Die Robert Aebi Landtechnik AG geht nicht an die Agrama 2020. Pierre-Alain Rom, Geschäftsführer von Veranstalter Schweizerischer Landmaschinen-Verband (SLV) zeigt auf, weshalb die Messe weiterhin der wichtigste nationale Anlass der Landtechnik bleiben wird.

«Schweizer Bauer»: Was wird dieser Entscheid für Auswirkungen auf die Agrama im Jahr 2020 haben?
Pierre- Alain Rom: Der Schweizer Landmaschinen-Verband SLV wird an der bisherigen Ausstellungspolitik und -strategie festhalten, zum jetzigen Zeitpunkt sind die Auswirkungen auf die Ausstellung 2020 noch schwer abschätzbar. Grundsätzlich sind wir jedoch auf Veränderungen in der Messelandschaft vorbereitet und gehen davon aus, dass die Agrama 2020 im gleichen Rahmen wie bisher stattfinden wird.

Viel spekuliert wird bereits, dass der Austragungsrhythmus auf drei Jahre ausgedehnt werde?
Hier geht es um Spekulationen. Der Vorstand analysiert nach jeder vergangenen Agrama verschiedene Parameter, und bis anhin sind keine Diskussionen oder Entscheidungen aktuell, die eine Rhythmusänderung zur Folge haben würden.

Haben weitere Aussteller angekündigt, dass sie an der Agrama 2020 nicht mehr teilnehmen werden?
Nein.

Robert Aebi verzichtet auf Agrama

In den letzten Jahren habe sich die Agrama zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt. Man treffe sich, um sich zu unterhalten und auszutauschen. «Die Verkäufe werden aber im Vorfeld beim Vertriebspartner oder im Regionalzentrum abgewickelt», Armin Segmüller, Chef von Robert Aebi Landtechnik, zu «Schweizer Bauer». Die Landwirtschaft sei ein sehr regionales Geschäft. «Wir wollen noch stärker dorthin, wo unsere Kunden und Vertriebspartner sind», so Segmüller. 

Diverse Aussteller beklagen sich über die teilweise hohen Standgebühren. Was sagen Sie dazu?
Im Vergleich zu internationalen und anderen nationalen Ausstellungen sind die Standgebühren an der Agrama in einem tiefen Segment. Der SLV-Vorstand hat sich sehr bemüht, die Standgebühren seit mehreren Jahren auf dem gleichen Niveau zu halten und wo möglich zu senken oder entsprechende bessere Dienstleistungen Ausstellern und Besuchern zu offerieren. Selbstverständlich sind die Ausstellungskosten für die ausstellenden Betriebe (individuell pro Stand) immer ein nicht zu unterschätzender Budgetposten. Als Gegenleistung steht aber die Präsenz an der wichtigsten nationalen Fachausstellung für Land- und Forsttechnik mit über 50'000 potenziellen Kunden. Die Fachausstellung Agrama dient auch als Kundenbeziehungsmanagement und wird gemäss einer neutralen Umfrage, von den verschiedenen Ausstellern und vielen Besucherinnen und Besucher überaus geschätzt.

In Gesprächen erklären die Aussteller zudem auch, dass sich der Verkaufserfolg an der Messe auf nur noch sehr wenige Maschinen reduziert habe. Hat das Konzept der nationalen Messe überhaupt noch eine Zukunft?
Investitionen in grössere Maschinen, die zum Teil sehr hohe Investitionssummen bedeuten, sind Entscheidungsprozesse, die sich für einen Landwirt über mehrere Wochen oder Monate erstrecken. Entsprechend liegt es in der Natur der Sache, dass kaum jemand an die Agrama kommt und sich gleich entschliesst, eine solche Investition zu tätigen. Die Agrama ist vielmehr dafür da, dass die Landwirte innerhalb von kurzer Zeit und auf engem Raum den Vergleich zwischen den einzelnen Produkten machen können. Für den Aussteller bietet sich der Vorteil, seine Produkte einer breiten Masse von fachkundigen Anwendern präsentieren zu können. 

Werner Berger, Serco Landtechnik AG

«Wir kommentieren Entscheide der Konkurrenz nicht. Wir hinterfragen stets jede eigene Aktion und immer wieder von Neuem, bevor diese durchgeführt wird. Dies gilt insbesondere auch für die Teilnahme an Messen. Wir haben nach der Agrama 2018, wo wir ein neues Standkonzept präsentiert haben, viele positive Rückmeldungen, sowohl von Händlern als auch von Kunden und generell den Besuchern erhalten. Unsere Händler konnten am Stand der Serco Landtechnik viele Geschäfte anbahnen oder abschliessen. Die Messe war für uns ein Erfolg. 

Die Landwirtschaft wandelt sich jedoch und damit die Bedürfnisse der Landwirte und Lohnunternehmer. Wenn es nationale Messen schaffen, sich dem Wandel anzupassen, dann haben sie eine Zukunft. Eine zentrale Rolle haben nationale Messen bei der Präsentation von Neuheiten. Für die Zukunft unserer Marketingaktivitäten: Wir passen uns den aktuellen und zukünftigen Marktbedürfnissen an. Digitales Marketing gewinnt dabei immer mehr an Bedeutung.» 

Bernhard Läubli, New Holland-Center

«Der Schritt der Robert Aebi Landtechnik erstaunt nicht. Dass der Fokus vermehrt auf die Regionen gelegt wird, ist nichts Neues. Der seit drei Jahren rückläufige Traktorenmarkt in der Schweiz ist für die Branche nicht einfach – es geht darum, die Kosten im Griff zu haben. Dazu gibt es verschiedene Massnahmen.»
Thomas Hahme, SDF Schweiz

«Wir kontrollieren unseren Erfolg nach der Messe jeweils genau. Für uns hat die letzte Messe den gewünschten Erfolg gebracht. Wichtig ist für uns, dass der Kosten-Nutzen-Faktor stimmt. In einem schwierigen Markt für unsere Kunden, die Landwirte und für die Landmaschinenhändler ist das ein zentrales Anliegen und darf nicht vernachlässigt werden. Zudem werden wir in Zukunft ebenfalls vermehrt auf das Lokale setzen. Das bedeutet unter anderem: Wir organisieren Fahrtage, an denen die Landwirte und Lohnunternehmer die Produkte fahren können. Einen solchen Trend kann man in ganz Europa feststellen.»
Markus Angst, GVS-Agrar

«Grundsätzlich ist jeder Anbieter frei in der Auswahl seiner Marketingaktivitäten, ich finde diesen Schritt sicherlich interessant. Wir prüfen seit mehreren Jahren unsere Teilnahme jedes Mal gründlich, haben auch unser Konzept massiv angepasst. Wir machen unsere Teilnahme aber nicht vom Verhalten unserer Marktbegleiter abhängig. Das Kundenbedürfnis  für nationale Plattformen ist sicherlich da (Besucherzahlen Tier & Technik, Agrama), über Standort, Form und Grösse muss man sicherlich diskutieren. Wir sind ständig am Entwickeln von neuen Elementen und versuchen den Trends Folge zu leisten oder voranzugehen. Wir möchten uns aber  nicht zu unserer zukünftigen Strategie äussern, lassen Sie sich überraschen.» 
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