8.03.2015 06:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Melkroboter
«Der Melkroboter ist technisch ausgereift»
Man muss sich drauf verlassen können, dass der Melkroboter störungsfrei funktioniert. Sonst steigt die psychische Belastung an. Und das macht den Gewinn von mehr Flexibilität bei der Arbeit wieder zunichte.

Kapital ersetzt Arbeit. Konkret: Ein Melkroboter ersetzt den Bauern beim Melken. Die Frage ist, ob das wirtschaftlich ist. «Ja», sagte Christian Gazzarin von Agroscope am Melkroboter-Tag, der am Mittwoch am Schluechthof in Cham ZG stattfand. «Doch die frei werdende Arbeitszeit muss sinnvoll eingesetzt werden können, damit sich ein Roboter rechnet.» Gazzarin wies aber auch darauf hin, dass der wirtschaftliche Aspekt nicht allein zähle: «Die Flexibilität bei der Arbeit oder im Privatleben sprechen ebenfalls für den Roboter.» Berücksichtigen müsse man hingegen auch, dass sich die Arbeit vom Stall ins Büro verlagere  und dass die Angst vor technischen Störungen beim Roboter zu psychischem Stress führen könne.

Einkommen kann sinken

Berechnungen von Agroscope zeigen, dass das Automatische Melksystem (AMS) am konkurrenzfähigsten ist, wenn es ausgelastet wird, also bei etwa 60 bis 70 Kühen. Dies aber wie erwähnt nur dann, wenn die frei werdende Arbeitszeit sinnvoll eingesetzt werden kann, sei es durch eine Betriebsvergrösserung oder durch einen Nebenerwerb. Ist dies nicht der Fall, kann das Einkommen pro Hektare bei 40 Kühen und der Umstellung auf den Roboter um bis zu 25 Prozent sinken. Bei 70 Kühen liegt es in diesem Fall 8 Prozent tiefer als in einem Vergleichsstall mit Melkstand.

Technisch gut ausgereift

Gazzarin sprach den psychischen Stress an, der entstehen kann, wenn man der Technik nicht zu 100 Prozent vertraut. Das Thema griff Mathias Harsch vom landwirtschaftliche Zentrum Aulendorf in Baden-Württemberg (D) auf. Und beruhigte: «Der Melkroboter ist technisch  ausgereift, ein Kauf stellt kein Risiko dar.»

In Baden-Württemberg entscheiden sich laut Harsch deshalb 70 Prozent der Bauern bei einem Neubau für den Roboter, und zwar nicht nur solche mit 50 bis 100 Kühen. «Die wenigsten unserer Bauern lasten den Roboter aus», so Harsch. Dazu müsste man   1900kg Milch pro Tag oder 650000kg pro Jahr melken  mit Kühen, die 8000 bis 12000kg Milch geben.

Diese hohe Milchleistung ist laut Harsch auch nötig, weil man im Roboter Kraftfutter verabreichen muss, und zwar mindesten 0,8kg pro Besuch. «Die Fütterung ist in Roboterherden anspruchsvoll, besonders, wenn in der Herde grosse Leistungsunterschiede vorhanden sind.»

Pellets rasch gefressen

Da die Aufenthaltsdauer der Kuh im Roboter der Fressdauer angepasst werden muss, spielt es eine Rolle, wie rasch verschiedene Kraftfutter gefressen werden. Dabei gibt es nämlich Unterschiede. Eine Kuh verschlingt locker 400g pelletiertes Futter pro Minute. Von einer staubigen, geschroteten Mischung bringt sie aber nur 300g pro Minute hinunter.

Nicht nur das Fressen soll der Kuh leicht gemacht werden. Grundsätzlich, so Harsch, ist auf Roboterbetrieben auch der Kuhkomfort zentral. Gesunde Kühe seien das A und O: «Je mehr Sonderbehandlungen nötig sind, desto geringer wird der arbeitswirtschaftliche Vorteil des Roboters.»

Kennzahlen von Roboterbetrieben

Schüler des Schluechthof haben auf 15 Roboterbetrieben die Kennzahlen erhoben:

  • 21 bis 78 Kühe werden pro Roboter gemolken.
  • Die Milchleistung liegt zwischen 6000 und  mehr als 10000kg, im Schnitt bei 8700kg.
  • Die Betriebe produzieren zwischen 130000 und 1,2 Mio. kg Milch pro Jahr.
  • 66% haben einen freien Tierverkehr.
  • 60%  weiden ihre Kühe.
  • Die durchschnittlichen Zellzahlen der letzten drei Wägungen liegen zwischen 100000 und 250000, im Mittel der Betriebe bei 160000.
  • Die Keimzahlen liegen zwischen 3500 und 12000.
  • 5% der Kühe müssen im Schnitt zum Melken geholt werden.
  • Pro Kuh und Tag werden 3 bis 11 Minuten aufgewendet. Die Arbeitszeit teilt sich auf in Reinigen (10%), Boxenpflege (20%), Füttern (23%), Computerarbeit (12%), übrige (35%).
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