11.04.2014 11:55
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Technik
Landwirtschaft: Zukunft liegt in Vernetzung und Automatisierung
Automatisierung und Vernetzung werden die Abläufe in der Landwirtschaft auf lange Sicht revolutionieren und für einen neuen Produktivitätsschub sorgen. Es müsse aber darauf geachtet werden, in diesem Prozess die Balance zwischen technischem Fortschritt und praktischer Umsetzbarkeit zu wahren, erklärte Joachim Hertzberg vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) der Universität Osnabrück.

Die Vorteile der Automatisierung und Datenvernetzung sieht Hertzberg insbesondere in einer optimierten Ressourcennutzung, die ihrerseits aus der besseren Verfügbarkeit und Nutzung relevanter Produktionsdaten resultiere. Dies ermögliche beispielsweise eine wesentlich effizientere Koordination innerhalb der Prozesskette oder auch eine wirklich umfassende Dokumentation der landwirtschaftlichen Erzeugung, sagte Hertzberg vergangene Woche in Potsdam (D) an einer Fachtagung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) zum Nutzen der vernetzten Landtechnik in der Betriebsführung. 

Spürbar steigende Anforderungen an die Ausbildung

Nach Einschätzung des KTBL-Präsidenten Thomas Jungbluth wird die fortschreitende technische Entwicklung in der Landwirtschaft zwangsläufig auch mit spürbar steigenden Anforderungen an die Ausbildung von Betriebsleitern und Mitarbeitern einhergehen. Angesichts des fortschreitenden Strukturwandels und immer öfter fehlender Hofnachfolger sieht Jungbluth allerdings keine Alternativen zum stärkeren Einsatz vernetzter oder sogar autonomer Maschinen in derAgrarwirtschaft.

Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück wies in diesem Zusammenhang aber auf die hohen theoretischen und praktischen Ansprüche an technische Lösungen für vernetzte und automatisierte Prozesse in der Landwirtschaft hin.

Landwirtschaft komplexer als Industrie

Anders als beispielsweise in der Industrie, wo genau definierte Bedingungen vorlägen, müssten sich die Entwickler der automatisierten Landtechnik mit wesentlich komplexeren Variablen auseinandersetzen und dabei zusätzlich die ökonomischen, sozialen und ökologischen Folgen für die Landwirtschaft berücksichtigen, erläuterte Ruckelshausen. Die neuen technischen Ansätze stellen aus seiner Sicht auch keine Alleinlösung für den Agrarsektor dar, sondern bieten stattdessen neue Wege zur ressourcen- und umweltschonenden Produktion.

Beispielsweise könne die genaue Kenntnis der Feldbedingungen bis hin zur Einzelpflanze eines Tages einen ganz spezifischen Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln ermöglichen, der im Einzelfall sogar den Verzicht auf diese Mittel oder den Dünger erlaube, so der Osnabrücker Agrarwissenschaftler.

Effizienz durch autonome Systeme

Nach Angaben des KTBL brachte die Tagung „Vernetzte Landtechnik - Nutzen für die Betriebsführung“ wichtige Erkenntnisse, wie Landwirte in Zukunft das Ziel der Effizienzverbesserung erreichen können. So trage der technische Fortschritt in den Bereichen Vernetzung und Automatisierung zur Optimierung der Mensch-Maschine-Interaktion und zur Entwicklung selbstlernender Maschinen bis hin zu autonomen Systemen bei.

Autonome Systeme werden sich laut KTBL im Sinne einer Evolution bis hin zum selbstständigen Roboter entwickeln. Bereits heute seien vielfältige autonome Komponenten in der Landtechnik verbaut, die zu einer Entlastung der Nutzer führten. Im Bereich des Controlling sowie der Planung der Produktion werde es jedoch die zentrale Herausforderung sein, die Flut der Daten nutzbar zu machen. Grosse Datenmengen müssten durch intelligente Systeme analysiert werden, um Informationen zu generieren, die den landwirtschaftlichen Unternehmer bei der Entscheidungsfindung unterstützten, so das Fazit der Veranstalter der diesjährigen KTBL-Tage.

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