19.02.2016 13:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Kuba
Traktoren vor Coca-Cola
Die USA und Kuba sind daran, ihre Beziehungen zu normalisieren. Das US-Unternehmen CleBer LLC will auf Kuba mit dem Bau einer Fabrik beginnen. Damit kommt der Traktorenhersteller dem Getränkehersteller Coca-Cola zuvor. Mit Video

Obama und der kubanische Präsident Raúl Castro hatten nach monatelangen geheimen Verhandlungen Ende Dezember 2014 in einem historischen Schritt die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen angekündigt. 2015 wurden diese nach 54 Jahre wieder aufgenommen.

Fabrik in der Nähe von Havanna

Das grösste Hindernis auf dem Weg zur Normalität zwischen den beiden Staaten ist das seit 1962 geltende Handelsembargo. Dieses kann nur der Kongress aus der Welt schaffen. Dort haben die Republikaner die Mehrheit. Sie verweigern sich aber der Aufhebung.

US-Unternehmen möchten aber auf der Insel investieren. Bis jetzt kamen aber nur wenige dazu. Nach den neuen Vorschriften des US-Finanzministeriums dürfen US-Unternehmen Handelsbeziehungen mit Kuba in drei Branchen haben, darunter ist die Landwirtschaft. Ein Traktorhersteller aus dem Bundesstaat Alabama ist eines der wenigen Unternehmen, das eine Zulassung erhalten hat.  Die CleBer LLC will gemäss einem Bericht der „Deutschen Welle“ in der kubanischen Hafenstadt Mariel westlich von Havanna fünf bis zehn Millionen Dollar in eine Fabrik investieren. Das Unternehmen ist im Besitz von Horace Clemmons und Saul Berenthal.

8000 bis 10000 Dollar

Im Werk sollen Kleintraktoren fabriziert werden, die für den kubanischen Markt zugeschnitten sind. Gemäss Horace Clemmons eignen sich die Traktoren der Modell Oggun bestens für die Mechanisierung der Bauern. „Die kleinen Farmen benötigen kleine, kostengünstige Traktoren, die auf dem Feld oder in einer lokalen Werkstatt repariert werden können“, betont Clemmons. Der universell einsetzbare Traktor soll zwischen 8000 und 10‘000 US-Dollar kosten. 2017 sollen die ersten Traktoren vom Band laufen.

Obwohl 78 Prozent der Fläche dem Staat gehört, wird 70 Prozent des Anbaus von privaten Kleinbauern und verschiedenen Arten von Genossenschaften geleistet, erklärt Berenthal.  Das kubanische Landwirtschaftsmodell basiert auf kleinen Betrieben mit einer durchschnittlichen Fläche von 10-15 Hektar. „Dies ähnelt dem vor den 1960er Jahren in der US-Landwirtschaft verbreiteten Modell der "Family Farms", fährt Berenthal fort.

Jeder wolle in Kuba etwas verkaufen, hielt Clemmons weiter fest. Doch die CleBer LLC verfolge einen anderen Ansatz. Zuerst müssten die wichtigsten Probleme gelöst werden. Dies käme in der Folge beiden Ländern zugute.

Zusage der Kubaner fehlt noch

Ein Lizenzantrag beim US-Finanzministerium wurde Ende Juni 2015 eingereicht. Die Genehmigung ist im Februar eingetroffen. Das Finanzministerium entschied auf der Grundlage der unter Präsident Barack Obama verabschiedeten neuen Regeln für den Ausbau des Handels mit Kuba.

Ausstehend ist aber noch die Zusage der kubanischen Regierung. Die Unternehmer geben sich zuversichtlich: Man stehe bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen und erwarte, noch im März die offizielle Zulassung für das Projekt zu erhalten.

Obama reist nach Kuba

Der US-Präsident Barack Obama wird Ende März zu einem historischen Besuch nach Kuba fliegen. Barack und seine Ehefrau Michelle Obama würden am 21. und 22. März im Zuge einer Lateinamerikareise den Karibikstaat besuchen, teilte das Weisse Haus in Washington am Donnerstag mit. Von Kuba will Obama anschliessend weiter nach Argentinien reisen.

Obama wird der erste US-Präsident seit 1928 sein, der die Karibikinsel besucht. Als bisher einziger amtierender US-Präsident war im Januar 1928 Calvin Coolidge auf Kuba. Die USA hatten nach der sozialistischen Revolution von Fidel Castro Anfang der 1960er Jahre die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu Kuba abgebrochen.

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