16.01.2013 08:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/dapd
Deutschland
1,5 Mio. Euro Busse für Lidl wegen Verkaufs von Listerien-Käse in Deutschland
Drei Jahre nach dem Verkauf von mit Listerien belasteten Käseprodukten aus Österreich muss der Discounter Lidl eine Geldbusse in Höhe von 1,5 Mio. Euro zahlen. Ausserdem sprach ein Gericht hohe Geldstrafen gegen Mitarbeiter aus.

Das Amtsgericht Heilbronn erliess gegen vier Mitarbeiter wegen lebensmittelrechtlicher Verstösse Geldstrafen zwischen 27'000 und 58'500 Euro, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Zwei von ihnen müssten zudem Geldbussen in Höhe von jeweils 7000 Euro zahlen.

Lidl kam Informations-, Warn- und Rückrufpflichten nicht nach

Nach dem Verzehr des mit Bakterien belasteten Käses waren 2010 in Deutschland vier Menschen an Listeriose erkrankt. Ein Mensch starb an den Folgen der Lebensmittelvergiftung. Listerien können schwere Infektionskrankheiten auslösen. Für Kranke, Geschwächte, Schwangere oder Neugeborene können diese unter Umständen lebensgefährlich sein.

Laut Gericht kamen die Beschuldigten ihren Informations-, Warn- und Rückrufpflichten nicht nach. Spätestens Ende 2009 hätten sie einen Lieferstopp veranlassen müssen. Eine strafrechtliche Verantwortlichkeit für die Erkrankung oder den Tod von Konsumenten  habe sich aber nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen lassen.

Aufgrund der langen Zeit bis zum Ausbruch einer Listeriose von bis zu 70 Tagen kann laut Gericht nicht ausgeschlossen werden, dass selbst bei einer ordnungsgemässen Erfüllung der Mitteilungs- und Rückrufpflichten ab Ende 2009 ein Erwerb und Verzehr bereits im Handel befindlicher Käseprodukte nicht hätte verhindert werden können.

Warnung durch EU

Die Europäische Union hatte über ihr Frühwarnsystem am 22. Januar 2010 vor dem Produkt des österreichischen Herstellers Prolactal gewarnt. Einen Tag später rief Lidl zwei Käsesorten zurück und warnte die Kunden «aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes», den Käse nicht zu essen.

Drei Wochen später riet der Discounter in einer weiteren Mitteilung, «diese Produkte keinesfalls zu verzehren». Gegen die Gerichtsentscheidung können die Betroffenen binnen zwei Wochen Rechtsmittel einlegen.

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