19.11.2014 14:45
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Landtechnik
EU-Landtechnikbranche: Fette Jahre vorerst vorbei
Nach drei Jahren des Aufschwungs zeichnet sich für die Landmaschinenindustrie in der Europäischen Union in diesem Jahr ein Umsatzrückgang ab.

Wie der Präsident des Europäischen Dachverbandes der Landmaschinenindustrie (CEMA), Richard Markwell, am vergangenen Donnerstag im Rahmen der Fachmesse EIMA in Bologna (I) berichtete, dürfte der Markt 2014 um 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau bleiben. Dennoch werde damit das zweithöchste Maschinenverkaufsvolumen erreicht.

Sinkende Agrarpreise vermiesen Stimmung

Mit schätzungsweise 26 Mrd. Euro (31,5 Mrd. Fr.) bleibe der europäische Landmaschinenmarkt der weltweit grösste, vor den USA mit 21 Mrd. Euro (25,4 Mrd. Fr.) und China mit 14 Mrd. Euro, (16,9 Mrd. Fr.) hob Markwell hervor. In den einzelnen Mitgliedstaaten der EU haben sich die Landmaschinenmärkte laut CEMA unterschiedlich entwickelt. In 15 der 28 EU-Länder ist die Nachfrage in diesem Jahr geringer als 2013. Dazu gehören auch die Schlüsselmärkte Frankreich und Deutschland, auf die zusammen rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen.

Insbesondere in Frankreich habe sich der Markt zuletzt schwach entwickelt, berichtete CEMA. Italien, der viertwichtigste Markt in der EU, weise einen leichten, aber stetigen Verkaufsrückgang auf. Auch 2015 dürfte nach Einschätzung des Dachverbandes aus Sicht der Landmaschinenindustrie ein schwieriges Jahr werden. Die Stimmung bei den Kunden habe sich aufgrund des Rückgangs der Agrarpreise deutlich verschlechtert. CEMA rechnet mit einem gegenüber 2014 um 5 bis 10 Prozent kleineren Branchenumsatz.

Südeuropäische Schleppermärkte auf Erholungskurs

Laut CEMA-Angaben wurden von Januar bis September dieses Jahres insgesamt 119'000 neue Traktoren in der EU zugelassen. Das waren 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum von 2013. Auf den Schleppermarkt entfällt dem CEMA zufolge ein Drittel der Umsätze des gesamten EU-Landmaschinenmarktes. „Die aussergewöhnliche Zeit auf dem grössten Markt Frankreich ist vorbei, und die Hersteller spüren dies deutlich“, berichtete CEMA-Generalsekretär Ulrich Adam.

Gleichzeitig erhole sich der Markt in Spanien, der in den vergangenen Jahren erheblich geschrumpft sei. Auch die Landmaschinenmärkte in Portugal und Griechenland, die zuvor durch eine tiefe Rezession gegangen seien, würden zu einem „normalen“ Niveau zurückkehren, stellte Adam fest. In einer robusten Verfassung zeige sich der deutsche Schleppermarkt mit voraussichtlich rund 35'000 verkauften Einheiten in diesem Jahr.

Höhere „Last-Minute-Nachfrage“

Für Mähdrescher weist CEMA mit Blick auf dieses Jahr einen Rückgang der Verkäufe um 9 Prozent auf 9'600 Einheiten aus. Dem Dachverband zufolge haben die Umsätze mit Mähdreschern einen Anteil von rund 6 Prozent am gesamten EU-Markt für Landmaschinen. Adam verwies auf die schwierigen Witterungsbedingungen zur diesjährigen Erntezeit in Frankreich und Deutschland. Gleichzeitig seien aber Rekordmengen an Getreide und Ölsaaten in den Hauptanbaugebieten der EU geerntet worden, so beispielsweise in Großbritannien.

„Die Maschinen sind auf den Feldern intensiv eingesetzt worden, und wir konnten in diesem Jahr eine höhere ‚Last-Minute-Nachfrage‘ beobachten“, so der EIMA-Generalsekretär.

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