4.02.2020 14:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Basel-Land
«Grunder Schorsch» ist einzigartig
Georg Jäggin erklomm den Gotthardpass auf dem Rücken eines bebenden Traktors. Seine Sammlung alter Landmaschinen – und vor allem der legendären Grunder-Maschinen aus Binningen – ist einzigartig. Ein Besuch.

Wenn ein Sammler einen Spitznamen verpasst bekommt, unter dem er bekannter ist als unter jenem, der an seinem Briefkasten prangt, dann hat er Grosses geleistet. Doch der Reihe nach.

Hat ihn übermannt

Eigentlich war Georg Jäggin Gärtner. Kein «Landschäftler» und kein «Bäumeler», wie er sagt, sondern ein «Häfeler», der Topfpflanzen züchtete, Kakteen, Tomaten, Zierblumen. Doch nach und nach wichen die Sukkulenten aus Jäggins Gewächshäusern. «Nun ist alles weg!», sagt seine Frau und schiebt lachend hinterher, dass er ja recht habe – mit seinen 86 Jahren.

Die Gärtnerei hat sich Jäggin nicht ausgesucht; er übernahm vom Vater, das sei halt damals so gewesen. Ebenso wenig hat er sich seine Leidenschaft für alte Landmaschinen ausgesucht; die hat ihn einfach übermannt. Das begann spätestens mit seinem Vater, der die erste Mähmaschine Hölsteins betrieb.

«Motorwägeler» 

Später, während seiner Lehre «um 1950 herum», pendelte er nach Langenthal. Während Wochen beobachtete er auf seinem Arbeitsweg, wie der Caterpillar-Trax einer Gärtnerei Schraube für Schraube zusammengebaut wurde. Um Georg Jäggin war es geschehen.

Die Armee, in der er «Motorwägeler» war, schliff seine Leidenschaft weiter zurecht. Er fuhr die zurückgelassenen Jeeps der US-Army, die die Schweizer Armee nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich aufkaufte, und sagt lakonisch: «Ich fuhr alles, was fahrbar ist.» So wurde aus dem Motorbegeisterten ein Sammler – und aus Georg Jäggin «Grunder Schorsch».

Grunder-Landmaschinen

So lautet sein Spitzname, unter dem er mittlerweile bekannter ist als unter seinem Zivilnamen. So wollen auch wir ihn so nennen. Zwar sammelt Schorsch auch Landmaschinen der Marken Bungartz, Simar oder Hummel, doch seine wahre Passion gilt Grunder. 1917 gegründet, stellte Grunder in Binningen bis 1950 Traktoren, Motormäher, Bodenfräsen und etwa Kartoffelschleudergraber her.

Jäggin hat über 20 dieser Maschinen. Heute sind sie es, die seine Gewächshäuser bevölkern, ihnen wichen seine Pflanzen nach und nach. Von Museum spricht er aber nicht, auch wenn er durchaus Wert darauf legt, Raritäten zu haben, Einzelstücke, die es sonst kaum irgendwo zu bestaunen gibt. Gleichwohl wolle er sich seinen Maschinen widmen – und nicht Gästetoiletten und Kassenhäuschen.

Seltene Mähmaschine

«All die Auflagen», verwirft er die Hände: «Ich vergolde nichts!» Was er damit meint: Seine Maschinen sind Gebrauchsgegenstände, keine Vitrinenmodelle. Besucher empfängt er trotzdem in seinen heiligen Hallen. Wer Interesse hat – und das Glück, dass der Schorsch gerade zugegen ist –, den führt er gerne herum, zeigt eine seltene Mähmaschine namens «Bure-König», einen raren Einachsmäher oder den Hummel DT 54 von 1955 mit seinen zehn PS, den sein Vater damals orderte und der mit der Eisenbahn angeliefert wurde. Schorsch erinnert sich, wie der Anruf vom Bahnhof in Hölstein kam, es stünde ein Traktor zur Abholung bereit.

Schmieren und bürsten

«Grunder Schorsch» kümmert sich gut um seine Fahrzeuge, er schmiert und bürstet, schraubt und ölt und pflegt. Gerade restauriert er eine handbetriebene Feuerwehr-Löschpumpe von 1830, die er vor der Zerstörung bewahrte. Jedes Exponat ist mit dem Datum des letzten Einsatzes versehen. Nur der Holder A20, ein knickgelenkter Rebentraktor aus dem Jahr 1963, nicht. Das ist sein Fahrzeug für den täglichen Gebrauch. Auf seinem bebenden Rücken erklomm er 1999 erstmals den Gotthardpass, darauf ist er schon ein bisschen stolz.

Ansonsten spricht  Georg Jäggin viel lieber über seine Sammlung als über sich. Wer etwas wissen wolle, solle seine Homepage besuchen, dort stünde alles Relevante. Dann dreht er die Kurbel jenes Traktors, den er vor 65 Jahren am Bahnhof in Hölstein abgeholt hat, und startet den Motor. Der springt beim ersten Versuch an und knattert rhythmisch los, arbeitsam wie am ersten Tag. Grunder Schorsch strahlt.

Privatsammlung, individuelle Führungen auf Anfrage. www.grunder-schorsch-ch


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