20.10.2017 06:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Berufsmeisterschaft
Bauernsöhne werden Weltmeister
Die Schweizer Delegation hat an den diesjährigen Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi so gut abgeschlossen wie nie zuvor. Das Nationalteam gewann gleich zwanzig Medaillen, davon elf goldene. Ganz zuoberst auf dem Podest standen auch der Bauernsöhne Adrian Krähenbühl bei den Landmaschinenmechanikern, Manuel Allensbach aus Gossau SG in der Kategorie IT&Software-Lösungen sowie Simon Furrer aus Gunzwil LU bei den Anlagenelektrikern.

Die Lehre absolvierte Adrian Krähenbühl bei Studer Landtechnik AG in Lyssach BE. Nun arbeitet der Berner bei Wälchli Lohnunternehmung in Niederoesch. Im März 2016 gewann er die Schweizer Berufsmeisterschaften, die Swissskills, und qualifizierte sich für die Berufsweltmeisterschaften. Gegen 15 andere Teilnehmer setzte sich Krähenbühl in den vergangenen Tagen im Emirat in der Kategorie «Heavy Vehicle Maintenance», Unterhalt schwerer Maschinen, durch. 

Krähenbühl gibt sich nach dem Erfolg überrascht. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich siegen würde. Es ist nicht alles optimal gelaufen. Trotzdem bin mit der Leistung zufrieden. Die Goldmedaille ist die Belohung dafür", sagte er nach dem Wettkampf. Er habe gehofft, dass die Leistung für das Podium ausreiche. Die Medaille will er nun in seinem Zimmer aufhängen. Der 21-jährige Bauernsohn lebt noch immer auf dem Milchwirtschaftsbetrieb seiner Eltern. Sein Plan ist es, den Betrieb einmal zu übernehmen.

Ein Porträt des Weltmeisters lesen Sie hier

Das Technische faszinierte

Nebst Krähenbühl gewann auch ein zweiter Bauernsohn Gold in Abu Dhabi. Manuel Allensbach aus Gossau SG holte sich den Sieg in der Kategorie IT&Software-Lösungen. Der 21-Jährige ist IT-Software-Entwickler. Seine Konkurrenten kamen vor allem aus Asien und Brasilien. 

Seine Lehre machte der Ostschweizer schliesslich bei Bühler in Uzwil. Derzeit arbeitet er in der Verwaltungsrechenzentrum AG St. Gallen in St. Gallen. Im September hat er ein Studium in Software Engineering an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur begonnen.

Für Bauernsohn war schon in der Oberstufe klar, dass er Programmierer werden wollte, wie er dem «St.Galler Tagblatt» sagte. Er habe bereits früh gemerkt, dass ein handwerklicher Beruf nicht sein Ding ist. «Alles Technische faszinierte mich, deshalb schnupperte ich mehrmals in IT-Unternehmen», sagte er gegenüber der Zeitung.

Furrer hilft auf dem Hof

Mit Simon Furrer aus Gunzwil LU gewann ein dritter Bauernsohn auf der Arabischen Halbinsel die Goldmedaille. Der Weltmeister in der Kategorie Anlagenelektriker half schon von klein seinem Vater auf dem Hof. "Dabei ging es nicht nur um die Versorgung der Tiere, sondern auch um die Intakthaltung des Hofes, wozu auch kleinere Elektro-Arbeiten gehörten", sagte er in einem Interview im Vorfeld der SwissSkills (Schweizer Berufsmeisterschaften).

«Einfach nur genial», sagte Furrer zum Sieg in Abu Dhabi. Nebst Montage- und Verkabelungsarbeiten galt es auch, Schaltungen richtig zu programmieren und so verschiedene Geräte automatisch zu steuern. «Dass es zum Sieg reicht habe ich nicht erwartet, vor allem weil der erste Tag nicht optimal lief», sagte er nach der Siegerehrung. Der Elektroinstallateur der CKW Geschäftsstelle Beromünster qualifizierte sich mit seinem Sieg an den SwissSkills im November 2016 für die Weltmeisterschaft in der Kategorie Anlagenelektrik.

