Dienstag, 15. Juni 2021
10.06.2021 18:16
Landtechnik

Mit Differenzierung und Innovation zum Erfolg

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Von: Flurina Müller, Simon Birrer, Simon Favre und Mathieu Cornu

Studierende der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen besuchen auf ihrer Abschlussreise Landwirtschafts- und Verarbeitungsbetriebe in der Schweiz. Auf schweizerbauer.ch berichten sie darüber. In Teil 5 gibt es einen Einblick bei Rigitrac der Familie Knüsel in Küssnacht am Rigi SZ.

Um sechs Uhr hiess es: Raus aus den Federn. Denn es erwartete uns eine lange Fahrt vom Tessin an den Vierwaldstättersee. Noch etwas verschlafen, doch voller Vorfreude, kamen wir am Vormittag in Küssnacht am Rigi SZ bei der Sepp Knüsel AG an. Dort wurden wir von der Tochter des Gründers Sepp Knüsel, Edith Winter-Knüsel, herzlich empfangen. Deren Energie und Begeisterung für den Familienbetrieb steckte uns sofort an.

Drei Generationen Leidenschaft

Die Leidenschaft für Landmaschinen packte Gründer Sepp Knüsel bereits als Kind auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb. Früh begann er eigene Maschinen zu konstruieren. Nach seiner Lehre als Landmaschinenmechaniker gründete er als Zwanzigjähriger die Landmaschinenfirma Sepp Knüsel. Doch damit war nicht genug. Schon lange begleitete ihn der Traum, einen eigenen Traktor zu bauen.

Diesen verwirklichte er sich, indem er den ersten Prototyp Rigitrac in nur einem Jahr baute und diesen 2003 der Öffentlichkeit vorstellte. Angefangen mit sieben Mitarbeitern, sind heute 45 Mitarbeiter an vier Standorten beschäftigt. Nebst Sepp und Marlis Knüsel sind alle vier Töchter im Betrieb involviert. 2016 übernahm Tochter Therese Beutler Knüsel das Unternehmen.

Und die nächste Generation begeistert sich ebenfalls für Landmaschinen. Die Enkelkinder stehen mit ihrem Grossvater gerne in der Werkstatt. Bei so viel Herzblut für Landtechnik geht die Familientradition mit Sicherheit weiter. «Man ist nie zu klein, um bei der Rigitrac-Montage dabei zu sein», erzählt Edith Winter-Knüsel schmunzelnd.

Differenzierung durch Spezialanfertigungen

Wir sind beeindruckt über die starke Position von Rigitrac auf dem hiesigen Markt. Darauf angesprochen, verrät uns Edith Winter-Knüsel im Interview, was die Firma auszeichnet. «Wir sind immer einen Schritt voraus», hält sie fest. Die Kundennähe und der starke Erfindergeist ermöglichen dies. Je nach Kundenbedürfnis werden individuelle Anfertigungen der Maschinen gemacht. Aufgrund dieser Vielseitigkeit kann der Traktor in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden.

So sind heute Rigitracs sowohl auf Landwirtschaftsbetrieben wie auch im kommunalen Bereich im Einsatz. Die Kundennähe zeigt sich auch bei den Servicedienstleistungen. Das grosse Ersatzteilelager ermöglicht effiziente Reparaturen und verhindert so lange Ausfälle zu Spitzenzeiten. Die Sepp Knüsel AG setzt auf höchste Qualitätsstandards. Dies werden gemäss dem Unternehmen durch zahlreiche Prüfungen in der Produktion, viele Eigenkomponenten und gut ausgebildeten Mitarbeitenden garantiert.

Pro Jahr werden so rund 30 Eigenbautraktoren produziert und weitere Maschinen angefertigt. Die zahlreichen erhaltenen Auszeichnungen wie der Swiss Innovation Award 2018 untermauern den Erfolg der Strategie des Familienunternehmens.

Fokus auf E-Traktoren

Innovation liegt der Familie Knüsel im Blut. Ihre Traktoren und Maschinen zeichnen sich durch eine ausgeklügelte Bauweise bis ins Detail aus. Das Mitteldrehgelenk für optimale Standfestigkeit und Geländeanpassung, die verschiedenen Lenkvarianten und die vier gleich grossen Räder sind nur einige Beispiele dafür. Auch beim Trend zur Elektromobilität mischt die Sepp Knüsel AG vorne mit. Was im Individualverkehr schon einer breiteren Menge zur Verfügung steht, geniesst auch im Landmaschinenbereich in der Schweiz immer mehr Aufmerksamkeit.

Seit 2018 arbeitet das Unternehmen an der Konzipierung eines vollelektrischen Rigitracs SKE 50. Dieser zeichnet sich sowohl durch verminderte Lärm- als auch wegfallende CO2-Emissionen aus. Durch die Möglichkeit, den Akku des E-Rigitracs als Stromspeicher von Photovoltaikanlagen auf Landwirtschaftsbetriebe einzusetzen, eröffnen sich für einen Betrieb ganz neue Chancen. Die Entwicklung dieser Technik und die Produktion der E-Maschine ist für die Firma jedoch mit hohen Kosten verbunden. Hauptkostentreiber ist dabei der Akku.

Noch nicht rentabel

Finanziell ist dieser Zweig für die Sepp Knüsel AG deshalb noch kaum rentabel. Dennoch setzten sie einen Fokus in diesem Bereich, da sie hier grosses Entwicklungspotential sehen, erklärt Edith Winter-Knüsel im Videointerview. Zurzeit liegt der Schwerpunkt bei elektrischen Maschinen für nichtlandwirtschaftliche Bereiche. Mit der zunehmenden Etablierung dieser Technik werden aber auch E-Traktoren für die Landwirtschaft immer marktfähiger.

Wir sind beeindruckt von der Begeisterung, Ausdauer und Innovationskraft dieses Familienbetriebs und sind überzeugt, dass uns in den nächsten Jahren weitere spannende Maschinen aus Knüsel’s Werkstatt erwarten. Mit spannenden Eindrücken im Gepäck geht es in den Kanton Aargau zu einem weiteren Pionier.

Teil 4: Magadinoebene: Vom Vieh zum Gemüse
Teil 3: Mit Spezialkultur Markt gefunden
Teil 2: Milchkühe, Ingwer und Saatgut
Teil 1: Wie sich Milco am Milchmarkt positioniert

Die AutorInnen von diesem Artikel(v.l.): Mathieu Cornu, Simon Favre, Flurina Müller und Simon Birrer
zvg
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