28.06.2018 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Beratung
«Unfall-Häufung macht uns Sorgen»
Thomas Frey ist seit 1. Mai Geschäftsführer der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL). Er nimmt Stellung zur aktuellen Unfallserie, zu Sicherheitsgurten und Bremssystemen.

Schweizer Bauer: Derzeit wird viel Heu eingebracht. Da passieren immer wieder schwere Unfälle, so wie vergangene Woche in Egolzwil LU (ein Schwerverletzter) und in Schwenden im Diemtigtal BE (ein Toter). Wie erleben Sie das bei der BUL?
Thomas Frey: Wir sammeln die Unfallmeldungen in den Medien und werden teilweise von der Polizei oder den Staatsanwaltschaften auch direkt über Unfälle informiert. Wir werten diese aus, um die gewonnenen Erkenntnisse insbesondere in die Prävention einfliessen zu lassen. Die BUL macht aber auch Unfallabklärungen, wenn sie von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft dafür aufgeboten wird. Im Juni haben wir eine Häufung der Unfälle festgestellt. Das macht uns Sorgen.  

Was unternimmt die BUL? 
Wir sind auf verschiedenen Ebenen aktiv. Eine davon sind die monatlich erscheinenden Fachartikel, welche wir auf meine Initiative im Frühjahr lanciert haben. Sie informieren jeweils über topaktuelle Themen. Im letzten Monat bezog sich dieser Fachartikel mit Blick auf die bevorstehende Kirschenernte auf den Umgang mit Leitern. Trotzdem ereignete sich am Sonntag in Scharans GR ein tödlicher Unfall bei der Kirschenernte. Davor war es ein Fachartikel zur Befüllung von Silos und zum Umgang mit Gärgasen. Wir danken der Fachpresse, welche die Artikel publiziert. Damit wollen wir das Bewusstsein schärfen und Hinweise zur Vermeidung von Unfällen geben. Die Erkenntnisse aufgrund von Unfällen fliessen selbstverständlich auch in unser Sicherheitssystem Agritop für Betriebe mit  Mitarbeitenden ein. 

Viele ältere Transporter und Traktoren haben keinen Sicherheitsgurt. Viele Bauern vermissen sie nicht, sie sagen, sie wollten vor einem Absturz oder Kippen noch abspringen können. Was sagen Sie dazu? 
Wir haben eine klare Meinung dazu: Sicherheitsgurten erhöhen die Sicherheit und sind daher zu tragen. Natürlich gibt es den Ausnahmefall, dass eine Fahrerkabine bei einem Unfall eingedrückt wird. Die Überlebenschance ist aber deutlich höher, wenn man angeschnallt ist. Ein Abspringen ist nicht berechenbar und nicht planbar. Auch der Fahrerschutz ist zentral. Seit 1978 ist dieser bei neuen Fahrzeugen Pflicht. Ist keiner vorhanden, empfehlen wir unbedingt, diese Fahrzeuge mit Fahrerschutz und Sicherheitsgurten nachzurüsten. Betriebe mit Lehrlingen dürfen nur Fahrzeuge mit Fahrerschutz benutzen. Was die Sicherheitsgurten betrifft, so gilt ohnehin eine Tragpflicht, wenn man schneller als 25 km/h fährt und ein Gurt eingebaut ist, was seit 2018 bei allen neuen Traktoren der Fall ist.  

Wie stark beschäftigt Sie die Bremsthematik? 
Da sind wir in der Arbeitsgruppe des Bundesamts für Strassen (Astra), welche  die Vernehmlassung zur Verordnung über technische Anforderungen an Strassenfahrzeuge begleitet. Die Vernehmlassung ist jetzt zu Ende. Man geht davon aus, dass die neuen Bestimmungen bald in Kraft treten. Hydraulische Bremsen sollen nach wie vor zulässig sein, aber nur noch im Zweileitersystem. Das ist auch in der ganzen EU so. Für uns von der BUL ist nicht das System ausschlaggebend. Wichtig ist, dass die Komponenten geprüft sind und dass sie zusammenpassen. Der grösste Teil der Unfälle in diesem Zusammenhang ist auf schlechte Wartung zurückzuführen. Bei Anhängern werden die Bremsanlagen leider vielfach jahrelang nicht überprüft.  Die Wartung ist wirklich zentral. Bei den neuen Vorschriften ist das Wichtigste, dass man beim Zusammenkoppeln von alten und neuen Systemen eine Überprüfung vornimmt. Es gibt dafür Experten unter den Landtechnikhändlern, die von der Agrotec Suisse ausgebildet worden sind. 

Nach wie vor gibt es auf dem Schweizer Markt Traktoren mit bis zu 110 PS, die nur mit einer hydraulischen Bremse und nicht mit einer Druckluftbremse ausgerüstet sind. Sehen Sie das kritisch?  
Nein. Bei Tests zu den neuen Vorschriften (grössere Bremsverzögerung) hat sich gezeigt, dass auch hydraulische Bremsen gut funktionieren. Entscheidend sind die Wartung und die Prüfung beim Koppeln von älteren und neueren Systemen. 

Zur Person

Der 49-jährige Thomas Frey ist gelernter Landmaschinenmechaniker und absolvierte verschiedene Weiterbildungen als Kaufmann, in Vertrieb und Marketing, Führung sowie Betriebswirtschaft. Er verfügt über langjährige Erfahrung in verschiedenen Führungsfunktionen in der Agrartechnikbranche. Frey arbeitete für Rapid und Bucher und zuletzt bei der Serco Landtechnik als Vertriebsverantwortlicher. Er wohnt in Derendingen SO. sal

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