21.01.2014 12:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Heinz Röthlisberger
Elektronik
Schnell mit der App rapportieren
Weniger Büroarbeit. Davon träumt manch ein Praktiker. Ueli Straumann aus Fehren SO setzt seit letztem Jahr ein elektronisches Rapportsystem ein. Damit kann der Lohnunternehmer den Zeitaufwand verringern.

Ueli Straumann tippt auf sein Tablet – drei-, vier-, fünfmal. «Und fertig», sagt er. Gerade hat der Lohnunternehmer aus Fehren im Schwarzbubenland eine Arbeit elektronisch auf seinen tragbaren Flachcomputer (Tablet) eingetippt und abgespeichert. Das Ganze dauerte nicht mal eine Minute. So wie das Ueli Straumann gerade eben vorführte, macht er es seit letztem April tagtäglich: Arbeiten, die er für Dritte ausführt, mit einem elektronischen Rapportsystem erfassen.

Vielseitig tätig

Ueli Straumann bewirtschaftet zum einen in Fehren einen Biobetrieb mit Angus-Mutterkuhhaltung. Zum anderen geht er im Lohn Rundballen pressen, ist in Fehren Gemeindearbeiter, vermietet Kleinbagger und hilft in einer Sanitärfirma aus. Das alles sozusagen als Einmann-Unternehmer. Ausser beim Ballenpressen. Hier kann er, wenn es viel Arbeit gibt, auf die Mitarbeit von Kollegen mit ihren Traktoren zurückgreifen.

Viele Aufträge muss Straumann täglich rapportieren, damit er diese verrechnen kann. Bis letzten Frühling schrieb er die Arbeiten handschriftlich in ein Notizbuch. «Ohne Disziplin ging das nicht», sagt der Lohnunternehmer. «Wenn man die Arbeit nicht gleich aufschrieb, ging sie entweder vergessen oder man konnte sich im Nachhinein nur noch ungenau daran erinnern».

Schön schreiben war auch gefragt. Denn Ende Monat ging das Notizbuch jeweils zu seiner Schwester in die Buchhaltung. Und wenn die Schwester den einen oder den anderen etwas zu schnell eingeschriebenen Rapport nicht lesen konnte, musste sie wiederum ihn fragen, «was denn das damals für eine Arbeit war?»  Etwas, das immer sehr zeitaufwendig war. «Manchmal ging so auch etwas verloren. Vor allem Zeit und manchmal halt auch Geld», erklärt Straumann, der ohne zu zögern sagt, dass die Büroarbeit nicht gerade seine Lieblingsbeschäftigung ist.

Mit dem Tablet unterwegs

All das beschäftigte ihn schon lange, und all das war mit ein Grund, dass er letztes Jahr auf die elektronische Rapportierung mit der «Mobile Data-Reporting»-App (Rapport-App) der Firma Martha Software (siehe Kasten) umgestiegen ist.

Anstelle eines Notizbuches trägt Ueli Straumann nun ein robustes Tablet auf sich. Seine erledigten Abeiten gibt er jetzt sofort überall dort, wo er gerade ist, in die Eingabemaske auf dem Tablet ein. Diese wurde von Martha Software genau auf die Bedürfnisse von Straumann abgestimmt. «Der Benutzer wird so durch eine checklistenartige Erfassung mit allen vordefinierten Arbeiten geführt, so dass nichts vergessen geht», sagt Viktor Schmid, Geschäftsführer und Inhaber von Martha Software. Erst wenn das System das O.K gibt, kann die Eingabe weitergeführt werden. Ist alles gut, wird der Rapport im System abgespeichert.

Mit Sauenplaner angefangen

Martha Software aus Gipf Oberfrick AG ist seit über 25 Jahren auf die mobile Datenerfassung spezialisiert. Gründer und Inhaber der Firma ist Viktor Schmid. Der gelernte Landwirt hat sich auf die Entwicklung von Software spezialisiert und 1988 mit einem elektronischen Sauenplaner angefangen. Im Laufe der Zeit kamen Management-Lösungen für Zucht und Herdbuch hinzu. Seit rund  vier Jahren ist die Firma, die heute acht Mitarbeiter beschäftigt, auch im Bereich der elektronischen Rapportierung tätig und hat mit dem «Mobile Data-Reporting» eine neue mobile App (Applikation) auf den Markt gebracht. Mittlerweile ist die Rapport-App in der 4.Generation. Noch in diesem Jahr wird die App auf den Namen «Amacos» umgetauft.

Die mobile Data-Reporting-App hat in der digitalen Schweizer Wirtschaftsbranche bereits für Aufsehen gesorgt. Im vergangenen November ist die mobile Data-Reporting-App an der ersten Award Night der «Best of Swiss Apps» in Zürich mit einer Bronzemedaille in der Kategorie «Enterprise» ausgezeichnet worden. röt

Alle während des Tages erfassten Rapporte werden zu Hause mit dem drahtlosen Netzwerk (Wireless) oder direkt mit Kabel auf den Büro-PC und somit in das Rapportprogramm übertragen. Ende Monat kann die Schwester von Straumann die Rapporte schnell und einfach in die Rechnungen übertragen.

«Disziplin braucht es mit dem Tablet nach wie vor, aber was früher mit dem Notizbuch sehr lange dauerte, ist nun in einer halben Stunde fertig. Das spart Zeit und Geld», sagt Straumann. Zudem habe er Ende Monat eine detaillierte Liste aller ausgeführten Arbeiten und somit einen genauen Überblick. Straumann sagt, dass er das Rapportsystem nicht mehr hergeben würde. 

Stetig weiterentwickelt

«Das Rapportsystem gibt es in der ganz einfachen Ausführung ab 2000 Franken, und es kann bis zu 10000 Franken und mehr für komplexe Anforderungen kosten», sagt Viktor Schmid. Hinzu kämen noch jährliche Ausgaben von je nach Anforderung zwischen 2000 bis 5000 Franken.

«Bis jetzt haben wir rund 50 Rapport-Apps bei Handwerkern, Lohnunternehmern und Kleinunternehmern im Einsatz», so Schmid. Das System werde laufend weiterentwickelt, auch mit der Erfahrung der Anwender wie Ueli Straumann. So sei ein Projekt in Planung, mit dem die Rechnungen gleich direkt über die App erledigt werden können.  

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