1.01.2014 09:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Robotik
Fliegender Roboter geht auf Tuchfühlung
Wie ein ungeschickter Junikäfer taumelt der Flugroboter, den Forscher der ETH Lausanne (EPFL) konstruiert haben, durchs Gelände. Ganz ohne Sensoren unterwegs, kollidiert er mit Objekten, statt ihnen auszuweichen und kommt dennoch ans Ziel. Dereinst soll er zum Beispiel in Katastrophengebieten zum Einsatz kommen.

Die Ähnlichkeit zum Junikäfer ist nicht zufällig: Für das «Gimball» getaufte Flugobjekt stand die Insektenwelt Modell. «Fluginsekten gehen Kollisionen nicht aus dem Weg», liess sich Adrien Briod vom Labor für Intelligente Systeme in einer Mitteilung der ETH zitieren. «Sie sind dazu gebaut, sie schadlos einzustecken.» 

Von Baum zu Baum taumelnd

Der Flugroboter besteht aus einem 34 Zentimeter grossen, runden Gerüst aus ultraleichtem Karbon, das beim Aufprall zurückfedert. Ein gyroskopisches System aus zwei beweglichen Ringen hält das Antriebsteil mit Propeller im Inneren aufrecht. Frühere Versionen ohne diese Stabilisation hätten dazu tendiert, nach dem Aufprallen in eine beliebige Richtung weiterzufliegen. 

Dem neuen Roboter gelang hingegen ein mehrere hundert Meter weiter, gezielter Flug durch einen Lausanner Wald - von Baum zu Baum taumelnd, wie ein Video der Forscher demonstriert. Den Weg fand der Roboterkäfer mit Hilfe eines simplen Magnetkompasses und eines Höhenmessers. 

Sensoren schwer 

Die meisten heutigen Roboter gingen Hindernissen mit Hilfe von Sensoren aus dem Weg, erklärte Briod. Doch diese seien schwer und empfindlich. Zudem funktionierten sie nicht unter allen Bedingungen, etwa im Rauch. 

Es ist aber erklärtes Ziel der Forscher, einen Roboter zu entwickeln, der auch dorthin fliegen kann, wo andere Roboter nicht hin können, etwa in ein eingestürztes Hochhaus nach einem Erdbeben. Die darauf montierte Kamera könnte den Rettungskräften wertvolle Hinweise liefern. 

«Gimball» wurde der Öffentlichkeit im Rahmen der Robotikausstellung IREX präsentiert, die vom 5. bis 9. November in Tokio stattfand. Das Projekt wurde im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts «Robotik» des Schweizerischen Nationalfonds durchgeführt.

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