22.01.2014 08:28
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Zürich
Landi Marthalen: Windkraft ohne Windrad
Leise und praktisch unsichtbar: In Marthalen im Zürcher Weinland ist am Dienstag das erste Windkraftwerk für Hausdächer eingeweiht worden. Es thront auf einem Getreidesilo und nutzt Wind, Druckunterschiede und Solarenergie gleichzeitig.

«Oft wird Windnutzung etwas negativ angeschaut, weil es zu Schattenwurf, Lärm und einer Störung des Landschaftsbildes kommen kann», wird Ingenieur Sven Koehler in einer Mitteilung der Klimastiftung Schweiz zitiert.

Wind, der an der Fassade hochzieht

Er habe nach einer Lösung gesucht, die Sonne und Wind gleichzeitig nutze - aber ohne die Nachteile mitzubringen. Das Ergebnis heisst WindRail und sieht eher aus wie ein Lüftungsaufsatz, als wie ein Windkraftwerk. Weil die Windräder eingehaust sind, hält sich zudem die Lärmbelastung in Grenzen.

Strom erzeugt das Mini-Kraftwerk mit dem Wind, der an der Fassade hochzieht, durch die Druckunterschiede an der Dachkante und mit den Solarzellen auf der Hülle. Je nach Haus kann das WindRail bis zu 70 Prozent des Strombedarfes des jeweiligen Gebäudes decken.

Jedes hundertste Haus geeignet

Beim Mini-Kraftwerk auf dem Getreidesilo in Marthalen handelt es sich erst um einen Prototypen. Ziel sei es aber zu erreichen, dass Besitzer von Flachdach-Häusern in einigen Jahren eine wirtschaftliche und ästhetische Möglichkeit hätten, einen grossen Teil ihres Energiebedarfes auf diese Art zu decken, schreibt die Klimastiftung. Für windige, dicht besiedelte Gebiete

Eine Marktstudie der Universität St. Gallen zeigt, dass in der Schweiz etwa jedes hundertste Haus für ein WindRail geeignet wäre. Das höchste Potenzial liegt in dicht besiedelten Gebieten mit starken lokalen Winden, etwa in der Region Basel oder im Rheintal.
Unterstützt wird Koehler vom Klimafonds Winterthur und von der Klimastiftung Schweiz.

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