2.05.2017 12:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Röthlisberger
Tractor Pulling
Mit 800-PS-Monster zum Erfolg
Dieses Wochenende starten die Tractor-Pulling-Fahrer in ihre neue Saison. Mit dabei ist Hansueli Zürcher aus Trubschachen BE. Er ist mit seinem New Holland TVT Little Monster Titelverteidiger der 3,6-t- Supersport-Klasse. Mit Video

Die Tractor-Pulling-Karriere von Hansueli Zürcher bei den Sporttraktoren ist eindrücklich. Vor vier Jahren ging der Landwirt und Lastwagenchauffeur aus Trubschachen BE mit seinem Pulling-Traktor erstmals in der 3,6-t-Supersportklasse Level 3 an den Start. Was in den letzten drei Jahren folgte, ist Podestplatz um Podestplatz in der Schweizer Meisterschaft.

Eher ein grosses Monster

2014 war es Rang 3, 2015 Rang 2, und im letzten Jahr folgte mit dem Meistertitel die Krönung. «Das war für mich ein sehr emotionaler Moment», blickt Zürcher auf eine Saison zurück, die er klar dominierte. Bei allen zehn Veranstaltungen war er mit dabei, sechs davon verliess er als Sieger. Dabei konnte Zürcher mit Iselisberg, Dürnten, Zimmerwald und Knutwil gleich vier prestigeträchtige Tractor Pullings gewinnen.

Hansueli Zürcher hat in der Schweizer Tractor-Pulling-Szene und beim Publikum längst für Aufsehen gesorgt. Dafür sorgt auch sein schön blau leuchtendes Arbeitsgerät mit dem Namen «New Holland TVT Little Monster». Wobei kleines Monster natürlich völlig untertrieben ist. Mit einer Leistung von rund 800 PS ist es schon eher ein grosses Monster. Die genaue PS-Leistung ist ihm allerdings nicht bekannt. «Ich habe den Traktor noch nie nach der Leistung gemessen, das ist zu teuer», sagt er. «Plus-minus werden es aber wohl schon etwa 800 PS sein.»

Teile zusammengekauft

Sein Little Monster basiert nicht auf einem ursprünglichen Traktor. «Ich habe alle Komponenten über Kontakte zur internationalen Pulling-Szene zusammengekauft, liefern lassen, auf ein Chassis montiert und mir so einen Sporttraktor gebaut», erklärt der 38-Jährige, dem das Schrauben und Tüfteln definitiv im Blut liegt. Das Getriebe und der Turbolader stammen aus Holland, der Motor kommt aus Belgien und die Kupplungsteile ursprünglich aus den USA. Heute ist die Kupplung Marke Eigenbau.

Beim Motor handelt es sich um einen 6-Zylinder-7,5-Liter-Ford-Motor des Typs Powerstar, der original maximal 265 PS  erreicht. Mit einem grossen Ladeluftkühler, einer leistungsfähigen Einspritzpumpe, Turbolader (mit 68-mm-Air-Restrictor) und sonst noch vielen Optimierungen hat Zürcher seinem Little Monster die nötigen Zusatz-PS spendiert. Bei den Hinterreifen setzt er auf eine Breite von 650 mm (650/65 R 42) und auf bearbeitete Stollen, die er mit dem Winkelschleifer einige Zentimeter abgeschliffen hat.

Auch im Ausland unterwegs

Bei den Schweizer Pulling-Pisten, die in der Regel eher weich sind, hat das Vorteile bei der Kraftübertragung. «Die Haube stammt von einem New-Holland-Traktor des Typs TVT», sagt Zürcher, der 2011 mit einem Ford 7910 in der Standardklasse mit Tractor Pulling angefangen hat. Übrigens hat er damals gleich bei seinem ersten Tractor Pulling überhaupt auch gleich noch den Sieg geholt. Da habe ihn dieser Motorsport voll und ganz gepackt.

Längst startet er mit Little Monster auch im Ausland. So war er schon an Tractor Pullings in Holland und Italien, sowie an der EM im Herbst 2015 in Dänemark. Der Traktor und das ganze Equipment wird jeweils auf einen Lkw verladen. Das ist natürlich auch so, wenn er in der Schweiz an die Veranstaltungen reist. Auch wenn er seine Ausgaben strikte in Grenzen hält, ohne Sponsoren könne er dieses Hobby nicht betreiben.

Fokus auf Sicherheit

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die am nächsten Samstag beginnende Saison auf Hochtouren. Zu Hause auf seinem Bauernhof in der Oberwingei (das Land hat Hansueli Zürcher verpachtet) werden in der kleinen Werkstatt die letzten Feinabstimmungen des Motors vorgenommen. Unterstützung erhält er dabei von seinem Bruder Michael, der auch schon selber mal als Fahrer am Start war.

«Durch den Winter hindurch stand eine Motorrevision und die Kontrolle aller Teile an», sagt Zürcher, der gerade in Sachen Sicherheit sehr penibel ist. «Da können wir uns in der Pulling-Szene nichts erlauben», betont er. «Entsprechend streng sind die Sicherheitsanforderungen der Schweizerischen Tractor Pulling Vereinigung SPTV, die alle Traktoren kontrolliert und  abnimmt.»

Erneut aufs Podest?

Was er im Winter an seinem Sporttraktor sonst noch alles gemacht hat, dazu möchte der amtierende Schweizer Meister nichts preisgeben, denn die Konkurrenz in der 3,6t-t-Supersportklasse  ist stark. Knüpft er mit Little Monster aber an seine letztjährige Saison an, gilt es in dieser Saison aber vor allem einen zu schlagen. Nämlich Hansueli Zürcher.

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