20.01.2015 07:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Röthlisberger
Konjunktur
«Das Umfeld wird nun noch härter»
Die Aufhebung des Franken-Mindestkurses gegenüber dem Euro überrascht auch die Landtechnik-Branche. Diese Massnahme könne tiefgreifende Folgen für die Branche haben, heisst es bei der Metall-Union SMU.

Der Entscheid der Nationalbank SNB, den Mindestkurs von Fr. 1.20 aufzuheben, hat auch in der Landmaschinen-Branche viele Diskussionen ausgelöst. «Für die Landtechnik-Branche kommt der Wegfall der Mindestgrenze denkbar ungünstig», schreibt etwa die Schweizerische Metall-Union SMU am Donnerstagabend in einer ersten Reaktion.

Schwierige Prognosen

Das ohnehin schon angespannte Umfeld werde nun noch rauer, was die Margen noch stärker unter Druck setzen werde, so die Metall-Union. Der Branchenverband mit Sitz in Aarberg BE hat über 1850 Mitglieder, darunter rund 600 Landmaschinen-Händler, die im SMU-Fachverband Landtechnik organisiert sind. Am Montagnachmittag galt ein Euro Fr.1.0075. Das sind fast 20 Rp. oder rund 14 Prozent weniger als am vergangenen Mittwoch.

«Es ist sehr schwierig, jetzt eine Prognose abzugeben», sagt Jürg Minger, Präsident des Schweizerischen Landmaschinen-Verbandes SLV. Entscheidend sei, ob die Europäische Zentralbank EZB Massnahmen treffe und wie sich der Kurs in den nächsten Monaten weiterentwickle. «Erst wenn sich die Geldmärkte wieder beruhigt haben, können die Firmen Entscheidungen treffen, wie es weitergehen soll», so Minger.

Fehlende Planungssicherheit

Wie lange das dauern werde, sei aber sehr schwierig vorauszusagen. Sicher sei, dass die Firmen sehr viel Substanz haben müssen, um diese Situation unbeschadet zu überstehen. «Auf jeden Fall ist der Entscheid der Nationalbank ein Schock für die ganze Landtechnik-Branche», sagt der SLV-Präsident.

Noch vor Weihnachten habe die Nationalbank die Aussage gemacht, sie wolle den Mindestkurs weiter unterstützen. «Da hatte man noch Planungssicherheit. Das ist jetzt vorbei», sagt Minger, der die jetzige Situation mit derjenigen vor rund fünf Jahren vergleicht, als der Euro-Kurs von Fr. 1.60 auf Fr. 1.30 fiel. «Damals ging der Kurs allerdings Schritt für Schritt über mehrere Monate zurück und nicht auf einen Schlag um fast 14 Prozent.» Mit Sicherheit werde der Entscheid der SNB Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft haben, so zum Beispiel auf Investitionen und den Arbeitsmarkt, so Minger.

Grosse Abschreiber

Welche Auswirkungen ein langfristig starker Schweizer Franken auf die Schweizer Landmaschinen-Händler haben kann, zeigt die Metall-Union SMU auf. Die Händler, die in der Regel kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit 8 bis 20 Angestellten seien, müssten grosse Abschreiber auf Lagerfahrzeugen vornehmen, schreibt die SMU. Bereits importierte Fahrzeuge und Maschinen seien aufgrund der neuen Frankenstärke im Moment überteuert.

Durch den starken Franken würden zudem die Importgüter günstiger. Dass führe unter anderem dazu, dass Demo-Maschinen und neuere Occasionen im Verhältnis zu den Neugeräten teurer werden. Geräte und Maschinen aus zweiter Hand seien laut SMU ein wichtiger Markt für die Landtechnik. «Ohne grosse Preisnachlässe dürften diese in Zukunft schwieriger abzusetzen sein.»

Preisdruck nimmt zu

Allgemein werde der Preisdruck auf die noch zum Kurs von Fr. 1.20 eingekaufte Lagerware zunehmen. Das bestrafe Händler, welche am Lager grosse Bestände mit hoher Verfügbarkeit hielten. «Gleichzeitig verringert sich die Liquidität der Betriebe, da mehr Vermögen in den neu höher bewerteten Lagern gebunden bleibt.»

Wie vor der Festlegung der Franken-Untergrenze müssten für bereits bestellte Neumaschinen die alten Preise bezahlt werden. Dies aus dem Grund, dass die Geschäfte noch mit dem alten Kurs abgeschlossen wurden. Das heisst, dass sich laut der SMU der Druck für Parallelimporte erhöhen wird.

Weitere Reaktionen

Schweizer Hersteller sind besonders stark betroffen

Firmen, die in der Schweiz produzieren und in die EU exportieren, trifft die Aufhebung des Mindestkurses besonders hart. Eine dieser Firmen ist die Aebi & Co. AG in Burgdorf, Hersteller von Zweiachsmähern und Bergtransporter für die Landwirtschaft.  «Mehr als zwei Drittel unserer Produkte werden weltweit exportiert, daher sind wir von dem Entscheid der Schweizer Notenbank stark betroffen», sagt Aebi-CEO Marco Studer auf Anfrage. «Jeder Rappen Währungsdifferenz wirkt sich negativ auf unser Betriebsergebnis aus. Allerdings haben wir in den letzten Jahren bereits Massnahmen ergriffen, um den starken Franken zu kompensieren», sagt Studer, der sich auch kämpferisch zeigt. «Gemeinsam mit einer hochmotivierten Belegschaft, unserem Know-how und als Teil des internationalen Unternehmensverbundes Aebi Schmidt Holding Group ASH werden wir uns dieser neuen Herausforderung stellen und auch weiterhin auf den Standort Schweiz und  Swiss Quality setzen.»

Jürg Zwahlen, Geschäftsführer des Sprühgeräteherstellers Birchmeier aus Stettlen AG, sagte am Donnerstag in der Radiosendung «Echo der Zeit»: «Jeder Handgriff in der Schweiz wird für uns jetzt noch teurer, letztendlich müssen wir das dann irgendwo einsparen», so Zwahlen. Das KMU Birchmeier beschäftigt 60 Mitarbeiter und exportiert rund 70 Prozent der Produktion ins Ausland. schm/röt

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