19.05.2018 13:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Rudolf Gnädinger
Strassenverkehr
Anhängerzüge: Fliehkraft beachten
Bei Fahrten mit Anhänger verändert sich vieles. Den Fliehkräften muss besondere Achtung geschenkt werden.

Unfälle, bei denen nicht rechtzeitig angehalten werden konnte oder der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat, passieren weniger mit dem leeren Traktor, sondern im Anhängerbetrieb. 

Achtung, Kurve

Auch bei einer funktionsfähigen Technik erhöhen die Geschwindigkeit, hohe Anhängelasten, abfallende Strecke und rutschige Fahrbahnen die Unfallgefahr. Nicht zu unterschätzen sind die Fähigkeiten des Fahrers. Obwohl die nötige Fahrberechtigung vorliegt, ist es nötig, seine fahrerische Fähigkeiten oder diejenige des mit der Fahrt Beauftragten zu hinterfragen. Lieber fehlende Routine oder Erfahrungen als Fakten akzeptieren, als nach dem Unfall dessen Folgen zu bewältigen. Je höher die Geschwindigkeit, desto schneller muss der Fahrer die wechselnden Situationen erfassen. 

Auch die Dynamik beim Bremsen und bei Richtungsänderungen erhöht sich überproportional. Eine zu schnell angefahrene Kurve endet daher sehr schnell in einem spektakulären Schleuderunfall. Ursachen sind die Zentrifugalkräfte und die Kräfte, welche durch die unterschiedlichen Fahrstrecken von Zugfahrzeug und Anhängern entstehen. Eine angepasste Geschwindigkeit ist also etwas wie die Vorsicht als Mutter der Porzellankiste. 

Bremskraft anpassen

Wird die vom Traktor zulässige Anhängelast ausgenützt, liegen teilweise Gewichtsverhältnisse vor, wo im Lastwagenbetrieb bereits von einem Schwertransport gesprochen wird. Hier ist es besonders wichtig, dass die Anhänger sicher ausreichend abbremsen. Die neue Norm zur Kalibrierung der Ventile ist zugleich eine Verbesserung, denn dank ihr wird der Traktor bei einer Schnellbremsung nicht mehr vom Anhänger gestossen. 

Bei Fahrten im Gefälle wird zum Schonen der Bremsen in einen kleinen Gang geschaltet. Wird nun die Fussbremse betätigt, summieren sich die Bremskräfte, und der Traktor kann ins Rutschen geraten. Im Schreck lässt der weniger erfahrene Fahrer die Bremse wieder los, und die Situation kann aus der Kontrolle geraten. Da die Abstimmung der Bremsen immer ohne den Einfluss durch den Motor erfolgt, ist in dieser Situation die Kupplung zu treten, damit das Gefährt dank ausgeglichener Bremskraft mit der Fussbremse wieder unter Kontrolle ist.

Zwangslenkung


Die Deichselkräfte sind beim Zweiachsanhänger auch beim Durchfahren einer Kurve sehr gering, da die eingeschlagene Vorderachse den durch einen Richtungswechsel entstehenden Kräften entgegenwirkt. Auch mögliche Schwerpunktverlagerungen beim Anhänger haben keinen Einfluss auf die Deichsellast. 

Bei Zentralachsanhängern hingegen müssen alle Kräfte für den Richtungswechsel vom Anhängepunkt am Traktor aufgebaut werden. Daher geraten Anhängezüge mit Tandem- oder Tridemachsen besonders schnell ausser Kontrolle, wenn eine Kurve zu schnell angefahren wird. Als wirksame Verbesserung kann hier nur eine Zwangslenkung bei mindestens einer Achse empfohlen werden.

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