4.10.2017 10:15
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Pflanzenschutzmittel
Eine Drohne als Hoffnungsträger
Im Wallis wurde die erste Sprühdrohne Europas entwickelt. «Agrofly» soll einen gezielten und ressourceneffizienten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ermöglichen. Für 2018 ist die Markteinführung geplant. Die Branche setzt grosse Hoffnungen in das Flugobjekt.

Vergangenen Samstag zeigte in Dielsdorf ZH die rund 40 Kilo schwere Drohne, was sie kann. Das zur Freude des Syngenta-Chef Erik Fyrwald. «Das Projekt ist vielversprechend und zeigt exemplarisch, wie Pflanzenschutzmittel dank digitaler Unterstützung künftig effizient und umweltschonend ausgebracht werden können», so der US-Amerikaner.

Pflanzenschutzmittel in der Kritik

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird kontrovers diskutiert. Die Initiative «Für sauberes Wasser» verlangt unter anderem, dass nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungen unterstützt werden, die keine Pestizide einsetzen. Auch verschiedene Umweltverbände wollen den Einsatz solcher Mittel drastisch reduzieren.

Zudem berichtete die Konsumentensendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehen SRF im Juni 2017 über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Rebbergen. Mittels Helikopter werden Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Dabei werden Mindestabstände zu Hecken, Wäldern und Gewässern oft missachtet, so der TV-Sender. Im Bach Tsatonire im Wallis wurden in einer Untersuchung 64 verschiedene Pestizide festgestellt.

Zusammenarbeit von Start-Up, Behörden und Industrie

«Agrofly» soll hier Abhilfe. Das zur grossen Freude von Erik Fyrwald. Denn bei der Entwicklung der Drohne hat der Basler Konzern massgeblich mitgeholfen. Entwickelt hat die Drohne der Tüftler Frédéric Hemmeler aus Granges bei Sierre. 2015 begann er, ein Flugobjekt zu entwickeln, dass in unwegsamen und steilen Lagen Pflanzenschutzmittel zielgenau und dosiert versprühen. Ein Jahr später nahm er mit der Forschungsanstalt Agroscope Kontakt auf. Die wiederum brachte die Syngenta ins Projekt ein. Die Basler sind nach eigenen Angaben das einzige Unternehmen, das die Zielgenauigkeit von Pflanzenschutzbehandlungen wissenschaftlich testen kann.

Im Februar 2017 erhielt Hemmeler für die Drohne die Bewilligung «zum Sprühen von Flüssigkeiten mit einem unbemannten Luftfahrzeug» vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). Im April 2017 gründete der Walliser «Agrofly». Für den Bau der ersten Drohne erhielt ein Sponsoring von Syngenta. Derzeit wird die Drohne getestet und laufend optimiert. Ziel ist unter anderem eine Optimierung der Spritzqualität und eine Reduktion des sogenannten Abdrifts.

Kostet 50'000 Franken

Die ungewollte Verbreitung von Fungiziden über die betroffenen Kulturen hinaus kann bei Helikoptereinsätzen vorkommen. Die Drohne hat hier Vorteile gegenüber dem Heli, da sie im Tiefflug über die Reben manövriert werden kann.

Die Drohne kostet rund 50'000 Franken und kann rund 17 Kilo Nutzlast transportieren. Mit einer Spannweite von 2 Metern fällt das Flugobjekt auf.

Agrofly:

- Start-up, gegründet im April 2017 durch Frédéric Hemmeler
- Sitz in Granges VS
- derzeit 6 Mitarbeitende, Tendenz steigend
- im Beirat sitzen mehrere Wissenschaftler, darunter ein Vertreter von Agroscope sowie zwei von Syngenta, sowie ein Winzer

Hoffnungsträger

Die Branche setzt in die Drohne grosse Hoffnungen. Die unbemannten Flugobjekte können in Hanglagen, aber auch in Feldern, die beispielweise nach Niederschlägen nicht befahren werden können, zielgenau eingesetzt werden. Syngenta-Chef Fyrwald hält grosse Stücke auf den Drohnen. Er verspricht sich einen Rückgang des Verbrauchs von Spritzmitteln von 30 Prozent. Vermiest das Syngenta nicht das Geschäft: "Kurzfristig mögen die Umsätze mit Pflanzenschutzmitteln sinken. Langfrisitg profitieren wir, wenn es den Bauern gut geht und weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden", sagt Fyrwald dem "Blick". 

«Agrofly» soll bereits 2018 in Serienproduktion gehen. Und das Unternehmen geht bereits die nächsten Entwicklungen an. So soll die Drohne künftig nicht mehr von Hand gesteuert werden, sondern durch ein Computerprogramm. Dadurch könnten die Kosten massiv gesenkt werden.

Drohne Agrofly SpUAV (Spraying Unmanned Aerial Vehicle):
- 2 Meter Spannweite
- Gewicht inkl. Ladung 40 kg, wovon 17 kg Nutzlast
- Kosten ca. 50‘000 Franken inkl. Schulung und Unterhalt
- erste für die Landwirtschaft einsetzbare Sprühdrohne Europas mit einer offiziellen Betriebsbewilligung in der Schweiz
- weitere Staaten sind bereits in Bearbeitung

Posted by AgroFly SA on Montag, 7. August 2017
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