22.11.2013 14:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Kartoffeln
Der Pommes-frites-Automat von Ueli Maurer ist serienreif
Ueli Maurer ist Bauer, aber auch Tüftler. Seit fast 20 Jahren geistert ihm die Idee des Pommes-frites-Automaten im Kopf herum. Jetzt ist seine Erfindung serienreif, und die ersten Automaten wurden in Betrieb genommen.

1996 weilte Ueli Maurer, Landwirt aus Wallisellen ZH, in Kanada. Dort sah er einen Pommes-frites-Automaten und war sofort begeistert. 2000 solche Maschinen, so wurde ihm gesagt, würden in nächster Zeit in Korea gebaut. «Als ich nichts mehr davon hörte, fragte ich nach», erzählt Maurer. «Es hat sich herausgestellt, dass die Automaten in den USA und Kanada wegen der Brandgefahr durch das offene Ölbad nicht aufgestellt werden dürfen.» Maurer schüttelte den Kopf und ging nach Hause zu seinen Kartoffeläckern.

Fünf Jahre später sah er eine Maschine aus Italien mit einer geschlossenen Friteuse. Seine Neugierde war wieder geweckt: «Ich sah sofort eine neue Perspektive für den Pommes-frites-Automaten.»

Frites gefroren wägen

Der Tüftler machte sich an die Arbeit, zuerst in seiner Werkstatt, später auch mit Hilfe von Spenglern: «Die ersten Bleche habe ich selber geschweisst», schmunzelt der heute 72-Jährige, der immer noch auf 30ha Getreide, Mais, Kartoffeln und Rüben anbaut, derweil sein Sohn auf einem zweiten Betrieb Gemüsebau betreibt. «Ich musste eine Lösung finden, wie man die gefrorenen Pommes in die Waagschale bringt, bevor sie ins Öl kommen. Als ich das Ende 2002 geschafft hatte, lief die Maschine zumindest in der Theorie.»

Als nächstes machte sich Maurer an die Entwicklung der Heizung für das Öl. Auch dabei stiess er auf Probleme, denn der Platz im Automaten war eng. Das Öl durfte nicht überhitzen, damit seine Qualität hoch blieb. In gut fünfjähriger Arbeit war auch das geschafft, und der Bauer patentierte 2007 seine Erfindung. Er stellte in einer Testphase erste Automaten auf – und merkte schnell, dass er für die Serienproduktion Hilfe brauchte: «Ich erhielt Anfragen von Weltfirmen, das Projekt nahm eine Dimension an, die meine Kapazität sprengte.»

Auf den Weltmarkt

Unterstützung fand der Walliseller bei der Firma Thurpire aus Baar ZG. «Die wurde extra gegründet, um Maurers Ideen weiter zu entwickeln», blickt Geschäftsführer Urs Barandun zurück. «Wir wollten die Automaten zur Serienreife und  dann auf den Weltmarkt bringen. Die Patente von Ueli Maurer halfen uns, weil sie Schutz vor Nachahmern bieten.» Über Maurer sagt der Turpire-Geschäftsmann: «Er baute die Maschine um die Kartoffel herum.» Das habe zwar funktioniert, sei aber nicht markttauglich gewesen.

Über ein Jahr hat Thurpire laut Barandun nun  in die Weiterentwicklung investiert mit dem Resultat, dass die ersten industriell gefertigten Automaten nun in Betrieb sind. Thurpire  verkauft diese aber nicht, sondern vermietet sie oder vergibt Lizenzen zum Betrieb. «So sind die Maschinen immer auf dem neuesten Stand, und die Software wird regelmässig aktualisiert», nennt Barandun die Vorzüge.» Mit diesem System will er mit seiner Firma – an der über Aktien auch Maurer beteiligt ist – die ganze Welt beliefern.

Der automatische Fritierautomat  kann nicht nur Kartoffeln frittieren. Wie René Dimmeler von der Thurpire erklärt, lassen sich beispielsweise auch Fischstäbli oder Chicken Nuggets im heissen Öl ausbacken. Die Technologie ist für alle Produkte dieselbe. Sie macht es möglich, dass nach nur 50 bis 70 Sekunden eine Portion knusprige Pommes frites im Pappbecher landet. Die gefrorenen Kartoffelstäbchen lagern zuunterst im gut mannshohen Automaten. Sie werden portioniert,frittiert und dann abgefüllt. Worauf Maurer, der Pflanzenbauprofi, ergänzt: «Am besten zum Frittieren eignet sich Schweizer Rapsöl. Holl-Raps bringt das Maximum an Qualität.»

Gutes Öl, kein Salz

Gesalzen werden die Pommes frites nicht. Das ist laut Dimmeler bewusst so gemacht: «Wenn man gutes Öl nimmt und richtig frittiert, braucht es nicht unbedingt Salz.» Richtig frittieren heisse, dass das Öl nicht zu stark erhitzt werden dürfe. Zudem  hätten nicht alle Konsumenten den gleichen Geschmack. Die Betreiber der Maschine würden Salz sowie oft auch Ketchup oder Mayonnaise jeweils neben den Automaten aufstellen.

5000 weitere Automaten

Die Betreiber, das sind derzeit etwa vierzig Hotels, Restaurants und Cateringbetreiber in der Schweiz, aber auch in Deutschland (dort kostet eine Portion Pommes 2.50  Euro) und anderen EU-Ländern sowie im Nahen Osten. In diesen Regionen sollen im nächsten Jahr weitere Automaten aufgestellt werden. Es ist geplant, dass sie dereinst auch auf öffentlichen Plätzen oder etwa an Bahnhöfen zu finden sind  – ausgerüstet mit einem Münzschlitz, damit die Konsumenten selbst Geld einwerfen können.

Als weiteren Standort für die Automaten kann sich Dimmeler Tankstellenshops oder Take-aways vorstellen. Gesamthaft sollen in den nächsten fünf Jahren 5000 Standorte dazukommen. Über die Gestehungskosten lässt sich Barandun nichts entlocken. Er sagt nur, dass in der seriellen Produktion noch Optimierungspotenzial bestehe und dass ein Automat mit dem bestehenden Geschäftsmodell in 20 Monaten refinanziert werden könne. Was natürlich auch Aktionär Ueli Maurer freut, der bis dann weiter Kartoffeln anbaut und in seiner Werkstatt an weiteren Erfindungen tüftelt.

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