30.03.2015 12:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
ETH: «Erinnerungs»-Maschine präsentiert
Forscher der ETH Lausanne (EPFL) haben eine Maschine entwickelt, mit der sich Erfahrungen wiedererleben und teilen lassen. Ein Prototyp wurde am Montag an der Tagung «Brain Forum» erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, wie die EPFL und das Unternehmen W Science mitteilten.

Der EPFL-Forscher Jamil El-Imad nennt das Projekt «Reality Substitution Machine», Wirklichkeitsersatz-Maschine. Die Innovation könnte für die Filmindustrie ebenso verheissungsvoll sein wie für die Behandlung von Phobien und Posttraumatischem Stress (PTSD), wie die «Schweiz am Sonntag» berichtete.

Ganzkörpererfahrung

Die Maschine hebt die Virtuelle Realität auf die Stufe der «Ganzkörpererfahrung»: 18 Videokameras nehmen dabei Bilder in alle Richtungen auf, vier Paare «elektronischer Ohren» eine 360-Grad-Geräuschkulisse, heisst es in der Mitteilung. Das zusammengesetzte Video wird in einem Helmdisplay wiedergegeben.

Die darin integrierte stereoskopische Kamera liefert zusätzlich ein räumliches Bild und damit ein Gefühl der «körperlichen Präsenz» im virtuellen Raum. «Dies erlaubt ein authentisches Erlebnis», erklärt der Co-Leiter des Projekts, Olaf Blanke von der EPFL.

Erfahrungen erleben

So lassen sich Situationen in der echten Welt aufnehmen und jederzeit wieder abspielen, zum Beispiel der Gipfelsturm eines Bergsteigers. Dies ist nicht nur für Filme, Videospiele oder Telekonferenzen interessant, sondern auch für die psychiatrische und neurologische Forschung.

Bei Menschen mit Phobien - etwa vor Spinnen oder tiefen Abgründen - und anderen Angststörungen wie PTSD habe sich die virtuelle Realität bereits als wirksam erwiesen, erklärt der beteiligte Forscher Bruno Herbelin vom Centre for Neuroprosthetics der EPFL. Durch die integrierte Körperempfindung werden die Erfahrungen noch realistischer.

Auch bei Phantomschmerzen sowie in der neurobiologischen Grundlagenforschung hält Herberlin einen Einsatz der neuen Technologie für denkbar. Für die Praxis ist das Gerät derzeit indes noch zu unhandlich.

Echtzeit-Demonstration in Lausanne

Eine Echtzeit-Demonstration mit dem Gerät wird an einem Stand am «Brain Forum 2015» vorgeführt, das vom 30. März bis 1. April in Lausanne stattfindet. Hier werden auch Vertreter der grössten Hirnforschungsinitiativen der Welt zusammentreffen: Das Human Brain Project (Europa), die Allen Brain Initiative (USA), sowie die israelische und die chinesische Brain Initiativen.

Das Brain Forum unter der Ägide der EPFL und W Science gibt es seit 2013. Das Unternehmen W Science empfiehlt Investitionen in Technologien, die Wissenschaft und Informatik verbinden.

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