16.12.2017 18:49
Quelle: schweizerbauer.ch - dha
Landtechnik
Wirrwarr bei Bremsvorschriften
Seit Monaten diskutiert, und niemand weiss, was die neue Verordnung bringt. Eines ist jedoch klar: Alte und neue Maschinen passen nicht mehr zusammen. Und zurzeit ist nur sicher, dass noch nichts sicher ist.

Um über die Notwendigkeit der neuen Bremsvorschriften zu diskutieren, müssen wir zurückblicken: Einst war ein 25-km/h-Traktor eine schnelle Maschine und kam mit einem 4-Tonnen-Anhänger mit Auflaufbremse gut zurecht.

Heute sind es 40km/h mit bis zu 40 Tonnen. Doch die Bremstechnik wuchs insbesondere in der Schweiz langsamer mit als im LKW-Bereich. Nun kommen mit einer neuen EU-Verordnung neue Bremsvorschriften auf alle europäischen Hersteller zu.

EU-Harmonisierung

Die EU will mit der neuen Harmonisierung Markthemmnisse innerhalb des Binnenmarkts senken. So soll nach Inkrafttreten der neuen Regelungen eine Maschine am einen Ende produziert und am anderen Ende der EU ohne Probleme zugelassen und eingesetzt werden dürfen.

Wenn sich  die Schweiz für eine Speziallösung mit einer Einleiterhydraulikbremse entscheidet, verfehlt sie den Sinn der EU-Verordnung. Spätestens ab dem Jahr 2021 hat die Einleiterhydraulikbremse auf Neufahrzeugen in der EU ausgebremst, ausser die Schweiz entscheidet sich im Frühjahr 2018 dagegen.

Nachrüsten

Viele Landwirte stellen sich nun die Frage, ob sie Traktoren und Anhänger nachrüsten müssen. Die Antwort lautet Ja und Nein. Aus Gründen der Sicherheit auf jeden Fall, denn die Fahrzeuge sind zwar koppelbar, haben aber nicht aufeinander abgestimmte Bremsbänder. Das Gesetz schreibt aber keine Nachrüstung der älteren Anhänger vor.

Eine Möglichkeit kann zudem die Reduktion der Geschwindigkeit oder eine Ablastung auf ein geringeres Gesamtgewicht sein. Zudem wünschen sich viele Landwirte, dass mindestens auf dem neu angeschafften Traktor ein Einleiterbremsventil montiert werden darf. Das ist nach der neuen Regelung bis 2020 bzw. 2021 noch möglich. Jedoch gilt auch hier: Die Fahrzeuge passen in Sachen Bremsleistung nicht zusammen. Stefan Marti von AM Suisse bringt noch einen anderen Aspekt ins Spiel: «Unsere Mechaniker greifen mit der Nachrüstung in das Bremssystem ein und übernehmen so die Produkthaftpflicht für die Einrichtung.»

Entscheid im Mai 2018

Die grösste Schwierigkeit des Ganzen ist die enorme Unsicherheit zur ganzen Vorlage. So sehen Fachleute auch den Trend, dass die EU noch einen Schritt zurück machen könnte. Zudem verfügt natürlich die Schweiz über die Eigenständigkeit, die Verordnung für unser Land anzupassen.

Deshalb wird man etwa im Mai des kommenden Jahres zu 90% wissen, wie die Verordnung in der Schweiz umgesetzt wird, und  zu 100%, wenn der Bundesrat unterschrieben hat. Bis dahin lauten die Kaufempfehlungen der Verbände klar: Zweileiterdruckluftbremse, ALB, Papiere mit Bremsberechnung und bei Bedarf eine nachgerüstetes hydraulisches Einleiterbremse.

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