7.11.2013 07:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Röthlisberger
SLV-Spezialpreis
Andreas Bobst güllt und sät in einem Arbeitsgang
Die Gülle ausbringen und gleichzeitig Gras oder Getreide säen. Möglich macht dies eine Entwicklung von Andreas Bobst. Der Lohnunternehmer aus Aedermannsdorf hat für diese Idee an der Agropreis-Verleihung den Spezialpreis des Schweizerischen Landmaschinen-Verbandes SLV erhalten.

«Der Samen wird in denselben Schlitz wie die Gülle abgelegt», sagt Andreas Bobst. Der Bauer und Lohnunternehmer aus Aedermannsdorf im solothurnischen Bezirk Thal zeigt auf die Neuentwicklung, die an seinem Gülle-Selbstfahrer angebaut ist. Zusammen mit seinen Brüdern Martin und Hansruedi hat  Bobst ein separates Gerät gebaut, mit dem er gleichzeitig säen und güllen kann.

«Die Säschläuche haben wir so verlegt, dass der Samen unabhängig von der Gülle in den Gummischuh des Narbendrillers gelangen kann», erklärt Bobst. «Damit ist es uns gelungen, das Güllen und das Säen zu kombinieren.» Etwas, das es bisher noch nicht gegeben hat. Der Vorteil des Systems: ein Arbeitsgang wird eingespart, und dank dem Eindrillen wird auch der Ammoniakverlust und die Geruchsemissionen gesenkt.

Wichtige Dosierung

Für die Säeinheit  haben die Gebrüder Bobst ein Sägerät des Schweizer Herstellers Krummenacher verwendet. Die Arbeitsbreite des ausklappbaren Gerätes beträgt 8,4 Meter, die Tiefenführung erfolgt hydraulisch. Damit das Saatgut bei jeder Geschwindigkeit richtig dosiert werden kann, dafür sorgt ein Laufrad, das hinten am Gerät angebracht  ist. «Die Dosierung ist wichtig, denn ohne diese wäre es nicht möglich, gleichzeitig zum Güllen Getreide einzusäen», erklärt Bobst. Umgesetzt wurde die Idee bei Peter Brack, dem örtlichen Landmaschinen-Händler.

Im Einsatz bei Kunden

Erste Tests mit dem speziellen Sägerät hat Bobst letztes Jahr auf seinem Betrieb durchgeführt. «Ich wollte sicher sein, dass es funktioniert und das Saatgut aufläuft», sagt der 41-Jährige. Das Gras sät er rund 1 cm tief, Getreide zwischen 3 und 4 cm. Bobst sät direkt in die Stoppeln, aber auch in gepflügte und vorbereitete Saatbeete. Die Erfahrungen seien gut, sagt Bobst. Wichtig sei eine saubere und präzise Arbeit.

Seit diesem Jahr bietet der Lohnunternehmern das Verfahren nun seinen Kunden an.
Neu- und Übersaaten mit Gras , aber auch Weizen, Hafer und Triticale habe er diesen Herbst eingesät und jedes Mal zum Saatgut auch Gülle eingedrillt. Die wird jeweils mit einem separaten Tankwagen zum Feld geführt und per Saugrüssel in rund zwei Minuten auf den Gülle-Selbstfahrer überladen.  Insgesamt 18 Kubik Gülle kann Bobst mit dem VT 3936 vom holländischen Hersteller Vredo zuladen. Eine Reifenregeldruck-Anlage und  vier breite Pneus (1050/50 R32)  sorgen für die nötige Bodenschonung trotz hohem Gewicht.

In Hügelzonen

Dank Allradlenkung, Hundegang und ausklappbarer Säeinheit kann der Vredo-Trac auch in hügeligen Zonen eingesetzt werden. «Für mich war dies von zentraler Bedeutung,  weil viele meiner Kunden ihr Land am Hang haben»,  sagt Bobst. Ihr Interesse an der Entwicklung von Bobst haben auch schon die Verantwortlichen der Firma Vredo gezeigt. Jedenfalls waren sie diesen Herbst vor Ort und haben sich das System genau angeschaut.  «Dass man mit ihrem Selbstfahrer auch in die Hänge fahren kann, da haben die Leute aus Holland schon etwas gestaunt», sagt Bobst. Interesse bekundet auch die Forschungsanstalt Agroscope in Posieux FR, die das Verfahren untersuchen will.

SLV-Preis erhalten

Einen Erfolg konnte Bobst am Montag feiern. Sein System hat bei der Agropreis-Verleihung in Bern den Spezialpreis des Schweizer Landmaschinen-Verbandes SLV erhalten. Insgesamt wurden für diesen Preis sieben Projekte angemeldet. «Das gleichzeitige Ausbringen und Dosieren von Gülle und Saatgut hat die Jury überzeugt», sagt Bendicht Hauswirth von der Ott Landmaschinenfirma in Zollikofen und Mitglied der Agropreis-Jury. Zudem sei das System markttauglich und habe Potenzial für die Zukunft.

Video: http://bobst-lohnarbeiten.ch/
Agropreis: http://www.agropreis.ch/home

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