4.11.2017 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Agropreis
Vom Legomodell in die Praxis
Simon Hugi aus Zimmerwald BE baute ohne Pläne, aber mit Legomodell einen 8,4 Meter breiten Kreiselheuer. Nun zeichnet der Schweizer Landmaschinen-Verband den Tüftler im Rahmen der Agropreisverleihung aus. -->> Mit Videos

Eine kleine Quizfrage: Was hat als Legomodell begonnen, wurde als Holzmodell im Massstab 1:1 auf einen funktionierenden Mechanismus getestet, besitzt eine gebremste Achse eines Hamsterladewagens und hat ein Chassis eines ausgedienten Haspelträgers? Genau – das ist der 8-teilige, selbst konstruierte Zettwender der Familie Hugi aus Zimmerwald BE.  

Familiensache

Was in diesem Beschrieb noch fehlt sind der Tüftlergeist und das investierte Herzblut. Und da diese Kombination in der Praxis auch funktioniert, hat der Schweizer Landmaschinen-Verband diese Innovation in einem Spezialpreis im Rahmen des Agropreises 2017 mit einem 5000-Franken-Preis geehrt.

Junior Simon und Senior Theodor Hugi sind echte Tüftler. Simon ist gelernter Baumaschinenmechaniker und macht zurzeit mit seiner Freundin am Hondrich die Zweitausbildung zum Landwirt bzw. Landwirtin. Sie möchen zusammen gerne später den 16,5 ha-Betrieb übernehmen. Da neue Maschinen teuer sind, und nicht immer genau das können, was die beiden möchten, bauen sie auch viele Maschinen selber, so wie den Kreiselheuer. Aber dazu später mehr.

Lego-Tüftler

Begonnen hat die Konstruktion des nun ausgezeichneten Zettwenders laut Simon Hugi mit einem Legomodell. Dabei orientierten sich die zwei an bekannten Maschinen von namhaften Herstellern. Dabei wurde klar, die Maschine musste leicht, wendig und hangtauglich sein. Ohne genaue Pläne zu zeichnen, wurde ein Holzgerüst im Massstab 1:1 angefertigt. Daran konnten die beiden Tüftler testen, ob der Hub- und Senkmechanismus im Leerlauf funktioniert.

«Bei der Materialstärke beim richtigen Modell waren wir uns am Anfang überhaupt nicht einig. Daraus ist aber später ein guter Mittelweg entstanden» erklärt Simon. Dann holt er ein defektes Lager hervor. «Wir konnten die auftretenden Kräfte nicht einschätzen» erklärt der Mechaniker zu dem aufgesprengten Gussstück. Der nun selbst gebaute Rahmen trägt nun zwei identische 4-Kreisel-Zetter. Und auch da hatten die beiden Glück, denn ganz in der Nähe verkaufte ein Landwirt ein mit dem vorhandenen Wender identisches Modell.

Wie von Profis

Simon holt die Maschine für eine Vorführung aus der Scheune. Schon beim Ausklappen merkt man: Die Maschine ist von hinten bis vorne durchdacht und funktioniert. Ein Highlight ist die zentrale Höhenverstellung der Zinken. Ein altes Bulli dient als Kurbel und verstellt stufenlos den Anschlag, an welchen die Kreisler über eine per Autofelge vorgespannte Feder gedrückt werden.

Daneben funktioniert der Wender am 60 PS Carraro bestens. Der Zettwender ist mit 1560 kg ungefähr gleich schwer wie handelsübliche Maschinen. Die Maschine hat neben einer Lenkwinkelbegrenzung noch weitere innovative Details.

Mit Herzblut dabei

Neben dem aufgesattelten Wender haben Hugis noch weitere selbst gebaute Maschinen auf dem Betrieb. So existiert laut den beiden auf dem Betrieb keine Maschine, an der nicht etwas optimiert wurde. «Unser 90-90 Fiat ist vermutlich noch am meisten original, aber auch da haben wir Dinge abgeändert» sagt Theodor Hugi und lacht auf die Frage, was von den vielen Geräten eigentlich nicht umgebaut sei.

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