18.09.2017 16:24
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: E-Traktor eine Option?
Ein Traktor, der rein elektrisch fährt: Das könnte für viele Landwirte eine interessante Option sein. Den «Treibstoff» Strom können die Bauern selber produzieren. Wäre ein Elektro-Traktor für ihren Hof eine Option? Oder geht das gar nicht? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab

Der Elektroantrieb macht auch vor der Landwirtschaft nicht Halt. Für die Bauern hat der elektrische Antrieb auch Vorteile. Der «Treibstoff» Strom wird auf dem Hausdach mittels Fotovoltaik-Anlage produziert oder über eine Biogas-Anlage.

Tiefere Betriebskosten

Mit den E-Traktor lassen sich gemäss den Herstellern Betriebskosten sparen. So verringern sich Wartungszeiten und -kosten, da Filter und Öle sowie viele Komponenten der konventionellen Technik nicht mehr benötigt werden. Betriebsstoffe, wie Motoröl, AdBlue oder Diesel entfallen.

Zudem würden durch den Umstieg auf Strombetrieb bei Traktoren und weiteren Landmaschinen CO2-Emissionen eingespart. Auch gelangen weniger Abgase und Ölrückstände in den Ackerboden.  «Der Landwirtschaft kommt nicht nur bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln, sondern auch als Produzent von erneuerbaren Energien eine Schlüsselstellung zu», sagt Prof. Dr. Peter Pickel, stellvertretender Leiter des Europäischen Technologie- und Innovationszentrums (ETIC). Beides liesse sich sinnvoll miteinander kombinieren, so Pickel.

John Deere…

Verschiedene Hersteller haben in die Entwicklung von vollelektrischen Traktoren investiert. So unter anderem John Deere. In Paris präsentierte der US-Konzern im Februar einen vollelektrischen Traktor. Entwickelt hat John Deere das Konzeptfahrzeug im Rahmen des Forschungsprojekts „Sustainable Energy Supply for Agricultural Machinery“ (nachhaltige Energieversorgung für landwirtschaftliche Maschinen) Sesam.

Der E-Traktor basiert auf der Reihe 6R, deren Dieselversion zwischen 110 bis 295 PS auf den Acker bringt. Den Vier- oder Sechszylinder ersetzten zwei Elektromotoren à 150 kW an, die 408 PS freisetzen. Je nach Aufgabe wird die Energie der Zapfwelle, der Antriebsstrang oder dem Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Nebst dem Gewicht ist auch die Ladezeit ein wichtiges Kriterium. Als voraussichtliche Ladezeit wird rund vier Stunden genannt.

… und Fendt lancieren Modelle

Auch Hersteller Fendt, der zum AGCO-Konzern gehört, entwickelt im Bereich der Elektro-Traktoren. Im kommenden Jahr wird in beschränkter Stückzahl e100 Vario auf den Markt gelangen. Im Vergleich zum John Deere hat der Fendt lediglich eine Antriebsleistung von 50 kW (68 PS). Der John Deere ist mit 300 kW leistungsfähiger.

Der Fendt e100 Vario ist ein vollelektrischer Kompakttraktor, der bis zu fünf Betriebsstunden unter realen Einsatzbedingungen arbeiten kann. Die Energiequelle ist gemäss Pressemitteilung eine 650 V Lithium-Ionen-Hochleistungsbatterie mit einer Kapazität von rund 100 kWh. Geladen wird entweder mit 400 V Spannung und bis zu 22 kW über eine genormte CEE Hofsteckdose oder über eine Supercharging Option mit Gleichspannung. 

Dieselmotoren bleiben noch lange unverzichtbar

Beim e100 Vario ist der Einsatz von konventionellen als auch elektrifizierten Anbaugeräten möglich. Es gibt sowohl einen Standard-Zapfwellenanschluss, als auch die übliche Hydraulikversorgung für Anbaugeräte. Aus dem Stillstand heraus steht maximales Drehmoment für Fahr- und Zapfwellenantrieb bereit.

Fendt und John Deere gehen aber davon aus, dass Dieselmotoren noch für Jahrzehnte in der Branche unverzichtbar bleiben. Zudem spielt bei der Verbreitung von Elektro-Traktoren auch der Faktor Preis eine wichtige Rolle. Derzeit liegen die Preise der E-Traktoren zwischen 30 bis 50 Prozent über dem Niveau der «konventionellen» Traktoren. Das dürfte potentielle Käufer von einer Anschaffung abhalten.

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