26.01.2015 08:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Stephan Schmidlin, Daniel Salzmann
Forschung
Kein Geld mehr für Traktorenprüfstand
Die Forschungsanstalt Agroscope will ihre Gelder neu verteilen. So sollen der Traktorenprüfstand und die Futtermittelanalysen finanziell nicht mehr unterstützt werden. Der Standort Conthey könnte geschlossen werden.

Bei der Forschungsanstalt Agroscope stehen einmal mehr erhebliche Veränderungen an. Dies hat der «Schweizer Bauer» in Erfahrung gebracht. Diverse Bereiche sollen abgebaut, andere dafür ausgebaut werden. So soll der Traktorenprüfstand in Tänikon TG stillgelegt werden.

Nicht Aufgabe der öffentlichen Hand

Agroscope-Direktor Michael Gysi bestätigt auf Anfrage, dass dieser selbsttragend werden müsste. «Ein privater oder ein alternativer Investor kann den Traktorenprüfstand weiterführen», sagt er. Ebenfalls gestrichen werden sollen die Bundesgelder für die Dienstleistung für Private im Bereich der Futtermittelanalytik. Für Gysi ist klar, dass dies nicht Aufgabe der öffentlichen Hand ist.

«Hier ist die Branche gefordert, private Labors können diese Analysen übernehmen», so Gysi. Beim Gutsbetrieb in Tänikon sollen die Schweinezucht und die -mast aufgegeben werden. Überhaupt wird die Verpachtung des Betriebs geprüft. Der Schweineversuchsstall hingegen soll weitergeführt werden.

Mehr Agrarökonomie

Im Gegenzug soll unter anderem der Bereich Agrarökonomie gestärkt werden. «Stichworte sind dabei Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmertum. Wir wollen den Landwirten Möglichkeiten zur Kostensenkung aufzeigen», erklärt Gysi. Ausgebaut werden sollen auch die Bereiche Saatgutqualität und Pflanzenschutz im Rebbau.

Gysi betont, die rund 25 definierten Massnahmen seien Teil eines normalen Strategieprozesses, den eine Institution wie Agroscope immer wieder durchlaufen müsse. «Es geht darum, Agroscope für zukünftige Herausforderungen besser vorzubereiten, besser zu positionieren», so Gysi. Die Agroscope wolle Reserven bilden, um kurzfristig auf Bedürfnisse der Branche, insbesondere der praktizierenden Landwirtschaft, reagieren zu können.

Derzeit sei dies bei konstantem Budget geplant. «Ein Zusammenhang mit den im Dezember beschlossenen zusätzlichen drei Millionen Franken an das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) besteht nicht», behauptet Gysi. Nach heutigem Kenntnisstand sollen diese Gelder nicht bei Agroscope kompensiert werden.

Conthey VS ist in Gefahr

Laut Informationen, die dem «Schweizer Bauer» vorliegen, steht der ganze Agroscope-Standort Conthey mit heute 52 Mitarbeitern auf der Kippe. Gysi sagt, dass im Rahmen der Kompetenzzentrumsbildung die Tätigkeiten in Conthey überprüft würden, zum Beispiel im Bereich Gemüsebau, welcher heute auf zwei Standorten (Conthey und Wädenswil ZH) betrieben werde.

Für den Standort würde mit dem Kanton Wallis und interessierten Branchen eine verstärkte Zusammenarbeit diskutiert, insbesondere in den standortspezifischen Spezialitäten wie zum Beispiel der Züchtung von Aprikosen. Eine Schliessung des Standortes stehe nicht im Vordergrund.

Darbellay kämpft für Conthey 

Auch der Walliser CVP-Nationalrat Christophe Darbellay hat Kenntnis von den Umbauplänen der Agroscope. Er ist sehr besorgt, dass sich die Agroscope mit diesen Plänen noch mehr weg von der praktischen Landwirtschaft hin zur reinen Grundlagenforschung bewegt. «Im momentan schwierigen Umfeld der Landwirtschaft ist eine starke praktische Forschung besonders wichtig», zeigt sich Darbellay überzeugt. Das beste Beispiel für ihn sind die Probleme mit der Kirschessigfliege im Weinbau vom letzten Herbst. «Ein solcher Vorfall kann schnell mehrere hundert Millionen Franken kosten», gibt der studierte Agronom zu bedenken. 

Eine Schliessung des Standorts Conthey, den sein Onkel Charly Darbellay während 20 Jahren leitete, ist für Darbellay deshalb undenkbar. Er hat mit einer Allianz aus Westschweizer Politikern aus allen politischen Lagern bereits heftig beim BLW interveniert. «Wir werden auf keinen Fall ein Szenario ohne Conthey akzeptieren und fordern das BLW auf, diese Forschungsstätte zu einem nationalen Kompetenzzentrum für Obstbau umzubauen», zeigt sich der Nationalrat kämpferisch. Der Kanton Wallis habe sehr viel Obstbau. Und für Darbellay ist es ein Unding, dass sich der Bund immer mehr aus der Westschweiz und explizit dem Wallis verabschiedet. schm/sal

 

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