16.03.2017 17:18
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Landtechnik
«Wir wollen keine Monopole»
Die Wettbewerbskommission (WEKO) hat eine Untersuchung gegen Bucher Landtechnik eröffnet. Es wird wegen unzulässigen Wettbewerbsabreden beim Vertrieb von Ersatzteilen für Traktoren ermittelt. Die Anzeige erstattet hat die Bruno Lehmann AG aus Trub BE.

Die Mitteilung der WEKO hat den Schweizer Traktorenmarkt am Mittwoch erschüttert. Die Wettbewerbskommission hat bekanntgegeben, dass sie eine Untersuchung gegen Bucher Landtechnik, einem Unternehmen der Bucher Industries, eingeleitet hat.

Bucher Landtechnik AG wird verdächtigt, mit der Bindung des Bezugs von Ersatzteilen für Traktoren der Marken New-Holland, Case IH und Steyr an den Verkauf von Traktoren der entsprechenden Marken Parallelimporte verhindert zu haben. In Niederweningen ZH wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt.

Lehmann verkauft Originalteile

Anzeige erstattet hat die Bruno Lehmann AG aus Trub BE. Mit der Untersuchung habe die WEKO anerkannt, dass die Bucher Landtechnik rechtswidrige Vertragsklauseln einsetze, schreibt das Emmentaler Unternehmen auf seiner Website. Mit der Einleitung der Untersuchung und der damit verbundenen Hausdurchsuchung anerkenne die WEKO diesen Verdacht.

Die Bruno Lehmann AG ist nach eigenen Angaben ein Grosshändler von Ersatzteilen. Ihr Sortiment umfasst 27'000 Artikel. Das Unternehmen liefert Ersatzteile für Traktoren der CNH-Gruppe (New Holland, Fiat, Ford, Case und Steyr). Die Landmaschinen-Ersatzteile werden teilweise direkt bei Herstellern und Händler im Ausland gekauft. Lehmann veräussert die Teile anschliessend im eigenen Online-Shop.

«Für freien Ersatzteilmarkt»

Dass nun offenbar Bucher Landtechnik das Traktor- und Ersatzteilgeschäft gekoppelt hat, stösst der Bruno Lehmann AG sauer auf. «Unsere sogenannten Parallelimporte möchte die Bucher Landtechnik AG offenbar verhindern. Daher scheint sie ihren Händlern Verträge vorgelegt zu haben, mit denen die Händler verpflichtet werden, neben den Fahrzeugen auch die Ersatzteile bei der Bucher-Landtechnik AG zu beziehen», heisst es weiter in der Mitteilung auf der Website.

«Unserer Einschätzung nach ist das rechtswidrig», so das Fazit. «Wir wollen keine Monopole, sondern einen fairen und freien Ersatzteilmarkt», lautet die Forderung. Die Einleitung der Untersuchung sei ein wichtiger Zwischenerfolg die Kunden. Dazu zählen Landmaschinenhändler und schlussendlich die Bauern.

Bucher Landtechnik will kooperieren

Bucher Industries sei bestrebt, vollumfänglich zur Aufklärung der Sachlage beizutragen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, dass man von der Hausdurchsuchung von Dienstag in Niederweningen überrascht gewesen sei.  

Bucher Landtechnik ist Generalimporteur unter anderem der Marken New Holland, Case IH und Steyr und verkauft diese an den Fachhandel. Die Zahl der Händler gibt der Konzern nicht bekannt. Bucher Landtechnik gehört innerhalb von Bucher Industries zur Division Bucher Specials. Gemäss Angaben des Mutterkonzerns erzielte das Unternehmen weniger als 100 Millionen Franken. Bucher Industries produziert mit der Kuhn Group Landmaschinen. Das ist der wichtigste Bereich des Konzerns. 2016 realisierte Bucher Industrie einen Umsatz von 2,38 Mrd. Franken.

Rückläufiger Markt


Für Bucher Landtechnik gilt die Unschuldsvermutung. 2016 wurden total 2203 Traktoren gekauft, 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Am beliebtesten waren die Marken Fendt (Marktanteil 17,5%), New Holland (13,8%), Deutz-Fahr (11,3%) und John Deere (10,1%). 

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