Historisch

Mit den 20 Medaillen belegten die Schweizer in der Nationenwertung hinter China den zweiten Platz, wie die SwissSkills-Nationalmannschaft am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur sda mitteilte. Der Erfolg wurde als «historisch, überragend und überraschend» bezeichnet. Die Konkurrenzsituation an den sogenannten WorldSkills habe sich im vergangenen Jahrzehnt laufend verschärft.

«Immer mehr Nationen, insbesondere aus Asien und auch aus Südamerika, bereiten ihre jungen Berufsleute über mehrere Jahre sehr spezifisch auf die Anforderungen vor.» Die Mitglieder des Schweizer Teams hingegen hätten alle eine normale Berufslehre absolviert und sich erst in den vergangenen Monaten - grösstenteils in der Freizeit - auf den Event eingestellt. Dass die jungen Schweizer Teilnehmer zu den Besten gehören, sei deshalb nicht erwartet worden. 

Neuer Modus hat geholfen

Sie sei unglaublich stolz auf das ganze Team, liess sich Delegationsleiterin Christine Davatz in der Mitteilung zitieren. «Wir haben hier beste Werbung für unser Bildungssystem, aber auch ganz generell für die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz gemacht.»

Wahrscheinlich habe sich für die Schweiz auch ausbezahlt, dass in vielen Berufen die Aufgabenstellungen im Vergleich zu den letzten WorldSkills-Austragungen erst sehr kurzfristig bekanntgegeben worden seien. «Es bevorteilt jene, die dank eines entsprechenden Bildungssystems ein breites Wissen und Können in ihrem Beruf erlernt haben.»

Rekord knapp geknackt

Mit elf Goldmedaillen hat das Schweizer Team den bisherigen Bestwert aus dem Jahr 2003 - den Heim-WorldSkills in St. Gallen - um einen Titel verbessert. Nur die Chinesen überflügelten die Schweizer mit 15 Goldmedaillen. Insgesamt waren 38 junge Schweizerinnen und Schweizer an die Berufsweltmeisterschaften in Abu Dhabi gereist.

Sie massen sich in den vergangenen Tagen mit rund 1300 Teilnehmern aus 58 Ländern. Zu Beginn des Wettkampfs besuchte Nationalratspräsident Jürg Stahl die Delegation. Erwartet wurden an den Berufsweltmeisterschaften rund 100'000 Besucherinnen und Besucher. 2018 sollen in Bern zum zweiten Mal die Schweizer Berufsmeisterschaften zentral stattfinden.

Gold

Cédric Achermann, Altbüron LU, und Fabien Gyger, Spiez BE (Automatiker);
Manuel Allenspach, Gossau SG (IT/Software-Lösungen);
Marcel Wyss, Grindelwald BE (Sanitär und Heizungsinstallateur);
Emil von Wattenwyl, Kehrsatz BE (Webdesign und Development);
Beat Schranz*, Adelboden BE (Elektroinstallateur);
Simon Furrer, Gunzwil LU (Anlagenelektriker);
Sven Bürki, Lanzenneunforn TG (Möbelschreiner);
Tatjana Caviezel, Uetliburg SG (Restaurant-Service);
Irina Tuor, Breil/Brigels GR (Fachfrau Gesundheit);
Ramona Bolliger, Gontenschwil AG (Bäckerin-Konditorin-Confiseurin);
Adrian Krähenbühl, Niederösch BE (Bau- und Landmaschinenmechaniker).

Silber

Marco Michel, Kerns OW (Polymechaniker/Automation);
Heiko Zumbrunn, Wittinsburg BL (Carossier Spenglerei);
Jannic Schären, Gerzensee BE (Elektroniker);
Sandra Lüthi, Burgdorf BE (Dekorationsmalerin);
Florian Nock, Turbenthal ZH (Zimmermann);
Benjamin Räber, Herlisberg LU, und Nils Bucher, Sarnen OW (Landschaftsgärtner).

Bronze

Janine Bigler, Lenzburg AG (Drucktechnologin);
Fabio Holenstein, Bazenheid SG (Bauschreiner);
Maurus von Holzen, Dallenwil NW (Carrossier Lackiererei).

Spezialpreis

* Best of Nation: Beat Schranz gewinnt den Titel «Best of Nation». Er erzielte mit 767 Punkten die höchste Gesamtpunktzahl im Schweizer Team.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE