Samstag, 16. Januar 2021
06.05.2012 17:08
Gülletechnik

Injektoren bringen Gülle in 10 Zentimeter Tiefe

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Die Gülle via Injektoren in 10 cm Tiefe ablegen und so die Geruchsbelastung und Ammoniakverluste minimieren. Möglich macht dies eine Eigenentwicklung von zwei Bauern aus der Weststeiermark in Österreich.

Die Landwirte Anton Ertl und Josef Schöninger aus der Weststeiermark haben ein Gerät zur direkten Einarbeitung der Gülle in gepflügte Äcker entwickelt. Basis ist eine hydraulisch klappbare Ackerschleppe mit einer Arbeitsbreite von 6 Meter.

Dieses Gerät ebnet den Boden ein und übernimmt die Tiefenführung. An die Ackerschleppe montiert sind zwölf Injektoren. Diese legen die Gülle in etwa 10 cm Bodentiefe mit 50 cm Abstand bandförmig ab. Mit beim Projekt beteiligt waren eine Maschinenbaufirma und die Landwirtschaftliche Umweltberatung Steiermark.

Schwenkbare Injektoren

Zum Gerät zugeführt wird die Gülle mit einer Verschlauchung. Über eine Mengenerfassung geht die Gülle zu einem Rotationsverteiler und gelangt so zu den Injektoren. Via Hohlraum in den Injektoren gelangt die Gülle in den Boden. Die Injektoren sind links und rechts schwenkbar, so dass auch Kurvenfahrten möglich sind.

Die beim Gerät ankommende Gülle wird von einem Durchflussmesser ermittelt. Nachdem die gewünschte Ausbringmenge festgelegt worden ist, wird dem Fahrer über ein Display die erforderliche Geschwindigkeit angezeigt. Gefahren wird je nach Bedingung auf dem Acker mit rund 4 bis 5 km/h.

Exakt in den Boden

«Bei 4 km/h erreichen wir eine Flächenleistung von täglich 2,4 ha», sagt Anton Ertl. Bei guten Bedingungen wie etwa in Hofnähe und bei grossen Flächen könne pro Stunde 100 Kubik Gülle ausgebracht werden.

Das Besondere an dieser Entwicklung ist die exakte Ablage der Gülle. «Durch dieses Verfahren erfolgt keine Durchmischung der Gülle mit dem Boden», sagt Ertl. Die Gülle werde in einem Streifen im Boden abgelegt und mit Erde überdeckt, so dass bei der Endbodenbearbeitung das Depot nicht zerstört werde.

Vorteil dieser Injektionsgüllung ist die minimale Geruchsbelastung, das Verhindern von Ammoniakverlusten und die Verbesserung der Nährstoffeffizienz. Zudem ist die Gülle vor oberflächiger Abschwemmung geschützt.

Varianten verglichen

In einem dreijährigen Versuch (2008 bis 2010) hat das Umweltamt Steiermark das neu entwickelte System bei Mais getestet und mit anderen Gülleausbringtechniken und Mineraldüngervarianten verglichen. Bei den Parametern Ertrag, Eiweissgehalt und N-Effizienz war die Injektortechnik der Ausbringung mittels dem nach wie vor weit verbreiteten Prallteller überlegen.

Die Variante Schleppschuh war der Variante Injektor gleichwertig. Insgesamt produzierte die Injektortechnik von allen Varianten die niedrigsten Reststickstoffwerte, schreibt das Umweltamt. Die Mineraldüngervariante war bezüglich Ertrag, Eiweissgehalt und N-Ausnutzung allen Güllevarianten mehr oder weniger, überlegen.

Eine Art Cultan-Effekt

Der relativ hohe Wirkungsgrad der Injektionsdüngung sei einerseits auf die Verringerung der N-Verluste in die Luft, andererseits wahrscheinlich auf die bessere Ausnutzung durch eine Art «Cultan-Effekt» zurückzuführen.

Durch die konzentrierte Ablage der Gülle in Bändern liegen die Nährstoffe in einer Art Düngedepot im Boden vor. Die Umwandlung des Ammonium-N zu Nitrat-N aus diesen Depots erfolgt verzögert, so dass Auswaschverluste als Nitrat reduziert werden. Ein Unterfussdüngungseffekt durch die tiefe Gülleablage sei aber nicht wahrscheinlich, da die Schleppschuhvariante gleiche Erträge und Eiweissgehalte erreichte.

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