15.01.2015 06:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Technik
Satelliten sollen vor Dürren warnen
Ein internationales Forschungskonsortium unter Berner Leitung will die Vorwarnzeit bei Überschwemmungen und Dürren verlängern. Dies soll mit Hilfe von Satelliten gelingen. Der Startschuss für das Projekt, das von der EU finanziert wird, fiel am Mittwoch in Bern.

Je besser man Naturkatastrophen voraussehen könne, desto besser könne man darauf reagieren, schreibt die Universität Bern in ihrer Mitteilung. Allerdings bauten sich Fluten so schnell auf, dass sie kaum vorherzusehen seien.

Vor Flut Satellit positionieren

Bei Überschwemmungen gehen die Rettungskräfte jeweils unverzüglich an die Arbeit, wie die Universität festhält. Allerdings fehlte ihnen bisher im wahrsten Sinne des Wortes der Überblick. Nötig wäre bei solchen Wetterextremen ein detailliertes Lagebild.

Mindestens 48 Stunden dauert es, bis Fernerkundungssatelliten organisiert sind, die Übersichtsbilder und Karten herstellen können. Ziel der Forschung ist es deshalb, die bildgebenden Satelliten bereits zu positionieren, bevor die Flut auftritt.

Untergrund aus dem All beobachten

Dazu beobachten die Wissenschaftler die Verteilung der Wassermengen. Es genügt aber nicht zu wissen, wie viel es geregnet hat. Ob es zu einer Überflutung kommt, hängt vom Sättigungsgrad des Bodens ab - der grossen Unbekannten.

Paradoxerweise lässt sich der Untergrund am besten aus dem All beobachten, wie die Universität festhält. Mithilfe eines Satellitensystems zur sogenannten Schwerefeldbestimmung, mit dem an der Universität Bern seit längerem gearbeitet wird, lassen sich Massenveränderungen auf der Erde analysieren. Das Prinzip ist das folgende: Die Verteilung der Massen hat einen direkten Einfluss auf das Schwerefeld der Erde und somit auf die Bahn der Satelliten. Wenn sich in einer Region Wasser ansammelt und die Masse dort wächst, verändert sich auch die Satellitenbahn.

Auch bei Dürren einsetzbar

Die Abweichung sei zwar nur minimal, in der Grössenordnung eines Haares, aber messbar, schreibt die Universität. So könne man sagen, wann und wo Wasserspeicher volllaufen. Diese neuen Daten wollen die Forschenden mit anderen Informationen kombinieren und damit die Katastrophenabwehr unterstützen.

Bei einer Dürre funktioniert das System ähnlich, nur bleibt hier mehr Zeit. Hier ist es wichtig, zu wissen, wie viele Wasserreserven noch zur Verfügung stehen, um rechtzeitig Wassersparnahmen zu verordnen. Die Universität Bern koordiniert zum ersten Mal ein «Horizon 2020»-Forschungsprojekt der EU. Das Projekt mit dem Namen EGSIEM (European Gravity Service for Improved Emergency Management) erhält knapp 2,5 Millionen Euro.

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