16.04.2014 07:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Röthlisberger
Deutz
Deutz: Der deutsche Motorenhersteller aus Köln feiert sein 150-Jahr-Jubiläum
Motoren, später Lastwagen, Autos, Busse und Traktoren und dann die Konzentration auf die Produktion von Dieselmotoren. Die Firma Deutz aus Köln hat in ihrer 150-jährigen Geschichte einige Umbrüche erlebt.

Die Geschichte von Deutz beginnt in Köln am 31. März 1864 mit der Gründung der Firma «N.A. Otto & Cie.» durch den Kölner Kaufmann Nicolaus August Otto und Ingenieur Eugen Langen. Diese Firmengründung ist  der  Ursprung der heutigen Deutz AG. Es ist die Zeit, in der eine grosse Begeisterung für Technik und Mobilität einsetzt.

Auch Nicolaus August Otto und Eugen Langen wollten eine Idee lebendig werden lassen. Ihre Vision: eine Maschine zum Antrieb von Fahrzeugen und für den Einsatz in Industriebetrieben. Gemeinsam gründen die beiden Visionäre in der Kölner Servasgasse eine Motorenfabrik. Das Werk hinter dem Kölner Hauptbahnhof kann als ältestes Motorenwerk der Welt angesehen werden. 1872 erfolgte die Umbenennung in Gasmotoren-Fabrik Deutz AG. Ab 1876 begann bei Deutz die Produktion von Viertaktmotoren. 

Nicolaus August Otto war einer der Miterfinder des Viertaktverfahrens. Ihm zu Ehren wurde ab den 40er-Jahren für das Verfahren auch der Name «Otto-Motor» verwendet. 

1926 erster Traktor

Die Anfangsjahre der Motorenfabrik, die im Laufe der Zeit auch mehrmals den Namen wechselte, sind turbulent.  Ab 1897 baut die Gasmotoren-Fabrik Deutz stationäre Dieselmotoren. Ab 1907 nimmt das Unternehmen die serienmässige Produktion von Dieselmotoren auf, und bald darauf startet der Versuch einer Serienfertigung von Automobilen. 1926 wird der erste Dieselschlepper gebaut, und die Agrartechnik wird für lange Zeit zu einem der wichtigsten Standbeine der Firma. In unserem nachfolgendenden Zeitraffer konzentrieren wir uns deshalb auf die Agrartechnik-Geschichte von Deutz:   

  • 1926 bringt Deutz mit dem MTH 222  den ersten serienmässig produzierten Dieselschlepper heraus. Der MTH 222 entsteht in Rahmenbauweise, verfügt über ein Zweiganggetriebe, Kettenantrieb und Verdampfungskühlung.  In dem liegenden Einzylinder-Viertakt-Dieselmotor stecken 12 PS.
  • 1929 stellt Deutz die neue Traktoren-Baureihe MTZ vor, die sich in kürzester Zeit zum Kassenschlager entwickelt und zwei Jahre später mit der silbernen Preismünze der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft ausgezeichnet wird.
    1936 übernahm Deutz die kränkelnde Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm.   Das grosse «M» für Magirus in Kombination mit der stilisierten Silhouette des Ulmer Münsters  ziert noch heute  das Logo der Deutz AG.
  • 1936: Das Modell Deutz F1M 414 (11 PS) kommt auf den Markt (auch Bauernschlepper oder Elfer genannt). Der Traktor eignet sich auch für kleine Landwirtschaftsbetriebe. Der Motorisierungsbedarf ist deshalb riesig.  Insgesamt wurden vom F1M 414 zwischen 1936 und 1951 über 19000 Stück gebaut.
  • 1937: Kauf von Klöckner und Umfirmierung in KHD (Klöckner-Humboldt-Deutz AG). Der Firmenkauf ist zum damaligen Zeitpunkt einer der grössten Firmenzusammenschlüsse Deutschlands und deckt alle Sparten der Fahrzeugindustrie ab: Autos, LKWs, Züge, Schiffe, Flugzeuge, Traktoren.
  • 1944: Deutz baut seinen ersten luftgekühlten Dieselmotor. Schwere Kriegszerstörungen im Winter 1944/1945 bringen die Produktion an beiden Standorten Köln und Ulm zum Erliegen. Erst fünf Jahre nach Kriegsende erreicht die Produktion wieder annähernd normale Ausmasse.
  • 1949: Serienmässige Produktion des ersten Traktors mit luftgekühltem Dieselmotor. Es entstehen die Deutz-Modelle F1L514 und F2L514.
    1954: Deutz baut den 100000sten luftgekühlten Dieselmotor.
  • 1955: Der 100000. Traktor wird hergestellt.
  • 1961: Beginn der Zusammenarbeit mit der Fahr AG durch Kauf einer Aktienbeteiligung.
  • 1965: Die ersten deutschen Mähdrescher mit hydrostatischem Antrieb werden im Werk Lauingen gebaut und getestet.
  • 1968: KHD kauft einen Teil der Aktien der Fahr AG Gottmadingen. Das ist die Geburtsstunde der Marke Deutz-Fahr.
  • 1968: Entstehung der bisher erfolgreichsten Traktoren der Serie 06 von Deutz.
  • 1978: Markteinführung der Serie Deutz-DX: Leistung zwischen 80 und 200 PS.
  • 1992: Am 20. November produziert Deutz-Fahr den 1000000. Traktor.
  • 1995: Deutz verkauft den Agrartechnikbereich Deutz-Fahr an den italienischen Landmaschinenkonzern Same. Es entsteht die  heutige Same Deutz-Fahr. Sitz ist in Treviglio (I).
  • 1997: Zurück zum Mutterkonzern nach Köln. Aus der Klöckner-Humboldt-Deutz AG KHD wird die Deutz AG. Der Name wird bis heute verwendet.   
  • 2014: Deutz feiert das 150-Jahr-Jubiläum. Das Unternehmen aus Köln hat eine bewegte Technik-Geschichte mit mehreren Umbrüchen hinter sich. Das Traditionsunternehmen ist heute Hersteller von Dieselmotoren und beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter und ist in mehr als 130 Ländern vertreten. Der Umsatz betrug 2013 1,45 Milliarden Euro. Produziert werden flüssigkeits- und luftgekühlte Motoren in einem Leistungsspektrum von 25  bis 520 kW (34 bis 710 PS), die weltweit in Baumaschinen, Landmaschinen, Nutz- und Schienenfahrzeugen sowie in Schiffen zum Einsatz kommen. 
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