27.01.2017 12:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Röthlisberger
New Holland
New Holland testet Methan-Traktor
Der methangasbetriebener Traktor von New Holland ist in mehreren Ländern in der Praxis getestet worden. So auch im letzten Herbst in Deutschland bei einem Landwirtschaftsbetrieb mit zwei Biogasanlagen.

Bei der Agritechnica 2013 hatte New Holland den ersten Prototyp des methangasbetriebenen Traktors T6.140 vorgestellt. Inzwischen ist der Landtechnikhersteller in der Entwicklung dieses alternativen Antriebskonzeptes einen grossen Schritt weiter. In Italien, Frankreich und England wurde der Prototyp der zweiten Generation bereits in der Praxis getestet. Im letzten Oktober war der neuste Methan-New-Holland für fünf Wochen in Deutschland bei Horst Seide im niedersächsischen Dannenberg im Test.

Auf der Suche

Der Präsident des deutschen Fachverbandes Biogas e.V. und Betreiber von zwei Biogasanlagen und vier Biogastankstellen war sozusagen der perfekte Praxistester für New Holland. Seide will komplett weg von fossilen Brennstoffen und Strom, Wärme und Treibstoff aus erneuerbaren Energien erzeugen und verwenden. Bei Strom und Wärme ist er bereits autark, jetzt sucht er einen Weg, um neben dem Privat-PW auch sein landwirtschaftliches Gerät mit Biogas fahren zu können.

Der Testtraktor wurde deshalb speziell auf die Bedürfnisse des Testbetriebs angepasst. Der T6.180 Methan verfügt laut New Holland über einen FPT-6-Zylinder-Motor mit 6,75 l Hubraum und 179 PS Leistung. Der Schadstoffausstoss falle beim CO2 um 10% und bei anderen Schadstoffen um 80% geringer aus. Die Kosten für den Treibstoff seien bis zu 40% niedriger als für Diesel.

Langer Weg in die Praxistauglichkeit

Noch ist es ein langer Weg in die Praxistauglichkeit. Aus Sicht der Tester seien die Tauglichkeit und die Charakteristik des Motors für die weitere Entwicklung der Traktoren entscheidend, erklärte Klaus Senghaas von New Holland Deutschland. Zuverlässigkeit und Arbeitstauglichkeit spielten eine ebenso entscheidende Rolle. Der Traktor laufe aktuell aus Testgründen noch mit einem Schaltgetriebe.

Später solle auch ein Stufenlosgetriebe zum Einsatz kommen. Die Daten liefere der Schlepper direkt an die Versuchsabteilung nach Italien. «Alles, was wir im Baukasten haben, soll zukünftig als Diesel- oder Biogasmotor angeboten werden können. Wir wollen unsere ganze Bandbreite nutzen», so Senghaas. «Die Landtechnik muss es nur noch umsetzen. Und die Politik muss es wollen.»

«Angenehm überrascht»

An die Bedürfnisse des Testers angepasst wurde die Maschine vom Agrarhandelsunternehmen Agravis respektive deren Tochtergesellschaft Newtec. Der testende Landwirt Horst Seide zeigte sich gegenüber Agravis vom Schlepper nach insgesamt gut 100 Stunden im Einsatz «angenehm überrascht»: «Der Trecker zieht, hat genug Drehmoment und nimmt Steigungen problemlos.» Es gebe keinen Komfortverzicht. Alle fünf Stunden müsse aufgetankt werden; die Kosten lägen aber um zwei Drittel niedriger.

Künftig solle der Platz für Tanks im Schlepper noch besser genutzt werden, um die Tankfüllung auf einmal pro Tag zu reduzieren. Jedes Plätzchen im aktuellen Methan-Schlepper wird derzeit für neun Gastanks genutzt.

Kein Projekt in der Schweiz

Auch beim New Holland Trakoren Center Schweiz in Niederweningen ZH verfolgt man das Methan-Projekt von New Holland mit Interesse. Ob mit Methangas betriebene Traktoren mittelfristig zu einem Thema werden könnten, wird von Vertriebsleiter Bernhard Läubli aber bezweifelt. «Wir stellen fest, dass trotz der steigenden Anzahl an Biogasanlagen in der Schweiz die Nachfrage nach Methan für den Antrieb von Traktoren kaum vorhanden ist», sagt Läubli. Dies habe zwei Gründe: Einerseits sei der Preis pro Liter Diesel (noch) zu günstig und die Nachfrage nach alternativen Treibstoffen dadurch nicht gegeben. Andererseits würden die Biogasanlagen das gewonnene Methan rentabel in Wärme-Kraft-Kopplungen verwerten, was dazu führe, dass der Anreiz, das Methan anderweitig zu verwenden, nicht gegeben sei. röt

 

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