24.04.2016 08:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Röthlisberger
Tractor Pulling
Mit 150 PS in die neue Saison
Wer im Tractor Pulling bei den Besten mitfahren will, muss einiges investieren. Das ist mit ein Grund, weshalb Standardfahrer Bruno Kobi aus Biezwil SO seinen John Deere 4230 um einige PS «verstärkt» hat.

Wie oft im Leben, muss es plötzlich schnell gehen. So erging es auch Bruno Kobi. Der Tractor-Pulling-Fahrer aus Biezwil SO hat in diesem Winter seinen John Deere 4230 bei der Motorfahrzeugkontrolle zur Prüfung angemeldet. Just vierzehn Tage vor der MFK-Prüfung Ende Februar stellte er fest, dass der Traktor mit 0,4 bar nicht genug Ladedruck erzeugte.

Projekt John Deere 4230

«Das war zu wenig, um den eingespritzten Diesel sauber zu verbrennen», sagt der Landmaschinenmechaniker. Innert kürzester Zeit hat er mithilfe seiner Kollegen des Pulling-Teams Etziken SO einen grösseren Turbo organisiert und diesen noch vor dem MFK-Termin zusammen mit seinen Helfern in etlichen Nachtstunden montiert. «Dank 1,6 bar Ladedruck läuft der Traktor jetzt problemlos.»

Der Zusatzaufwand hat sich gelohnt. Die MFK hat den John Deere 4230 Ende Februar für strassentauglich befunden. Und genau das braucht Kobi. Denn sonst hätte er nicht oder nur verspätet in die diesjährige Tractor-Pulling-Saison eingreifen können. Etwas, das ihn geärgert hätte. Schliesslich hat der 24-Jährige viel in sein Projekt «John Deere 4230» investiert.

Kobi wollte mehr

Auch hat er sich längst für die diesjährige Schweizer Meisterschaft der 6-Tonnen-Standardklasse angemeldet. «Das Tractor-Pulling-Fieber hat mich definitiv gepackt», sagt Kobi, der das Tractor Pulling quasi bei Adrian Messer, dem kürzlich zurückgetretenen Präsidenten der Schweizerischen Tractor Pulling Vereinigung STPV, «gelernt» hat. Mit Messers John Deere 4450 habe er einige Züge absolvieren können. Kobi wollte aber mehr.

Deshalb hat er sich vor drei Jahren mit dem John Deere 4230 einen eigenen Traktor angeschafft. Einen John Deere deshalb, weil diese Marke seit jeher seine Leidenschaft sei, betont der Biezwiler. Der 4230er, den er in der Schweiz kaufen konnte, ist mit einem 6,6-Liter-6-Zylinder-Motor mit original 120 PS ausgerüstet. Mit Jahrgang 1975 ist dieser Traktor im John-Deere-Werk in Waterloo (USA) produziert worden. Ab 1976 lief der 4230er dann auch in Mannheim vom Band. 

Standardklassen

Für die Show an einer Tractor-Pulling-Veranstaltung sorgen in der Regel die Sportklassen. Doch ihren grossen Reiz haben auch die Standardklassen, die in der über 15-jährigen Schweizer Tractor-Pulling-Geschichte seit jeher eine grosse Tradition haben. Grund dafür ist, dass Traktorbesitzer in diesen Kategorien relativ einfach und ohne grosse Anpassungen am Traktor an einem Tractor-Pulling-Anlass teilnehmen können. Aber aufgepasst! Auch die Fahrer der Standardklassen müssen sich an ein Reglement halten. In diesem steht zum Beispiel:
  • Die Traktoren müssen vom Strassenverkehrsamt geprüft und betriebssicher sein.
  • Die Leistung darf nicht mehr als 20 Prozent über der serienmässigen oder der im Fahrzeugausweis eingetragenen Leistung sein.
  • Die Zufuhr von Wasser, Alkohol oder Verbrennungsbeschleunigern ist verboten.
  • Die Gewichtsklassen bei den Standardtraktoren sind 3, 4, 5, 6 und 8 Tonnen. röt

Von 120 auf 150 PS

Kobi stellt nach dem Kauf des Traktors schnell fest, dass die Übersetzung des 4230er für das Tractor Pulling nicht optimal ist. «Nur ein Gang ist lastschaltbar, entweder war ich damit zu langsam und hatte keinen Zug oder dann war ich mit dem Bremswagen zu schnell unterwegs und der Traktor stellte ab.» Deshalb versucht er nun dieses Problem mit mehr Leistung zu lösen. Und so hat Kobi mit seinen Helfern den Traktor mit einer neuen Bosch-Reiheneinspritzpumpe, einem neuen Ladeluftkühler, und, wie schon eingangs erwähnt, nachträglich noch mit einem grösseren Turbo ausgerüstet.

«Damit haben wir jetzt 150 PS Leistung.» 150 PS – ist das bei einem Standardtraktor, der original «nur» 120 PS hat, in den Standardklassen überhaupt erlaubt? Ja, das geht. Denn im Fahrzeugausweis steht seit dem Umbau und der MFK-Kontrolle neu eine Leistung von 150 PS. Zudem gilt in der Standardklasse eine Toleranz von 20 Prozent der im Ausweis eingetragenen Leistung.

Schritt für Schritt

Kobi betont, dass er den Sondereffort kurz vor der MFK-Prüfung und sowieso den ganzen Umbau ohne seine vielen Helfer nie hingekriegt hätte. Auch hat er selber keine Werkstatt zu Hause. Ausgeholfen haben ihm dabei die Firma Famatech GmbH Fahrzeug- und Maschinenbau von Stefan Wenger sowie das Lohnunternehmen von Stefan und Thomas Willi, beide im benachbarten Schnottwil SO zu Hause. Moralische Unterstützung gibt es zudem jeweils von seiner Freundin und seinen Eltern.

Bruno Kobi will in dieser Saison sechs Tractor Pullings bestreiten. Los geht es für ihn in 7 Tagen beim Saisonstart in Develier JU. Unterwegs ist er jeweils mit seinem besten Kollegen Jan Fankhauser, der mit einem John Deere 4450 selber auch Tractor-Pulling-Fahrer ist. Kobis Ziel ist es, vorerst zu schauen, wie sich der umgebaute John Deere auf den Pulling-Pisten verhält. «Schön wäre es, in dieser Saison in die Top 5 zu fahren», sagt Kobi.

Zehn Anlässe

Die Tractor-Pulling-Schweizer-Meisterschaft, die in diesem Jahr zum 15. Mal stattfindet, beginnt Ende April in Develier JU. Auf dem Programm stehen zehn Anlässe. Das sind vier mehr als noch im letzten Jahr. In den Sportklassen hat es auf dieses Jahr einige Reglementsänderungen gegeben. So müssen zum Beispiel alle Sporttraktoren neu über einen erweiterten Turbolader-Schutz und eine Rückfahrleuchte verfügen. röt

Reglemente: www.tractorpulling.ch

 

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