Mittwoch, 2. Dezember 2020
07.05.2020 17:48
Luzern

11’000 kämpfen für Tractor Pulling

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Dem Tractor-Pulling-Event in Knutwil LU weht ein eisiger Wind entgegen. Der Anlass verstösst gemäss Luzerner Regierung gegen Bundesrecht. Und wegen der Corona-Pandemie gibt es heuer keinen Anlass. 11’000 setzen sich aber für einen Wettkampf im 2021 ein.

Seit 1999 findet in Knutwil ein Tractor Pulling statt. Und der Anlass kommt an – über 30’000 Personen wollen sich den Wettkampf jeweils nicht entgehen lassen.

SP-Kantonsrätin bekämpft Anlass

Doch nun droht dem grössten Motorsport-Event des Kantons Luzern das Aus. Die SP-Kantonsrätin Isabella Schwegler-Thürig wollte von der Kantonsregierung wissen, weshalb Anlässe wie das «Tractor-Pulling» regelmässig bewilligt werden, obwohl dafür laut Gesetz eine Notlage oder besondere Bedürfnisse bestehen müssen.

Sie wollte auch wissen, wie die Regierung die mögliche Schädigung von Landwirtschaftsland auf der Knutwilerhöhe, zum Beispiel durch auslaufendes Motorenöl oder Diesel auf dem Wettkampfareal oder auf den Parkfeldern, beurteilt. «Luzern hat den Klimanotstand ausgerufen und will bis 2050 CO2-neutral sein. Vor diesem Hintergrund dürfen derartige Grossveranstaltungen nicht mehr bewilligt werden», machte Schwegler-Thürig deutlich. Ihr Vorstoss wurde von 24 Kantonsräten der SP, Grünen und Grünliberalen unterzeichnet.

Regierung will Bewilligung kritisch überprüfen

Wie zentralplus.ch vergangene Woche schreibt, beruft sich die Regierung bei der Ausnahmebewilligung auf einen Artikel im kantonalen Gesetz über die Verwendung von Motorfahrzeugen ausserhalb der öffentlichen Strassen und Wege. Hier habe der Gesetzgeber die Möglichkeit zur Gewährung von Ausnahmen vorgesehen. Es müsse hier eine Abwägung zwischen dem Interesse einer Durchführung und Erholungs- und Umweltanliegen vorgenommen werden.

Bezüglich Schädigung des Landwirtschaftslandes sieht die Regierung Handlungsbedarf. «Grundsätzlich lässt sich die Durchführung von Motorsportveranstaltungen auf gewachsenem, landwirtschaftlich genutztem Boden mit den bundesrechtlichen Vorgaben einer bodenschonenden und nachhaltigen Bodenbewirtschaftung nicht vereinbaren», schreibt der Regierungsrat dazu. Bodenverdichtungen bei schweren Fahrzeugen wie beim Tractor Pulling seien unvermeidbar. Die Regierung habe den Anlass in den vergangenen Jahren toleriert. Künftig werde die Bewilligung für das Tractor Pulling kritisch überprüft.

Was ist überhaupt Tractor Pulling? 

Tractor Pulling ist ein Zugkraftwettbewerb indem es darum geht einen Bremswagen, der kontinuierlich zur zurückgelegten Distanz an Bremskraft zunimmt, über eine Distanz von 100 m zu ziehen oder eben zu pullen. Wird die Ziellinie erreicht, nennt man dies einen Full Pull. Jeder Teilnehmer, der diesen Full Pull schafft, hat im Stechen die Möglichkeit, um den Sieg zu kämpfen. Damit es für die Finalteilnehmer nicht so einfach wird, kann der Zugwiderstand des Bremswagens erhöht werden. Im Stechen gilt das sogenannte Floating Finish. Das bedeutet, wenn ein Fahrer mit seinem Traktor mehr als 100 Meter zurücklegt, gilt die effektive Distanz für die Endwertung. Das Tractor Pulling hat seine Anfänge in den 1940-er Jahren in den USA. Nach der Mechanisierung der Landwirtschaft haben sich die Bauern mit ihren Traktoren «duelliert». Die Landwirte trafen sich auf den «county fairs» (Jahrmärkten) zum «Tractorpull». 

Für 11’000 ist der Anlass unverzichtbar

Daniel Kunz, OK-Präsident des Knuttwiler Tractor Pullings, gibt sich trotz politischem Gegenwind optimistisch. Aufgeben will er nicht. «Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, 2021 wieder starten zu können», sagt er in der Donnerstagsausgabe der «Luzerner Zeitung». Kunz kann dabei auf viele Verbündete zählen. 

11’000 Personen haben eine Petition an die Luzerner Regierung unterschrieben. Für zehntausende Frauen, Männer und Kinder sei der Anlass ein fester Bestandteil in ihrem Jahreskalender. Sollte das Pulling verboten werden, müsste dies auch Auswirkungen auf Open Airs und Schwingfeste haben. Denn auch bei diesen Events komme es zu Bodenverdichtungen wegen parkierter Autos, argumentieren die Petionäre.

OK-Präsi überwältig

Kunz zeigt sich überwältigt. «Ich habe auch sehr viele Anrufe und Handynachrichten erhalten. Sie haben mich mehr als einmal zu Tränen gerührt», sagt er zur «Luzerner Zeitung». Die Regierung will sich schriftlich zur Petition äussern. 

In diesem Jahr findet jedoch kein Tractor Pulling statt. Die Corona-Pandemie und das damit verbunden Versammlungsverbot verunmöglicht die Austragung vom 7. bis 9. August. Nun richtet Kunz den Fokus auf die Austragung im Jahr 2021.

2020 nur 2 Veranstaltungen

Wegen des Bundesratsentscheids können bis Ende August keine Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern stattfinden. Deshalb werden dieses Jahr nach heutigem Stand nur 2 Pullings in der Schweiz stattfinden, vom 4. bis 6. September in Oltingen BL und vom 18. bis 20. September in Montet sur Cudrefin VD, sofern nichts mehr ändert. dha

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