16.03.2019 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Arbeitssicherheit
Anschnallen wird obligatorisch
Eine Sicherheitsgurten-Pflicht bei familienfremden Arbeitskräften wird nach den vergangenen schweren Unfällen eingeführt. Für das Anschnallen müsse sich eine Routine entwickeln, damit der Gurt auch getragen wird.

Wir erinnern uns: Sommer und Herbst 2018 waren nicht nur aussergewöhnlich trocken, sondern auch von vielen Unfällen während der Arbeiten mit Maschinen überschattet, teils mit tödlichen Folgen.

Lehrlinge und Angestellte

Auch dieses Jahr ist bereits wieder ein tödlicher Unfall mit einem umgestürzten Hebefahrzeug passiert. Laut Experte Thomas Bachmann, Technischer Leiter bei Agriss, kann durch ein Anschnallen bei Fahrzeugen mit Fahrerschutz, dem «Überlebensraum», eine tödliche Folge des Unfalls mit grosser Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Die Agriss-Stiftung hat den Auftrag des Bundes, die Arbeitssicherheit zu kontrollieren.

Bachmann stellt sofort klar: «Ja, ein Obligatorium wird – zwar nur teilweise – eingeführt. Landwirtschaftliche Lehrlinge und Angestellte müssen sich beim Führen von Traktoren und anderen selbstfahrenden Maschinen künftig anschnallen.» Das beinhalte auch die Nachrüstung von Sicherheitsgurten, wo keine vorhanden sind. Das Zentrale dabei: Nicht nur die Montage von Gurten, auch das konsequente Tragen ist wichtig und obligatorisch. Aufgrund der gehäuften Unfälle und dem Nichttragen der Gurten werde das laut dem Unfallversicherungsgesetz notwendig. Diese Regelung gilt grundsätzlich per sofort.

Aufklärung wichtiger Bestandteil 

Deshalb ist die Aufklärung der Landwirte ein wichtiger Bestandteil der ganzen Massnahme. Denn es müsse sich eine Routine zum Anschnallen entwickeln. Der Geschäftsführer der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL), Thomas Frey, spricht von nachhaltiger Sensibilisierung: «Das Thema ‹Sicherheitsgurten tragen› ist ein Schwerpunkt unserer diesjährigen Tätigkeit», erklärt Frey. «Man denkt zu oft, dass der Gurt nur in ‹gefährlichen› Situationen angelegt werden sollte. Davon wollen wir nun wegkommen: Aufsitzen – anschnallen – losfahren!» 

In Zukunft wird via Vorschriften zur Arbeitssicherheit eine Gurtentragepflicht für Angestellte und Lernende eingeführt. So müssen auch Gurten auf bestehenden Maschinen nachgerüstet werden. Bei Kontrollen der Agriss wird neu darauf hingewiesen. Eine Anschnall-Routine muss sich nun etablieren. Dabei gilt zu beachten: Ist ein Sicherheitsgurt auf der Maschine vorhanden, muss er auf der Strasse getragen werden.

Doch zurzeit lässt sich die Gurtentragepflicht nur für Lernende und Angestellte durchsetzen. Auch bei einem anderen Sicherheitsthema, dem Fahrkurs für Hebefahrzeuge, ist etwas im Gang. Wegen einer neuen Richtlinie hat die Landwirtschaft ihren Sonderstatus verloren. Die BUL arbeitet derzeit daran, eine Lösung, die zu den Richtlinien und der Landwirtschaft passt, auszuarbeiten. Die Landwirtschaft muss sich wohl darauf einstellen, beim Thema Sicherheit sich den anderen Branchen anzunähern.

Sicherheitsgurt nachrüsten

Die Nachrüstung mit einem Sicherheitsgurt, bzw. mit einem Beckengurt ist recht einfach und günstig. Ein entsprechender Nachrüstsatz kostet rund 65 Franken im Fachhandel und kann auf praktisch allen gängigen Sitzmodellen montiert werden. Am Sitz sind links und rechts der Sitzfläche bereits Löcher oder Bolzen vorhanden, wo die zwei Teile montiert werden können. Für die Montage oder Fragen dazu wenden Sie sich an Ihren Mechaniker. 

Zu beachten gilt aber: Ein Sicherheitsgurt nur bei Fahrzeugen mit intaktem Fahrerschutz montieren. Und auf der Strasse nicht vergessen: Sofern ein Sicherheitsgurt montiert ist, muss er auch zwingend getragen werden, egal ob Betriebsleiter, Angestellter oder Lernender. dha

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