Sonntag, 29. November 2020
08.11.2020 06:00
Agropreis

Der  Row Chipper  kennt keine Schieflage

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Von: dha

Der Agropreis in der Kategorie Landtechnik geht dieses Jahr an Tüftler Ruedi Emch. In den Werkstätten seines Arbeitgebers hat er einen gezogenen Geräteträger entwickelt, der eine präzise Geräteführung auch am Hang erlaubt. 

Ruedi Emch tätschelt seine Erfindung bei der Präsentation stolz. Der erfahrenste Fahrer und Landwirt aus dem Chauffeuren-Team des Lohnunternehmens Schneeberger und Berger hat allen Grund dazu. Sein angehängter Geräteträger-Rahmen gewinnt den Spezialpreis Landtechnik bei der diesjährigen Agropreisverleihung. Dass der Gewinn berechtigt ist, zeig die Maschine im Einsatz: Alle Funktionen laufen Problemlos. Doch erstmal der Reihe nach.

Mitte Februar gings los: Ruedi Emch beginnt in der Werkstatt von Schneeberger & Berger Agrarservice in  mit der Konstruktion eines angehängten Hackgeräteträgers, einer Maschine nach seiner Vision. «Die Landwirtschaft will weniger Herbizide einsetzen», gibt Emch zu verstehen. Und dazu brauche es Ideen und neue Konstruktionen. Da ist er nicht alleine: Andere Unternehmen unterstützen Emch sofort, stellen Arbeitskraft oder Hackgeräte für Einsatztests zur Verfügung.

Aktuelle Probleme

Emch hat sich mit seiner Konstruktion den üblichen Problemen der Hacktechnik gewidmet. Grosse Schlagkraft braucht breite Hackgeräte, die nicht selten mit Verschieberahmen über 2,5 Tonnen wiegen und so meist für die Traktorhinterachse zu schwer sind. Daneben kann in Seitenlage meist nicht optimal gefahren werden, da das Hackgerät schnell zu weit rutscht.

Der nun entwickelte gezogene Rahmen löst diese Probleme weitgehend. Der rund 1800 kg schwere Rahmen trägt jedes handelsübliche Hackgerät sicher und komfortabel auf Strasse und Feld. Es kann mit einem leichten Traktor ohne Frontballast gefahren werden.

Der Träger steht sehr stabil, wird auch bei tiefer Arbeit nicht vom Schieberahmen des Hackgerätes weggedrückt und führt das angebaute Gerät auch in Seitenlage stabil — das hat der Prototyp in den ersten Versuchen in Mais, Zuckerrüben und Sojabohnen bereits bewiesen.

Auch in den Herbstkulturen hat der fertig entwickelte Träger sein Können unter Beweis gestellt. Emch zeigt stolz ein Video, wo der Traktor schräg am Hang entlang läuft, der Träger das Hackgerät aber schnurgerade mit extrem knappem Abstand zur Pflanze läuft – die Königsdisziplin für jedes Hackgerät. 

Innovative Steuerung

Spannend ist die Steuerung. Der angebaute Traktor kann entweder in der aufgezeichneten A–B-Linie fahren oder mit dem neuen John Deere AutoTrackVision-Kamera-Lenksystem der Reihe folgen, wenn die Aussaat ohne GPS erfolgt ist.

Der Träger folgt den GPS-Daten des Traktors mittels dem Sender, der über der gelenkten Achse im Heck montiert ist. Im Vorgewende folgt der gelenkte Rahmen den «gelegten» Spuren des Traktors.  Das Hackgerät steuert sich per Kamera selber mit dem Schieberahmen, der auch beim klassischen Anbau im Dreipunkt zum Einsatz kommt.

In der Kabine kann der Fahrer die Lenkachse auch mit Hebeln steuern. Das kann in engen Situationen oder bei Hindernissen sehr praktisch sein. Da das Hackgerät mit dem Träger etwas weiter hinten läuft als normal, ist die Sicht auf die Pflanzen etwas eingeschränkt. Der Anbau weiter hinten bringt aber andere Vorteile, so ist die gesamte Hackgerätebreite ohne Verrenkungen einsehbar, keine Kotflügel oder Traktorräder verdecken die Sicht.

Träger in Serie

Ruedi Emch ist sehr dankbar, dass sein Arbeitgeber Schneeberger und Berger und die Robert Aebi Landtechnik AG seine Idee unterstützen. «In den Prototyp haben wir sehr viele Arbeitsstunden investiert», erklärt Emch. Die ausserordentliche Lage habe dazu geführt, dass Teile wie die Achse zu spät geliefert wurden, das hat unter anderem auch etwas zu Verzögerungen in der Konstruktion geführt. «Ich freue mich sehr über den Preis für den «Row Chipper», fügt Emch an. 

Sein erster Wunsch für die Maschine wird schon mal wahr: Nach dem Prototypen wird nun bereits eine Maschine mit Seriennummer 1 gebaut. Das zeigt, dass grosse Neuheiten nicht aus millionenschweren Entwicklungsbüros kommen müssen. Es reicht eine Portion Mut, Erfindergeist und Leute von der Scholle, die wissen von was Sie reden.

2 Responses

  1. Solche Produkte entstehen, wenn intelligente Landwirte sich mit moderner Technik auskennen und sie sinnvoll zu nützen wissen. Nicht immer in der Grösse der Maschinen liegt die Zukunft.

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