15.12.2015 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St. Gallen
Stromverbrauch gezielt optimieren
Wenn Silvan Egger auf seinem «Säulihof» in Niederbüren Strom verbraucht, so geschieht dies immer so optimal wie möglich. Er hat überall Schaltungen montiert und steuert diese über ein Computerprogramm.

Auf den ersten Blick ist der Hof von Silvan Egger in NiederbürenSG ein normaler Schweinemastbetrieb. Seine 500 Tiere leben in Ställen wie anderswo. Auch die zwei Computerbildschirme in einem Nebenraum des Stalles gehören mittlerweile zum Alltag von Landwirten. Eindrücklicher wird es allerdings, wenn der Landwirt von den Schaltkästen, Sensoren und Kabeln erzählt, die er auf seinem Betrieb verbaut hat.

Abläufe automatisiert

Während der Weiterbildung zum SPS-Techniker (Speicherprogrammierbare Steuerungen) hatte Silvan Egger die Idee, seinen Betrieb energetisch besser auszurichten. «Damals automatisierte ich die Abläufe beim Abladen des Heus mit Hilfe von Sensoren», erzählt er. «Fuhr ich ins Tenn, so starteten das Dosiergerät und das Heugebläse.»

Aber auch bei der Fütterungsanlage für die Schweine sah er Optimierungspotenzial. Bevor diese zum Beispiel am Abend in Betrieb geht, schaltet zehn Minuten vorher das Licht an als Vorbereitung für die Schweine. Dann fressen sie ihr Futter, und alles stellt am Schluss automatisch ab.

Ideales Projekt

«Ein weiteres grosses Projekt war die Warmwasseraufbereitung für das Schweinefutter. Das Wasser wird in einem Wärmetauscher erhitzt und läuft danach direkt in den Schweinetrog.» Je nach Witterung wird sogar die Temperatur des Wassers automatisch angepasst.

Der Zufall wollte es nun, dass Silvan Egger von der Unterstützung des Bundes von Photovoltaikanlagen für den Eigenverbrauch erfuhr. «Sofort kam mir der Gedanke, dass mein Betrieb für ein solches Projekt ideal ist, denn ich verbrauche mit konstant drei Kilowatt pro Stunde relativ viel Energie», sagt er. Deshalb baute er auf seinem Maschinenraum eine Photovoltaikanlage, die seit vergangenem August in Betrieb ist und bei Vollbetrieb 28 Kilowattstunden Strom liefert. Seine bisherigen Erfahrungen zeigen, dass er 80 bis 85 Prozent der so produzierten Energie selber verbrauchen kann. Den Rest speist er ins Netz ein.

Alles ist vernetzt

Die Optimierung ging aber noch weiter. Egger hat die einzelnen Geräte und Maschinen so programmiert, dass sie einander nicht konkurrieren. Auch das Wohnhaus hat er einbezogen. «Erste Priorität hat der Boiler im Haus», erklärt er. «Danach folgen jener im Stall und jener für die Schweine.» Letzterer ist zudem mit fünf Heizpatronen ausgestattet, die das Programm je nach Verfügbarkeit des Stroms einzeln ein- oder abschalten kann. Ist genügend Energie vorhanden, so kommt das Rührwerk des Güllekastens in Betrieb.

Das Gleiche gilt für das Auffüllen der Futtersilo. Klar ist auch, dass bei der Heuernte während des Einführens keine anderen Geräte laufen. Der Belüfter hat am Anfang Priorität, danach stellt er sich über einen Luftfeuchtigkeitsmesser ein und aus. Auch die Dusche für die Schweine stellt sich bei hohen Temperaturen selber ein usw. «Alle Geräte, auch Waschmaschine und Geschirrspüler, sind nur dann in Betrieb, wenn die Energie nicht für priorisierte Maschinen benötigt wird.»

Viel Energie einsparen

Auch für den Fall von Fehlern im System hat Silvan Egger vorgesorgt. Die rot leuchtende Lampe am Stall ist das Zeichen dafür. Zudem bekommt er nach 15 Minuten ein SMS mit der genauen Störungsmeldung. Den genauen finanziellen Vorteil kann Egger nach so kurzer Zeit noch nicht beziffern. Er schätzt aber, dass er bis zu einem Drittel seiner Energiekosten einsparen kann, was einem Betrag von bis zu 4000 Franken entspricht.

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