21.10.2018 18:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Neuheit
Silicon Valley im Jura
AgriJura nimmt sich der unterforderten Landmaschinen an und schafft dafür eine moderne Vermittlungsplattform via App. Der Maschinenpooltool ist unkompliziert, günstig – und steht in den Startlöchern. Einen ersten Eindruck gibt es an der Agrama in Bern.

Die Schweizer Landwirtschaft verfügt über den modernsten Maschinenpark der Welt. Nirgends ist die Motorisierung höher – und nirgends verzeichnen die Doppelschwader, Rundballenpressen und Traktoren weniger Betriebsstunden als hierzulande. Das ist nicht nur betriebswirtschaftlich schlecht; es ist auch unbefriedigend. Für den Landwirt wie den Steuerzahler.

Technik à la Silicon Valley

Im Jura hat man die Problematik nicht nur erkannt – das schafften auch schon andere. Im Jura nimmt man sich der Problematik an. Mit Technik à la Silicon Valley. «Eine logische Sache», sagt dazu ein lächelnder Michel Darbellay in wunderbar französisch getünchtem Deutsch. Darbellay ist Geschäftsführer des jurassischen Bauernverbands AgriJura und Initiant des Projekts. «Ich bin überzeugt, dass die überbetriebliche Zusammenarbeit ein sehr grosses Potenzial hat. Nicht nur um Kosten zu sparen, sondern auch, um die Lebensqualität der Bauern zu verbessern.» Sagt er.

Seine Lösung, das Ding, dessen Namen er hier und jetzt noch nicht veröffentlicht, soll diese Kosteneinsparnis, gepaart mit der Verbesserung der Lebensqualität, bringen. AgriJura, in Partnerschaft mit dem Maschinenring Schweiz und unterstützt vom Bundesamt für Landwirtschaft, steht nämlich kurz vor der Lancierung einer App, die den Maschinenverleih unter landwirtschaftlichen Betrieben regelt. Traktor-Sharing made in Jura, wenn man so will.

Anfragen, reservieren, mieten und abrechenen

Über die App, die auf dem Smartphone, Tablet oder Desktop-PC läuft, wird angefragt, reserviert, gemietet, erfasst und schliesslich auch abgerechnet. Den Berechnungszeitraum bestimmt der Anbieter. Das schafft nicht nur eine Übersicht über die Maschinen in der Umgebung. Es optimiert auch die Betriebsstunden pro Maschine und ermöglicht vermietenden Landwirten darüber hinaus ein kleines Nebeneinkommen. Kommt hinzu, dass diese automatisch exakte Statistiken über die Einsatzzeiten ihrer Maschinen erhalten.

Der Ablauf ist so: Bauer A, der auch Maschinengemeinschaft oder Lohnunternehmer sein könnte, entscheidet sich zur Teilnahme, meldet sich online an, bezahlt die noch nicht definierte Jahresgebühr und erfasst seine Maschinen, die er vermieten will. Die Stunden oder Tage, in denen er sie selbst benutzt, sperrt er für Mieter.

App plus GPS-Gerät

Diese erfassen Reservierungswünsche und Nutzungsdaten, der Vermieter akzeptiert, ändert oder lehnt Ansinnen ab. Ganz ohne Handarbeit geht es denn doch nicht. Doch die Entwickler denken bereits heute einen Schritt weiter: Parallel zur App testen sie ein GPS-Gerät, mit dem Kipper, Balkenmäher und Feldspritzen ausgestattet werden können.

Es erfasst Betriebsstunden und zeichnet Distanzen auf, die Daten wiederum speist es in die App. Besagtes Gerät, das «boitier connecté», die Verbindungsbox, die die einzig nötige Hardwarekomponente darstellt, stammt aus Lille in Frankreich. Karnott heisst das Startup, das das Gerät entwickelt und mit dem AgriJura eng zusammenarbeitet.

System wird getestet

Zurück zur App: Michel Darbellay steht in ständigem Austausch mit den Programmierern, dem bernischen Startup Seccom, denn seit dem vergangenen Sommer läuft die Testphase: Es wird getüftelt und verbessert, Fehler werden behoben, Bugs ausgemerzt, Abläufe optimiert.

Zuerst geht es darum, das System im Raum Delémont auf Herz und Nieren mit einer Landmaschinen-Gemeinschaft zu testen. Dort nutzt man bereits seit längerem ein System, das zwar ähnlich funktioniert, aber doch einiges rudimentärer ist. Es besteht aus telefonischen Anfragen und zerfledderten Notizbüchern, die in wasserdichten Röhren an den Maschinen befestigt sind und von Hand mit Einsatzzeiten gefüttert werden.

Start Anfang nästes Jahr


Anfang 2019 soll die Sharing-Plattform online gehen. Dann heisst es: «byebye, carnet de note». Und geht es nach Michel Darbellay, werden analoge Maschinengemeinschaften dereinst in der ganzen Schweiz durch solche digitalen Lösungen ersetzt. Weil er von der Idee und der Lösung überzeugt ist. Wann es allerdings soweit ist, weiss er nicht. Ein erstes Mal zu sehen gibt es das Tool aber schon an der Landtechnikmesse Agrama Ende November in Bern.

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