13.12.2017 10:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Strassenverkehr
Ausweis erst nach Traktorfahrkurs
Wer künftig legal auf der Strasse fahren will, muss vieles beachten. Nebst den neuen Bremsvorschriften ab 1.1.2018 geben auch Themen wie vorderer Überhang zu reden. Zudem plant der Bundesrat, dass in Zukunft für die Traktorfahrerlaubnis ein Fahrkurs obligatorisch wird.

Der Winter ist seit ein paar Tagen eingetroffen. Die Maschinen sind eingewintert worden, und wegen der Frühbezugsaktionen ist vielleicht auch eine neue beim Händler bestellt worden. Diese Tätigkeiten und die Jahreszeit mit schwierigen Strassenverhältnissen geben wieder Anlass, um die Strassensicherheit des eigenen Maschinenparks für heute und für die Zukunft zu hinterfragen und zu überprüfen.

Da die neuen EU-Vorschriften, die zurzeit in aller Munde sind, auch auf die Schweiz zukommen werden, finden im ganzen Land Informationsveranstaltungen zu diesem Thema statt. An der GV des Berner Verbands für Landtechnik und an der Open-Werkstatt der Anliker AG in Herzogenbuchsee BE war das Interesse und die Diskusionen gross.

Fahren ab 14 Jahren

An beiden Anlässen stellte sich im Verlauf der Referate die Frage: «Wie sicher kann ein 14-jähriger Fahrer mit einem 40-Tonnen-Fahrzeug unterwegs sein?» Diesem Sachverhalt ging auch der Bundesrat in der Vernehmlassung der Revision der Führerausweisvorschriften, auch bekannt unter dem Begriff «Opera 3», nach.

So soll neu für die Kategorie G nach erfolgreich bestandener Theorieprüfung ein Lehrfahrausweis ausgestellt werden. Der definitive Ausweis soll nach einem zweitägigen Fahrkurs, analog zum G40-Kurs, ausgestellt werden. So würden die Kategorien G und G40 in Sachen Kriterien zur Fahrerlaubnis und Fahrbewilligung zusammengelegt.

Fahrkurs obligatorisch

Zur Notwendigkeit des G40-Fahrkurses sind sich die Präsidenten der Lehrmeistervereinigungen der Kantone Solothurn und Bern sicher: «Der G40-Fahrkurs ist sinnvoll und auf unseren Betrieben wichtig.» Franz-Josef Widmer aus dem Kanton Solothurn sagt ganz klar: «Wer auf unseren Betrieb kommt und eine Lehre machen will, braucht diesen Kurs. Und  wenn nur ein Unfall durch den obligatorischen Kurs verhindert werden kann, hat der Fahrkurs rentiert.»

So spricht sich auch Urs Ryf aus dem Kanton Bern dafür aus: «Die Lehrlinge fahren sicherer und umsichtiger auf der Strasse.» Er stellt sich aber auch hinter die Skepsis des Schweizer Verbandes für Landtechnik (SVLT). Dieser beruft sich auf die Zahlen des Fahrberechtigungsregisters. «Nicht einmal mehr 20 % der Kategorie G-Erwerber machen anschliessend den G40-Fahrkurs für schnellere und grössere Fahrzeuge. So wird vielen eine Kategorie aufgezwungen, die nicht benötigt wird», so SVLT-Geschäftsführer Aldo Rui. Zudem seien in einigen Regionen praktisch keine 40-km/h-Maschinen im Einsatz. Stefan Marti von Agrotec Suisse stellt aber auch die Frage, ob dieser Kurs denn reiche, damit ein 14-Jähriger ein 40-Tonnen-Gespann sicher fahren könne. 

Vorderer Überhang

Nebst der allgemeinen Diskussion über Sicherheit und Bremstechnik stehen offene Fragen im Bereich des vorderen Überhangs im Raum. So könnte es sein, dass es in Zukunft keine Begrenzung mehr geben wird, sondern nur noch ein obligatorisches zertifiziertes Kamerasystem für den Blick nach beiden Seiten. So würden dann die Achslasten und die Reifentraglast die Begrenzung bilden. Aber sicher ist auch das noch nicht.

 

 

 

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