27.10.2016 08:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Künsch (Text und Videos)
Burgrain
Holzspalten wie zu Grossvaters Zeiten
Ganz im Zeichen des Dampfzeitalters stand das Spektakel im Museumshof des Agrarmuseums Burgrain. Die teils über hundertjährigen Maschinen boten Anschauungsmaterial einer vergangenen Ära. Mit Videos

Ein Zischen und Knattern, aber vor allem grosse Dampfwolken empfingen die Besucher am letzten Sonntag am Burgrain in Alberswil. Raritäten einer längst vergangenen Zeit pufften lautstark vor sich hin, allen voran das grosse Dampflokomobil, welches als Antrieb einer Holzspaltmaschine dient.

10 PS

Lukas Bernet, der Betreiber des Mobils, heizt gehörig ein, schiebt immer wieder Kohle in den Heizkessel des «Lanz» aus dem Jahr 1898. «Ich bin auf dem Nachbarhof aufgewachsen, und als vor 15 Jahren hier im Museum erklärt wurde, wie das Dampflokomobil funktioniert, hat mich das so fasziniert, dass ich es seither in Stand halte», so der gelernte Landmaschinenmechaniker. Mit fünf Tonnen kein Leichtgewicht, fasst das Ungetüm achthundert Liter Wasser und erbringt eine Leistung von zehn PS.

Im Vergleich geradezu ein Leichtgewicht ist der 25 Kilogramm schwere Heissluftmotor (Stirling-Motor) aus dem Jahre 1920, der einiges leiser vor sich hin zischt. Mit diesen Motoren wurden dazumal kleine Uhrmacherdrehbänke, Zahnarztbohrmaschinen, Orchestrions und Ähnliches angetrieben. Wohlan den Mutigen, die sich zu der Zeit mit offenem Munde dem «Zahnbohrer» stellten. 

Weitere Rarität

Viel Beachtung fand eine weitere Rarität aus dem Jahre 1895, nämlich der Petrol-Glührohrmotor «Hammertyp» mit einer Leistung von 2,5 PS, gebaut in der Lokomotivfabrik Winterthur und später von der Käserei-Genossenschaft Biezwil/SO erworben.

Vorab in der Industrie und Landwirtschaft, etwa in Molkereien und Sägereien, wurde der 1911 in den USA hergestellte ICH Engine «Famous Vertical» eingesetzt. Der 350 Kilo schwere, mit Benzin betriebene und wassergekühlte Motor verfügt über eine Abreisszündung, wird wassergekühlt und bringt 3 PS hervor.

Butter als Treibstoff

Ein spannendes Unterfangen und von den Zuschauern aufmerksam verfolgt wurde die Zündung des 1928 erbauten Lanz Bulldog. Ein Prozedere der etwas anderen Art, wird doch der 2-Takt-Glühkopf-Motor mittels Vorwärmung durch eine Lötlampe gezündet. Als Treibstoff dient dabei neben Dieselöl Pflanzenöl oder Rohöl und, hier wirds interessant: auch flüssige Butter und Trane!

Dass Holz zerkleinern früher nichts für Weicheier war, zeigten Christoph Purtschert, Thomas Mathis und Toni Seewer von den Freunden alter Traktoren Schötz (FATS), Muskelkraft und Teamwork mit eingeschlossen. 

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