Donnerstag, 7. Juli 2022
11.05.2022 13:00
Parlament

RTK-Korrektursignal soll nicht gratis sein

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Von: blu

Landwirte können ihre Traktoren und Mähdrescher auf dem Feld von Lenksystemen steuern lassen. Nationalrätin Meret Schneider (Grüne/ZH) möchte das Signal den Bauern kostenlos zur Verfügung stellen. Die ständerätliche Wirtschaftskommission lehnt dies ab.

Gemäss Meret Schneider benachteiligt das aktuelle Preismodell Landwirte, die eine einzelne Lizenz für sich brauchen, gegenüber Firmen, die mehrere Lizenzen kaufen und diese an Landwirte weitervermieten könnten.

Nationalrat dafür

Mit der Motion wird der Bundesrat beauftragt, für eine kostenlose Bereitstellung von RTK-Korrektursignalen via Swipos GIS/GEO für Landwirte zu sorgen. «Diese Ungleichbehandlung soll durch eine kostenlose Bereitstellung wie es beispielsweise im Bundesland Bayern der Fall ist, ausgeräumt werden», argumentiert Schneider.

Der Nationalrat ihre Motion in der Frühlingssession 2021 stillschweigend an. Der Bundesrat ist einverstanden damit. Doch die Wirtschaftskommission des Ständerats (Wak-S) sieht das anders, wenn auch mit 7 Nein- zu 6 Ja-Stimmen nur sehr knapp.

«Wettbewerbsverzerrung»

Die Mehrheit Kommission ist der Ansicht, die Landwirtschaft solle gegenüber anderen Branchen, die Swipos benützen, nicht bevorzugt werden. Ausserdem würde eine kostenlose Zurverfügungstellung der Signale via Swipos den Wettbewerb verzerren und private Anbieter von Positionierungssignalen aus dem Markt treiben.

Eine Minderheit beantragt, die Motion anzunehmen und will damit innovative Technologien in der Landwirtschaft fördern.

Gehört heute zum Standard

Die Positionsbestimmung und Navigation von Flugzeugen, Schiffen und landgebundenen Fahrzeugen mittels Global Navigation Satellite Systemen (GNSS) gehört heute zum Standard. Mähdrescher und Traktoren im Ackerbau werden mit auf GNSS basierender Lenk- und Führungstechnologie eingesetzt. 

Die RTK-Vermessung (Real Time Kinematic) ist ein Verfahren zum Aufmessen oder Abstecken von Punkten mit Hilfe satellitengestützter Navigationssysteme wie GPS, GLONASS, Beidou oder Galileo. Dabei werden Genauigkeiten von 1 bis 2 cm erreicht. Die Koordinaten der Punkte können nach der Initialisierung in Echtzeit berechnet werden. Voraussetzung ist ein ungestörter Empfang der Signale von mindestens fünf GPS-Satelliten (empfohlen werden mindestens sechs).

Meret Schneider listet in ihrer Motion die Gründe für ein kostenloses Signal auf:

  • Der Traktor muss am Feldrand nicht in einem zeitraubenden Manöver gewendet werden, um die unmittelbar nächste Bahn zu bearbeiten. Das ist bodenschonender als das übliche Vor- und Zurückfahren wenn man die unmittelbar nächste Bahn nehmen muss.
  • Volle Konzentration für die Maschine hinter dem Traktor und damit bessere Arbeitsqualität.
  • Gerade Bahnen beim Säen erleichtern das anschliessende Hacken im Bioanbau.
  • Besonders am Hang und bei engreihigen Kulturen gestaltet sich das Hacken ohne Lenksystem schwierig.
  • Bei «unsichtbaren» Arbeiten wie Zetten, Vorauflaufapplikation von Pflanzenschutzmitteln, Düngerstreuen werden dank Aufzeichnung der bereits bearbeiteten Fläche Überlappungen und Lücken vermieden. Dadurch werden Ressourcen gespart und es wird vermieden, dass lokal zu viel Dünger ausgebracht wird.
  • GNSS sind Voraussetzung für Teilbreitenschaltung. Das bedeutet, dass die Arbeitsbreite eines Anbaugeräts in Sektoren unterteilt wird, die dann einzeln ein/ausgeschaltet werden können. Das ist besonders beim chemischen Pflanzenschutz sinnvoll. Wegen der grossen Arbeitsbreite der Spritzen gibt es z.B bei einem dreieckigen Feld grosse Überlappungen, wo ohne Teilbreitenschaltung doppelt gespritzt wird.
  • GNSS sind Voraussetzung für Ertragskartierung und teilflächenspezifische Düngung (mehr oder weniger Dünger ausbringen, je nachdem, wieviel Ertrag man lokal hatte oder wie viele Nährstoffe dort noch vorhanden sind).
  • GNSS-Lenksysteme ermöglichen bodenschonende Verfahren wie Strip Till (nur Streifen pflügen statt das ganze Feld; Gülle dort, wo sie gebraucht wird) und Controlled Traffic Farming (immer in den gleichen Spuren fahren).
  • Abgesehen von Traktor-Lenksystemen werden GNSS mit RTK-Genauigkeit auch für autonome Feld-Roboter gebraucht. Viele Innovationen im Ackerbau/Gemüsebau, welche jetzt in der Pipeline sind oder später kommen, werden GNSS in irgendeiner Form brauchen.
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2 Responses

  1. Die ständerätliche Wirtschaftskommission scheint in letzter Zeit die Landwirtschaft auf ihrem Radar zu haben. Innert kurzer Zeit hat sie drei Entscheide zum Nachteil für die Landwirtschaft gefällt. Ob diese Damen und Herren wohl überhaupt eine Ahnung von Landwirtschaft haben, ist sehr fraglich.

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